Pastor persönlich
Bettengalerie



8.März

Der schönste Freitag und Samstag seit Monaten liegt hinter mir. Freitag 10.30Uhr: Mit Stine alleine im Auto Richtung Holland. Klönen, Zeit, Ruhe. Holland. Dann Hindeloopen. Ein herrliches Zimmer mit Blick auf die Weide bei Cobie. Bed and Breakfast. Ihr Haus und Hof sind für mich so etwas wie eine zweite Heimat geworden. Ich tippe, dass ich im Laufe der letzten 10 Jahre  
so um die 20 x da war. Und Cobie macht es immer schöner. So ein schnuckeliges Haus, so ein cooler Campingplatz. Respekt vor dieser alleinerziehenden Frau, die einen Wirtschaftsbetrieb nach ihren Vorstellung hochzieht.
Angekommen in Hindeloopen.  Erstmal gut anderthalb Stunden mitten am Tag schlafen. Scheint nötig gewesen zu sein. Spaziergang durch Workum, Kaffee und Kuchen in einem granatengemütlichen Cafe. Spaziergang. Kurze Lesepause. Vielleicht doch schon um 20 Uhr einschlafen?  
Nee, gehen wir noch was essen.
Herrlich langes Frühstück. Spaziergang durch Hindeloopen. Bei Sonnenschein. Vertraute Gebäude. Sogar vertraute Gesichter beim „Coopman“. Einen Happen essen. Na und dann …., bei 2 Grad plus aufs Ijsselmeer. Es geht doch nichts über einen soliden Trockenanzug! Die Saison ist eröffnet.
Grinsen, als ich an den Strand komme. „Ach, der Pastor ist auch da!“ Stine wundert sich. Ich mich auch. Nein, ich sehe nicht so bekloppt nach Pastor aus, dass man es mir aus weiter Entfernung ansieht (oder?). „Man“ kennt sich in der kleinen überschaubaren Workum-Djerba-Szene. Lächeln muss ich schon. Und ein wenig gebauchpinselt bin ich. Na ja, und dann gut eine Stunde Eisschollen-Kiten. Hammer! Unbeschreiblich, wenn man bei Sonnenschein an Eisplatten, die sich übereinander geschoben haben, vorbeikitet. Unvergesslich. Beeindruckend. Das hat mich schon sehr sehr fröhlich gestimmt.
Das Beste, die Beste war aber Stine.  
Wir haben die Zeit miteinander dermaßen genossen. Ausgespannt. Geklönt. Nach dem Kiten ein wenig Shoppen. Essen gehen. Geld weghauen. Danach auf dem Rückweg noch in die Therme in Nieuweschans. Und da trifft man Leute. Liebe GJW-NWD-Leute. Die Welt ist noch kleiner als ich dachte.
Seit Sonntag dann wieder der ganz normale Alltag. Schöner Alltag (wobei ich Stine und die Kinder nach einem solchen Kurzwochenende schmerzlicher vermisse als sonst; so gesehen sind solche Wochenenden dann auch wieder hart; oder weich im Nachhinein. Tränenweich beim Abschied.
Jetzt also Evangelisation in Stadthagen. Das hat vielleicht „Freude“ gemacht. Spaß. Ein schöner Gottesdienst und ein aus meiner Sicht noch schönerer Abend. Ganz toll von der Gemeinde vorbereitet. Und ich mache ja nicht lieber als predigen (na ja, die Idealkombi wäre Predigen auf dem Kiteboard, aber lassen wir das der Umwelt zuliebe….).
„Welchem Stern kann ich trauen?“ war gestern Abend das Thema. Im Programm haben wir auch einen Blick ins Universum geworfen. Irgend ein toller Youtube-Film, der die Ausmaße des Universums veranschaulicht. Es ist schon was, dass ich mitten in diesem Universum glauben kann, dass es einen Schöpfer gibt. Und dass der es auch noch mit mir zu tun haben will.
Es hat mir Riesenspaß gemacht, da einen Dreh dran zu finden. Vom Schöpfungsbericht über den Auszug aus Ägypten bis zum babylonischen Exil  
und zum Kreuz Jesu. Mag sein, dass nicht alle Anwesenden den Gedankengang verstanden haben. Ich habe mir selbst gepredigt. Das tat gut.
Glücklich über einen schönen Abend bin ich dann nach Hause gefahren, um heute die Kinder und Stine zu sehen. Heute Abend fahre ich dann bis Mittwochabend wieder nach Stadthagen.
Heute ein wenig Papierkram und dann ein Stündchen mit der Familie. Wie schön.




4.März

Rike ist seit gestern 12 und Enno versucht sich auf seiner Gitarre mit „Smoke on the water“.Die Zeiten ändern sich. Es ist schön mit anzusehen, wie die Kiddies selbständiger, eigenverantwortlicher und auch „eigener“ werden. Rike hatte ein paar Freundinnen zu Besuch. Ein Geburtstag so zwischen Kindergeburtstag und Party. Nicht mehr, aber eben doch noch nicht.
Inhaltlich bin ich momentan ganz auf eine Evangelisation eingestellt, die am Sonntag in Stadthagen beginnen wird. Ich muss noch gut was schaffen, um nicht nur Altes zu sagen oder aus der Kiste zu zaubern.Das ist etwas herausfordernd.
Besonders nett und intensiv war gestern ein Treffen mit Julia. Wie gut, wenn man Klartext reden kann. Gemeinsam planen ohne Rücksicht auf Verluste. Es ging um die Ausstellung für ewigkite.de. Man darf gespannt sein.
Bevor es am Freitag und Samstag in Ruhe mit meiner Liebsten auf Tour geht (Hindeloopen, vielleicht komme ich ja zum ersten mal in diesem Jahr aufs Wasser?), die Kinder sind durch die Jungschar „versorgt“, versuche ich heute noch eine Predigt, mehrere Veranschaulichungen, eine AK-Vorbereitung und drei Sponsorenkontakte hinzubekommen. Dann 1 x Autobahn ins Ruhrgebiet. Gegen Mitternacht dann wieder hier. Bevor dann zwei hoffentlich schöne Tage beginnen.

1.März
Zettelchaos. Wenn ich es nicht schaffe, die anstehenden inhaltlichen oder organisatorischen Dinge nach meiner E-Mailliste oder nach einer Erledigungsliste unter Word abzuarbeiten und sich dringende Dinge nach vorne schieben, dann fange ich wieder mit Zettelchen an. 9 Post Its liegen rund um mein Telefon herum und kleben sich dabei nicht nur auf meine Büroutensilien, sondern dummerweise auch auf meine Seele. Ich werde diese Dinge nicht los. Ich komme nicht dagegen an.
Ja, ich habe bisher immer erlebt, dass sich alles irgendwann einigermaßen gut auflöst. Das wird auch diesmal so sein. Aber zu Beginn dieser Woche, in der ich auch viel unterwegs sein werde, so viele Zettelchen zu sehen, das stimmt mich nicht unbedingt fröhlich.
Das Wochenende war aber sehr schön. Nachdem ich am Donnerstag in Elstal gewesen war, hatte ich am Freitag noch mal Ruhe, um wenigstens zwei Zettelchen abzuarbeiten. Samstag und Sonntag habe ich dann – abgesehen von jeweils 3 Stunden-nichts getan. Na ja, geputzt und gekocht, einen netten Teeny-Geburtstag von Janneke miterlebt und über dies und das nachgedacht.
Ich habe auch „Die Hütte“ zu Ende gelesen. Entgegen der Erwartungen zu Beginn des Buches erhält es jetzt am Ende doch nur die Gesamtwertung 3-4. Irgendwann ging mir der Stil auf die Nerven und auch die inhaltlichen Aussagen wurden mir zu banal. Ich hatte den Eindruck, dass der Autor offen angefangen hat, um dann gegen Ende doch wieder in evangelikales Gewässer zu schippern. Und diese Gewässer sind für mich nicht mehr die Wege, auf denen ich mein lebensboot entlang schippern lassen will. Dennoch: Die Theodizee-Frage (warum lässt Gott das zu?) ist in diesem Buch mal so angegangen, dass ich selbst eine leise „Erklärung“ dafür habe. Nichts Neues, aber anders ausgedrückt.
Ich werde mich jetzt nicht mehr drücken. Vor den Zettelchen.




22.Februar
Ein herrlicher Sonntag liegt hinter uns. Gottesdienst in Veenhusen und dann ein leckeres Essen, ein prima entspannter Klönnachmittag und einfach die zeit verstreichen lassen mit Familie W. (der Name ist der Redaktion bekannt, wird aber aufgrund wiederzuerkennender Namen rund um Kaffeenmaschinenfunktionsstörungen nicht genannt).
Entspannt, locker, alles ist gut. Und es steht fest, dass ein Traum in Erfüllung geht. Wir kaufen. Was, das verrate ich noch nicht.
Morgen geht es nach Elmshorn, am Dienstag hat rike ihren Oldenburger Vorlesewettbewerb, am Mittwoch feiert Janneke ihren 14.Geburtstag, am Donnerstag werde ich in Elstal sein.
Und ich lese weiter "Die Hütte". Mal begeistert, mal nachdenklich, mal nicht so angetan.
Die Idee aber, Gott in drei unterschiedlichen Personen erscheinen zu lassen, die jeweils die Züge biblischer Aussagen über Gott tragen, finde ich schon genial. So verständlich. Und es ist schon putzig auf welche Kleinigkeiten der Autor geachtet hat. Obwohl ich noch 100 Seiten zu lesen habe, kann ich jetzt schon mal sagen, dass ich das Buch wohl allen Leuten empfehlen werde, die sich Gedanken über die Dreieinigkeit Gottes und über das Leid der Welt oder über persönliches Leid machen.



23.Februar
Ich merke gerade, dass ich Hoffnung und starke Nerven brauche, was meine Arbeit angeht. Da kam vor 10 Tagen ein Brief der „oberen“ Baptisten, dass der BEFG (Bund Evangelisch Freikirchlicher Gemeinden) Finanzsorgen hat wie seltenzuvor, dass drastische Spar- und Spendenmaßnahmen eingeleitet werden müssen und dass ggf. heftigste Maßnahmen getroffen werden müssen, und ich reise durch die Lande und bin ein projektbezogener Mensch . In fast jedem AK geht es um ein konkretes Projekt. Und konkrete Projekte brauchen immer auch konkrete Euronen. Von ewigkite über „Gottes geliebte Menschen“ bis hin zu „buten un binen“. Es wäre schon schön, wenn man mal Projekte anschieben könnte, ohne dabei auf der Heimfahrt mit der nagenden Frage beschäftigt zu sein, woher denn das Geld kommen soll. Megaleere Kassen und zugleich neue Projekte. Sicher, ich könnte auch „einfach“ Seminare und Schulungen machen. Damit könnte ich auch zufrieden sein. Ich habe aber eben den Eindruck, dass neue Projekte in unserer so abwechslungsreichen und vielfältigen Zeit auch immer wieder gut und „dran“ sind. Ein Wunder ist gestern dann doch geschehen. Es war AK in Norddeutschland. Ergebnis für mich: Gelder auftreiben und Konzept überarbeiten etc. pp.. Sorgen. Abends gegen 22 Uhr kommt eine Mail von einem Menschen, den ich lange nicht gehört oder gesehen habe. Dies und das, und: Eine Spendenansage im vierstelligen Bereich für „buten un binnen“. Ich war überrascht. Läuft nicht immer so, aber wenn es so läuft, bin ich auch Menschen und Gott sehr dankbar.
Heute ein Schreibtischtag, unterbrochen vom Vorlesewettbewerb von Henrike. Oldenburgs Schulbeste treten gegeneinander an. Die große Schwester hatte es geschafft. Die arme „Kleine“ steht vermutlich ziemlich unter Druck. Schaun wir mal. Hörn wir mal.

16.Februar
„Buoah, bin ich kaputt!“ Sonntagabend, die letzten Arbeiten an den Bildern sind erledigt. Morgens ging es um 8 Uhr los ins nahegelegene Ostrhauderfehn. Eine kleine neue Gemeinde.Aufbau des Fotostudios in den Räumen der Gemeinde ab 9 Uhr. 10 Uhr Gottesdienst. Halb 12 ging es mit den Fotos los. Bis kurz nach 5. Fahrt nach Hause. Bildbearbeitung. Buoah, war ich platt.Predigen und dann noch gut 6 Stunden Portraits machen. Und ich habe längst nicht an alles gedacht, was ich so gelernt habe. Es war einfach zu viel los. Aber schön war es.
Ich denke mal, dass das Projekt „Gottes geliebte Menschen“ eine schöne runde Sache werden wird. In Ostrhauderfehn werde ich nur noch am Mittwochabend einen Abend gestalten. Dann sind die gut 60 Portraitaufnahmen in A4 vergrößert und werden ausgestellt. Mein Thema am Abend: „Gott, bin ich schön?!“ Die Predigt habe ich im Kopf fast fertig. Jetzt muss sie im Laufe des morgigen Vormittags nur noch in die Tasten gehauen werden. Na ja, mit Formulierungen ringe ich manchmal schon noch.
Ich freue mich auf die Ausstellung. Und ebenso auf den Abend und die Predigt.
Vor Ostrhauderfehn war ich in Recklinghausen. Und in Erkrath. Diese Woche ist ruhiger. Heute morgen ein schönes und offenes Pastorentreffen in Westerstede und die nächsten Tage werden Schreibtischtage. Am Freitag dann noch einmal auf Tour. Und am Sonntag dann in Veenhusen. Da treffe ich Heiko wieder. Den treffe ich auch morgen. Und wir träumen unseren Traum weiter, der greifbar nahe scheint. Und der auch gut sein wird für ewigkite.de Aber immer langsam. Die Traumergebnisse werden dann auf dieser Seite vorgestellt.
Inhaltlich beschäftigt mich gerade das Buch „Die Hütte“. Nachdem es auf der Spiegel-Bestsellerliste war und es auch in evangelikalen Kreisen für einigen Gesprächsstoff gesorgt hat, habe ich es mir jetzt mal gekauft. Die ersten 100 Seiten habe ich hinter mir. Amerikanisch, ja. Aber nicht soseltsam wie andere amerikanische Bücher, die ich aus dem christlichen Sektor kenne. Manchmal etwas grenzwertig, aber an anderen Stellen auch dermaßen offen, dass es einen vorgeschädigten Europäer mit einjähriger Amerikaerfahrung überrascht, wie weit mancher aus dem Land, auf dessen Geldscheinen (wie widersinnig, wenn man die Aussage Jesu „Man kann nicht Gott und dem Mammon zugleich dienen!“ bedenkt!!!!) „In God We Trust“ zu lesen ist, denken kann. Ich darf gespannt sein … .
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10.Februar

Shox-Gen. Das ist neu. Oder es wurde gefunden und benannt. Ich sitze mit meiner Tochter Henrike bei Prof. Willig in Hamburg, einem Spezialisten für Genforschung. Gemeinsam mit anderen Gen-Freaks betreibt er das Endokrinologikum in Hamburg. Seit sieben Jahren sehen und sprechen wir ihn regelmäßig, um Rike zum Wachsen zu bringen. Und es klappt bestens.

Und jetzt ist die Forschung weiter als vor 10 oder 11 Jahren. Ich erinnere mich, wie Willig vor knapp 10 Jahren sagte, dass die Genforschung enorme Fortschritte macht und dass in den nächsten 20 Jahren viel zu erwarten ist.

Bisher wussten wir, wusste er nur, dass der Kleinwuchs mit einem fehlenden Chromosom zu tun hat. Jetzt hat man das Gen lokalisiert. Shox-Gen. Das hilft Rike wenig, weil ihr ja das Chromosom fehlt, aber es ist schon irre, was das herausgefunden wurde. Als wir ins Gespräch kommen, wird der Prof. ganz aufgeregt. Er fängt an von seinem Gebiet zu sprechen. Engagiert. Begeistert. Echt faszinierend. Ich freue mich über Forscher, die so sehr dahinter her sind, Gutes zu tun.

Und ich freue mich über Rike. Sie wächst wie berechnet und wenn alles gut geht, wird sie sogar 160 cm groß. Das ist doch was – statt 140. Gemeinsam mit Rike habe ich mirim Anschluss noch einen schönen Hamburgtag gemacht. U.a. waren wir im Schwarzlichtviertel. Minigolf bei Schwarzlicht. War nett.

Am Wochenende war ich in Gelsenkirchen-Buer. Seminar. Richtig klasse. Die Gemeinde war engagiert und redefreudig drauf und ich hatte den Eindruck, dass sie sich gut mit dem auseinandergesetzt haben, was ich anregen wollte. Untergebracht war ich beim Kollegen Priebe. Das war vielleicht nett. Humor und Offenheit, Ehrlichkeit und Freundlichsein ohne Ende. Ach, es kann so schön sein.

Mein Arbeitsberg nimmt nicht ab, aber ich gehe momentan ganz locker damit um. Es bleibt eben liegen, was liegen bleibt. Was mich jedoch nervt ist, dass ich meine E-Mail nicht weiter als eine Woche abgearbeitet bekomme. Und ich weiß, dass da noch so manche Mails liegen, die es dringend nötig hätten. Von hinten nach vorne arbeiten? Das wär’s vielleicht.

Was ewigkite.de angeht, so geht das Geplane für 2010 so langsam los. Termine, Sponsoren, eine Idee etc. pp. . Ich bin gespannt. Manche Sponsorengespräche sehen ganz verheißungsvoll aus. Jetzt aber wieder Gedanken weg von den Kites, hin zu den Höhen und Tiefen gemeindlicher Schulungen und Inhalte.
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4.Februar

Ich stehe am verschneiten Strand auf Römö. Ich habe einen Drachen in Hand (und leider kein Snowboard unter den Füßen). Ich schaue über das weite Weiß des Strandes u8nd genieße es, den Drachen bei 3-4 bft ohne Sichtkontakt zu fliegen. Eine gute Stunde nehme ich mir Zeit dafür. Kein Mensch am kilometerweiten weißen Strand. Wenn man da nicht zur Ruhe kommt.

Man kommt zur Ruhe, es sei denn, man wird
a) von einer Gruppe sich im Kreis drehender, stöhnender und trommelnder Schamanen genervt (na ja, ganz so schlimm war es nicht, aber doch ein wenig abgespaced … etwa 10 Frauen, die stark vermummt große Kreise im Schnee ziehen, dabei irgendwelche nach Indianerlauten klingende Töne von sich geben und trommeln. Und das in weißer Winterlandschaft. Das ist schon speziell.
Was mich auch auf den Gedanken gebracht hat, dass Christen auch als speziell empfunden werden, wenn sie Lieder mit Orgelbegleitung singen oder bei sog. „Lobpreis“ verzückt die Arme in die Luft werfen und eine Strophe ein Dutzend mal singen und sich dabei einlullen. Daran habe ich mich aber irgendwie gewöhnt. Schneetanzende trommelnde Frauen sind da etwas ungewohnter.

Man kommt zur Ruhe, es sei denn, man wird
b) von einem schamentanzähnelnde vor Freude Bewegungen machenden Freund, der einen nicht auf Römö erwartet hatte, begrüßt. Da stand er plötzlich. Simon. Mitten in Dänemark. Wir trauten unseren Augen nicht. Er macht Urlaub mit Sohn, Frau, Schwägerin und weiteren Verwandten. Und wir eben auch. Beide auf Römö. Das war eine Überraschung. Abends haben wir dann noch einen kurzen Besuch bei Simons gemacht und den halbjährigen süßen Nachwuchs begutachtet. Und Simon hat versucht mit dem Kiteboard zu snowboarden. Ging nicht so gut. Na dann ab auf den Buggy. Ging auch nicht so gut. Es wird Zeit, dass es wieder Sommer wird.

Der Kurzurlaub war klasse. Abhängen in einem urgemütlichen preiswerten Ferienhaus, spielende und sich vertragende Kinder, kein Gedanke an die Arbeit. Lecker essen. Jeden Tag in ein Freizeitspaßbad, das auch für die Eltern was zu bieten hatte: Sauna, drei Tage hintereinander. Ein ganz neues Körpergefühl. Abends und auch tagsüber schöne lange Spaziergänge durch unberührte Schneelandschaften und am Strand. Herrlich. Abends der Rotwein und dann früh in die Federn. Und kein Medienkonsum. Glückliche Eltern. Glückliche Kinder.

Jetzt ist der ganz normale Alltag wieder eingekehrt und ich komme nicht gegen die E-Mail-Flut an. ich habe den Eindruck, dass die Leute wieder in die Aktivphase gekommen sind. Weihnachten und Neujahr ist vergessen und jetzt geht es so richtig los. Ich habe da so ein paar Problemeanzugehen. Es kracht und zofft an vielen Stellen. Unter anderem dadurch, dass ich mir durch meine Art und durch meine Theologie mal wieder Gegenwind eingefangen habe. Nun denn. Da muss ich wohl durch. Im Moment habe ich aber gar keinen Bock auf innerlichen oder äußerlichen Stress. Ich würde viel lieber wieder nach Römö.
Heute habe ich wegen der Witterungsverhältnisse einen Termin in Elmshorn abgesagt. Aber morgengeht es dann bis Sonntag wieder mal auf Tour. Gelsenkirchen. Bis dahin werde ich versuchen, x inhaltliche Dinge abzuarbeiten und meinen Sorgenberg ein wenig abzutragen. Schaun wir mal.
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28.Januar


Nun bin ich heute doch nicht den ganzen Tag unterwegs. Eigentlich sollte ich in Berlin sein, wenn aber der Chef krank ist, dann sind auch die Mitarbeiter nicht so gefragt :).

Ich habe keine Zeit gewonnen. Der Termin wurde lediglich auf gesunde Tage verschoben.

Das gibt mir die Chance, heute Nachmittag und Abend doch ins Rheinland zu fahren, um endlich wieder einmal die Landesverbandsleitung aus dem Rheinland zu treffen. und das auch noch mit schönem Anlass.

Die Passionskalender für das Rheinland sind fertig. Auch wenn es ziemlichen Druck mit dem Druck gab und ich auch ein paar Schiffe versenkt habe (wieviele Tage hat die Passionszeit? Wenn ein Pastor das nicht aus dem Stand weiß, dann ist es schon gefährlich. Nein, nicht 40! 47 Tage. Was macht man dann aber mit einem Kalender, der aus 40 Tagen besteht und der bereits gedruckt ist? ... man schreibt erstmal an seine Haftpflicht).

Heute Nacht werde ich so gegen 1 Uhr wiederkommen und morgen geht es dann bis Dienstag nach Dänemark. Zeugnisferienkurzurlaub mit der Familie. Ferienhaus. Kamin. Eiseskälte. Mountainboard fahren. Essen. Schwimmbad. Abschalten.

Ich freu' mich drauf!

25.Januar

Vorgestern Essen-Borbeck. Gestern Wildeshausen. Heute Lüneburg.
Der Kilometerzähler surrt mal wieder.Manche der Kilometer waren sinnvoll. Am Freitag habe ich mich mit Stine ins Auto gesetzt, um nach Essen zu fahren.
Abends habe ich mit einem Seminar angefangen, wir haben uns noch eine schöne Zeit gemacht und am Samstag hat sich dann Stine eine noch schönere Zeit gemacht, während ich das Seminar hatte.
Es ging (mal wieder) darum, wie das Evangelium zu den Menschen kommt. Das war mal wieder interessant. Ich habe (mal wieder) festgestellt, dass die „Methode der Evangelisation“ komplett vom Schriftverständnis (wie verstehe ich die Bibel? Wie lege ich sie aus?) abhängt.

Die Frage ist nämlich immer, wie ich die Menschen sehe, mit denen ich zu tun habe. Wie begegne ich ihnen? Habe ich etwas, das sie nicht haben und mit dem ich sie unbedingt beglücken muss? Müssen sie erst so werden, wie ich bin (au weia!), um zu verstehen, worum es beim Glauben geht? Oder können auch Nichtchristen einfach so dabei sein oder auch mitarbeiten bei dem, was wir Gemeinde nennen? Es ging mal wieder ans Eingemachte und ich bin sehr gespannt, wie es mit der Gemeinde vor Ort weiter geht, was diese Diskussion angeht.

Herrlich, dass Stine mal erlebt hat, wie und was ich inhaltlich arbeite und auch, was es bedeutet, nach einem solchen Seminartag noch gut zwei Stunden im Auto zu sitzen, um nach Hause zu fahren.
Gestern dann ein Gästegottesdienst zum Thema „Ich krieg‘ die Krise! Was nun?“ in Wildeshausen. Echt klasse gemacht. Inhaltlich aber auch nicht ganz einfach für mich. Mal einfach so über Krisen zu sprechen, ohne dabei zu irgendwelchen oberflächlichen Patentrezepten zu greifen, was den Umgang damit angeht.

Dann ein netter Familiennachmittag mit Besuch bei lieben Leuten. Ein einjähriger Sohn. Fröhlich. Zutraulich. Auf mir rumkletternd. Nein, war das herrlich. So unmittelbar. So herzig. Ich konnte mich kaum von ihm trennen.

Jetzt liegt die neue Woche vor mir. Schreibtisch (ich will unbedingt innerhalb der nächsten drei Tage ein Begleitheft für einen Passionskalender fertig kriegen) und Kilometer. Heutegeht es wegen einer Gemeindegründungsinitiative in Boizenburg nach Lüneburg. Morgen ein Treffen mit einer „Bischöfin“, übermorgen mit einer Gemeindeleitung und Donnerstag dann mit Chef und Co in Elstal/Berlin. Das wird schon alles. Ich freue mich auf Vieles. Und dann auch auf die Tage mit meiner Familie in Dänemark. Zeugnisferien. Jetzt aber erst mal diese Woche!

22.Januar

Vergangenen Sonntag habe ich in Oldenburg gepredigt. In der „Hauptkirche“. Abschluss der Allianzgebetswoche. Ich war schon etwas aufgeregt. Erstens, weil so viele Leute aus unserer eigenen Gemeinde da waren, zweitens weil noch dazu viele andere Leute da waren, drittens weil es eben Oldenburg war und viertens weil ich aus meiner Sicht an manchen Stellen ganz schön zugelangt habe, was ich mir aber in der Vorbereitung nicht unterdrücken konnte oder wollte.
Fazit: Bilden wir also nicht mehr Allianzen mit Christen, sondern eine Allianz mit den Menschen, mit denen wir leben.

Die Reaktionen auf die Predigt waren – zumindest mir gegenüber – recht positiv. Und ich freue mich auch – und es tut meinem Ego gut, wobei ich natürlich demütig bleiben oder werden will -, dass die Predigt in einer Zeitschrift veröffentlicht werden soll. Dennoch kommt gleich der Gedanke: Warum mache ich das eigentlich? Damit Predigten „ankommen“? Abgedruckt werden? Ja, darüber freue ich mich, aber Ziel der Predigt sollte es sein, dass ich selbst und andere einen neuen Blick für die Menschen bekomme, mit denen ich lebe.

Von Montag bis Mittwoch war ich in Dorfweil/Taunus bei der „Impulstagung“ des Dienstbereichs Mission. Es ging um das Thema „Mission im Doppelpack- Evangelisation und Diakonie“. Ich war angetan von der guten Atmosphäre, dem offenen Miteinander von Evangelisations- und Diakonievertretern und vom angeregten Gesprächsverlauf.
Besonders beeindruckt haben mich Stellungnahmen von einzelnen Personen, die aus ihrem persönlichen und aus ihrem Gemeindealltag berichtet haben. Bei vielen Leuten ist das Miteinander von Wort und Tat ganz selbstverständlich. Sie leben einfach.
Nachdenkenswert und herausfordernd fand ich auch die Bibelarbeit von Christoph Stiba, der beim Thema Mission nicht nur Evangelisation und Diakonie erwähnte, sondern auch darauf hinwies, dass die Dimension des „prophetischen Wächteramtes“ zum Christsein dazu gehört.
Da wo gesellschaftliche Strukturen Ungerechtigkeit und Not schaffen, haben Christen im Namen Gottes ihre Stimme zu erheben und für die Beseitigung der Missstände einzutreten. Christen, die sich in politischen Ämtern und Gremien engagieren, sollten bessere oder mehr Unterstützung von ihren Gemeinden bekommen.
Anregend war für mich auch das Referat von R.Dziewas, der in seiner Begriffsklärung von Evangelisation und Diakonie trennscharfe Unterscheidungen vornahm. Hängengeblieben ist die Aussage, dass Evangelisation eine Absicht verfolgt (Antwort auf den Ruf zum Glauben) und dass Diakonie absichtslos geschieht (Gottes Gnade und Barmherzigkeit sichtbar werden lassen). Eine rundum gelungene Tagung mit vielen Impulsen zum Weiterdenken. Und mit vielenBegegnungen, die manchmal munter machten und manchmal für mehr Arbeit sorgen, da die Tagung nicht selten auch dafür genutzt wird, Veranstaltungen, Gottesdienste oder Seminare, die in Kürze oder noch im Laufe des Jahres 2010 stattfinden sollen, zu planen.

Am Mittwoch war ich dann nochzwei Stündchen bei meinen Eltern in Wiesbaden. Ein netter Besuch mit Kaffee, Kuchen und Spaziergang. Und dann ab nach Hause!

Donnerstag dann morgens nach Bremen. Radioandachten für die nächste Woche aufzeichnen. Hat mal wieder prima geklappt. Mein Ziel ist es, ein Manuskript nur einmal ins Mikro zu lesen. Das hat nicht mit allen sieben Andachten geklappt. Nun denn. Der Radiobeauftragte der Bremer Landeskirche war zufrieden und forderte mich auf, ihm Andachtsreihen vorzuschlagen. Werde ich mal machen, wenn ich Zeit habe….

Heute Vormittag setze ich mich an die Predigt für Sonntag. „Ich krieg‘ die Krise!“ Nein, nicht wegen der Predigt. So heißt das Predigtthema. Es soll in einem Gästegottesdienst um Lebenskrisen gehen.

Ich freue mich richtig auf die Predigtvorbereitung. Der Text steht schon fest. Jetzt kommt die Exegese – ohne dass ich da zu viel Krise hineinlegen will. Das ist ja manchmal das Problem mit Predigtthemen. Man hat ein Thema und kann den Text gar nicht mehr aus sich selbst „sprechen“ lassen.

Heute Nachmittag geht es dann nach Essen. Heute Abend und Morgen mache ich da ein Seminar.
Netterweise kommt Stine mit, so dass wir uns rund um meine Einheiten noch ein paar nette Stunden (auf der Autobahn und sonstwo) machen können.
Ich freu‘ mich drauf!




13.Januar

Ein arbeitsreicher Schreibtischtag. Gestern. Heute werde ich nur vormittags was Inhaltliches an der Tastatur tun. Danach drei Stunden Mittagspause. Dann geht es auf die Autobahn und Landstrasse nach Stadthagen. Vorbereitung einer Evangelisation.
Heute Nacht dann wieder zuhause. Es gibt Tage, die nicht unbedingt das sind, was man "geregelt" nennt. Ich will das ja so. Sonst wäre ich Mitarbeiter bei Schlecker geworden. na ja, mit 6,70 € die Stunde würde ich meine Familie aber nicht durchbringen.
Es ist schon gut, wie es ist.
Der Alltag ist jetzt auch wieder voll da. Also, jetzt, endlich am 13.1.: Willkommen 2010!


12.Januar


Sieben Radioandachten an einem langen Vormittag. Ich bin mal gespannt, was der Radiobeauftragte der Bremer Kirche dazu sagt. Wird er zufrieden sein? Stine sagte nach dem Korrekturlesen „Na ja, in Ordnung, aber keine Höchstleistung.“
Die Radioandachten setzen mich meistens etwas unter Druck. Irgendwie will ich da besonders gut sein. Aber guter als ich bin geht eben nicht. Es steckt nicht mehr in mir als ich selbst.

Gestern habe ich dann mit der Predigt für den Allianzabschlussgottesdienst angefangen. Das ist auch so eine Sache, die mich etwas unter Druck setzt. Viele „erweckte“ Christen werden lauschen. Einige davon habe ich gestern Abend beim ersten Allianzgebetsabend gesehen. Allianzgebetsabende. Die habe ich seit ca. 15 Jahren nicht mehr erlebt. Sage ich es einmal so:Es hat sich nichts verändert.

Hatte ich es befürchtet oder geahnt? Hatte ich tatsächlich gehofft, dass da was anderes geworden ist? Ich weiß wirklich nicht, ob ich an den Abenden teilnehmen würde, wenn ich die Wahl hätte (gestern hatte ich sie; ich wollte „Allianzluft“ schnuppern, sonst wäre ich mir zu komisch vorgekommen, am Sonntag beim Abschluss auf die Kanzel zu steigen). Ach, ach, ach, ich weiß gar nicht was ich sagen soll … .
Am Sonntag geht es um das Thema „Menschlich von Gott reden“. Ich übe mich darin, kann es aber auch noch lange nicht so, wie ich es mir wünschen würde. Aber einen tollen Text habe ich. Darauf freue ich mich. Predigen macht mir am meisten Spaß. Aber ob die HörerInnen mich menschlich, verständlich von Gott reden hören, das ist mir auch immer wieder eine dicke Frage.
Manchmal denke ich bei meinen Predigtvorbereitungen an Martin und Jo, die Pastoren der Oldenburger Gemeinde. Die können das. Die sindganz normal. Die heben nicht ab in eine religiöse Sprache und Vorstellungswelt, wenn sie die Kanzel betreten. Beeindruckend.
Nun denn, an die Predigtarbeit. Und dann noch x E-mails und Kleinkleinkram.
Heute Abend dann ein Termin mitten im tiefen Ostfriesland.

11.Januar

Neue Woche, neues Glück. Oder? Ein entspannter Samstag liegt hinter mir. Und der Sonntag war auch ganz nett. Eigentlich wollten wir als Familie gemeinsam los, um ein wenig was zu erleben, die Schneelage hat mich aber dazu gebracht, dass ich lieber alleine nach Cloppenburg zum Gottesdienst gefahren bin.
War auch gut so. ich habe 1,5 Stunden gebraucht (35 Minuten brauche ich normalerweise). Eine kleine Gemeinde, die vor Neuem steht. Echt anders. Und nett. Offen.
Während des ersten Liedes hörte man jemanden durch den Lautsprecher. Hmmm, da redet einer dazwischen oder hat einen ekstatischen Anfall. Die wundersame Stimme entpuppte sich als die Stimme eines Menschen, der in einem benachbarten Haus auf derselben Funkmikrofrequenz eine Menge Leute zu irgendeiner Veranstaltung begrüßte. Das war schon putzig.
Wie ist das mit der „Stimme der Gesellschaft“ mitten in unseren Gottesdiensten? Normalerweise hören wir die ja nicht so. ich fand das ganz interessant. Was wäre wohl gewesen, wenn die Christen bei den Nichtchristen gewesen wären oder andersrum? Ich glaube, es handelte sich um irgendeine Tierschau, die eröffnet wurde. Was miran dieser Begebenheit mal wieder deutlich wurde war, dass Leute dahin gehen, wo sie andere treffen, die hobbymäßig oder inhaltlich mit ihnen übereinstimmen.

Und wir Christen machen das nicht anders. Sicher, Gottesdienste müssen sein. Irgendwoher brauche ich ja auch mein „Schwarzbrot“. Ich brauche Anregungen für mein Denken und Fühlen. Für meinen Glauben. Wenn ich den dann aber nicht in meinem ganz normalen Beziehungen lebe, wenn ich nicht Tag für Tag kleine und große Schritte tue, um das Gehörte mit Leben zu füllen, dann gleicht ein Gottesdienst nicht selten einer Hobbyversammlung, bei der sich alle einig sind, dass sie ein schönesHobby haben.

Im Moment lese ich etwas mehr als sonst. Momentan haben es mir Romane oder Krimis angetan. Z.Zt. ist ein Krimi dran, der an den Orten spielt, an denen ich gewohnt habe: Leer, Hamburg, Lüneburg. Das ist schon nett. Es fließt so dahin.

Heute Abend wird aber wohl nichts werden mit Lesen, da ich mich mal zum Schnuppern auf den Weg zur Allianzgebetswoche machen werde. „Erweckte“ Christen treffen sich in einer der ersten Januarwochen, um miteinander zu beten. Ich habe diese Veranstaltungen aus meiner Gemeindepastorenzeit in Erinnerung. Ich hatte nicht den Eindruck, dass sie die Wurst von der Schnitte gezogen haben. Na, vielleicht hat sich ja etwas geändert? Am Sonntag werde ich im Abschlussgottesdienst dieser Veranstaltung hier in Oldenburg predigen. Da tut es wohl gut, wenn ich vorher ein wenig „Allianzluft“ schnuppere. Ja, ich bin gespannt.

Ansonsten habe ich mir heute ein Pensum auferlegt, das ich vermutlich nicht schaffen werde. Na ja, wenigstens ahne ich jetzt schon, dass ich es nicht schaffen werde
J: Radioandachten, predigt für Sonntag und ein paar E-mails. Schaun wir mal, was hinten runter fällt ….



8.Januar

Manchmal flupscht es nur so. Gestern saß ich mit einem Kollegen (der einmal mein Kollege in HH-Altona war) zusammen, um an einem Projekt weiter zu denken, das wir auf den Weg bringen wollen.  

Erstens war es nett, ihn wieder zu sehen und erst mal ein paar Minuten „wesentlich“ zu sprechen. Schön, eine alte Vertrautheit nach so vielen Jahren zu spüren. Und dann haben wir uns an die Arbeit gemacht. Ich zumindest habe es so empfunden wie vor 10 Jahren. Wir haben uns gut ergänzt. Er hat meine wuseligen Ideen systematisiert und etwas „runtergeholt“ und ich habe seine Ideen etwas aufgewühlt. Ich freue mich auf das Ergebnis. Eigentlich brauchen wir jetzt nur noch das Geld. Ein paar zehntausend Euro. Mal sehen, wo die sind.

350 Kilometer am Morgen und Nachmittag und dann nochmal 150 am Abend wegen eines Gespräches. Der Tacho auf meinem „neuen“ Dienstwagen zeigt schon ein paar Kilometer an. Dummerweise waren die Wischdüsen eingefroren. Echt ärgerlich. Vielleicht auch mit meine Schuld, weil noch ein Wasserrest im Behälter war bevor ich das Konzentrat drauf gepackt habe?

Heute dann wieder Schreibtisch. Eigentlich habe ich mir das Ziel gesetzt, die Radioandachten, die übernächste Woche dran sind, heute fertig zu kriegen. Schaun wir mal, wie es heute Abend um 18 Uhr aussieht. Na ja, und dann noch 250 private Kilometer zu einer Geburtstagsfeier in der Nähe von Hamburg. Darauf freuen wir uns.

Und morgen dann frei. Sonntag gibt’s ne Predigt. Cloppenburg.

Inhaltlich geht mir gerade ein Buch, welches ich gelesen habe, nicht aus dem Kopf. „Die Erwählten“. Zwei jüdische Jungs in den USA der 40iger. Ein Chasside und ein Liberaler. Sie freunden sich an und lernen die komplett andere Welt der Andersgläubigen kennen. Ein langsames Buch. Ein nachdenkliches Buch. Ein ruhiges Buch. Und jede Menge Infos über unterschiedliche Strömungen im Judentum.

Und dann auch noch Passagen zum Holocaust, da die beiden Jungs das Kriegsende und die Entdeckung der KZs am Radio verfolgen. Das geht tief. Nach dem „Terrorbuch“ in den Weihnachtstagen war dieses Buch Labsal für die Seele. Mal sehen, was als nächstes dran ist.

Arbeiten. Weiter geht’s.



4.Januar

Silvesterabend krank. Fieber. Nur mal zwischendrin aufgestanden, um wenigstens unseren Freunden aus Lüneburg ein wenig Aufmerksamkeit zuteil werden zu lassen. Panik beim Einschlafen „Werde ich morgen fit sein?“. War ich dann. Der 1.1.2010 war ein wunderschöner Tag. Frühstück und Spaziergang mit den Freunden und dann die Hochzeit von Mareike und Jörg in Veenhusen. Herrlich. Ich fand den Gottesdienst ganz prima, habe mich auch gefreut, mal wieder mit Martje „zusammen zu arbeiten“. Ein richtig schöner runder Traugottesdienst.
Etwas unsicher war ich mir, ob die gemeindlich-ermahnenden Worte, die aus dem Trautext einfach nicht zu entfernen waren, so am Anfang eines Jahres gegenüber einer Gemeinde, die sich eigentlich zu einer Trauung versammelt hatte, angebracht waren. Ich hatte die Predigt 1 x ohne diese Passagen ausgedruckt und versucht sie so zu halten, ich kammir aber erstens unehrlich vor und zweitens so, als ob ich den Text verbiege. Nun denn. Ich habe mich dafür entschieden auch ermahnende Worte an die versammelte Christenschar zu richten. Wie die das fand, weiß ich nicht. Abgesehen von einigen wohlwollenden Predigtkommentaren habe ich keine Resonanz erhalten. Die kritische oder gar negative Resonanz erhält man sowieso nie, oder?
Perfekt war dann die Feier! Eine super Kombination aus leckerem Essen, ausreichend Zeit dafür, netten kurzen Beiträgen, ausreichend Zeit zum Klönen und auch zum Tanzen. Stine und ich haben mindestens 10 gemeinsame Tänze aufs Parkett gelegt. Das hat riesigen Spaß gemacht. Um halb 2 war dann der letzte Foxtrott dran. Wenn man dann noch an einem Tisch platziert ist, an dem lauter nette und zugleich auch heitere bis oberwitzige Leute sitzen, dann ist die Hochzeitsfeier perfekt! Das war sie für uns.

Am Samstagmorgen erlebten wir dann – nur für ein paar Insider, die sofort wissen, was Sache ist – die wundersame Kaffeezubereitung in einem ostfriesischen Haushalt. Der Hausherr selbst hatte sich ans Werk gemacht! Ich meine, das war schon eine Höchstleistung: 3 oder 4 Anläufe, um die Kaffeemaschine dazu zu bringen, endlich das schwarze Gold auszuspucken. Lustig war’s! Und eine wunderbar entspannte Stunde bei sooooo netten Leuten (Namen sind der Redaktion bekannt J).

Tja, und jetzt ist wieder Alltag. Montagmorgen. Der Schreibtisch ruft. Nachdem zunächst ein wenig Gefluche über Stine’s Zeugnisprogramm den Tag eingeläutet hatte. Alle Halbjahre wieder dasselbe Problem: Diese bekloppte bedienerunfreundliche Software trifft auf zwei Leute (Stine und mich), die mindestens ebenso bekloppt sind. Diese Kombination ist einfach nicht gut. Danach ein kurzer Spaziergang zum Abkühlen (im wahrsten Sinn des Wortes). Jetzt also wird es ernst: der Schreibtisch ruft. Kleinkram und Inhaltliches. Alles Dinge, die ich dann vor Weihnachten doch nicht geschafft habe. Wird schon. Schaun wir mal. Am Donnerstag dann das erste mal wieder auf Tour. Nur kurz. Müsste ich eigentlich nicht haben, ist aber so. Nun denn. Das Kaminholz für heute (Spät-)Abend werde ich auch noch besorgen.

29.Dezember

Zeit. Zeit. Zeit. Schön. Schön. Schön. Die Weihnachtstage waren so, wie ich es gern habe. Ein schöner Gottesdienst (Kindermusical – mal wieder richtig klasse und eine Mini-Kurzpredigt von Jo, die das Weihnachtsgeschehen inkl. evangelistischer und mutmachender Zuspitzung dermaßen auf den Punkt brachte, dass ich nur staunen kann, wie jemand sowas hinkriegt), leckerstesEssen (die Biopute, die dann doch irgendwann wegen uns ins Gras beißen musste) und jede Menge Abhäng- und Klönzeit. Spaziergänge, Kaminabende, ruhige Zeiten.

Da alles recht ruhig und entspannt war, habe ich wenigstens literarisch für Dampf gesorgt und einen Thriller über die Weihnachtstage verschlungen. „Thriller“. Terrorgruppen arbeiten gegeneinander. Palästinenser und Israelis. Die Israelis haben gewonnen.
Meine Güte, ist da Blut geflossen. Und das mitten in der besinnlichen Weihnachtszeit. In Gedanken und Gesprächenhat sich das ausgewirkt. Mit Enno habe ichmich über Terroristen unterhalten. Als dann noch die Beinahe-Katastrophe mit dem Flugzeugterroristen in den USA auf die Nachrichtenliste kam, war das Thema ziemlich intensiv.

Im Nachklang an dieses unschöne Thema habe ich im Laufe der vergangenen Tage immer wieder einmal darüber nachgedacht, wofür es sich eigentlich wie zu leben lohnt. Was macht das Leben zum Leben? Welchem Sinn und Ziel dient das Ganze? Was machen die christlichen Gemeinden oder die Christen anders als andere Leute? Was zeichnet sie, was zeichnet mich aus? Wohin geht die Reise des Lebens, die Reise der Welt? Nun denn, ich muss nicht all zu tiefsinnig werden.

Die „Gammeltage“ rund um Weihnachten und das Terroristenbuch – irgendwie passen sie dann doch nicht so recht zusammen.

Wie jedes Jahrdann die Frage „wie komme ich bloß wieder in Schwung?“.Klassisch dann auch gestern der 28.: Ein Geburtstagsbesuch bei Henning.Und ab heute geht es wieder los. Die ersten Kleinkrammails sind erledigt und mein erstes größeres „Projekt“ ist die Hochzeitspredigt von Mareike und Jörg, die zwar im Gerüst schon steht, die aber noch mit jede Menge Gedanken und Formulierungen zu Ende gebracht werden muss. Das ist aber mal ein schöner Wiedereinstieg!
Auf die Hochzeit freue ich mich richtig. Die Beiden sind glücklichst drauf und es macht richtig Spaß, eine „Speed-Hochzeit“ vorzubereiten (am 16.Oktober hatten sie sich verlobt – nach 5 Jahren Freundschaft -und dann gleich auch den 1.1. als Hochzeitstermin angesetzt).

Tja, und nach der Hochzeit wird dann alles wieder ganz normal. Unterwegs sein, Tage zuhause, Alltag. Ist schon okay. Manches werde ich aber 20101 anders machen. Und das wird nicht daran liegen, dass ich mir an Silvester Gedanken darüber mache. Die mache ich mir seit ein paar Wochen.
Bin gespannt auf die konkrete Umsetzung.
So, jetzt aber zu Kolosser 3!



22. Dezember

Natürlich. Gewusst habe ich es gleich. Ich habe es aber verdrängt. Alle Jahre wieder mal wieder nicht wahr haben wollen. Ich werde es auch 2009 nicht schaffen, meinen Schreibtisch pünktlich vor dem Feste leer zu fegen. Wenn ich das noch schaffen will, dann muss ich heute Vormittag und heute Nachmittag noch zwei Predigten schreiben, x Zettelchen, die sich auf meinem Schreibtisch träge rumklebenderweise befinden, abarbeiten, mein Büro aufräumen und endlich mal wieder putzen, die Kaffeeflecken auf dem Kopierer (wie kommen die da hin? Es waren bestimmt die Kinder ….) wegrubbeln, 5 Radioandachten schreiben und drei Konzepte für irgendwelche Veranstaltungen entwerfen.

Bin ich eigentlich der Einzige auf der Welt, der sich dermaßen in die Hucke lügt? Ich tippe mal nicht, oder? Gibt es eigentlich schon ein Internetforum für maßlose Selbstüberschätzer? Nun denn, höre ich auf zu heulen. „Es ist, wie es ist.“ Das ist ein Zitat. Von dieser Stelle auch einen Gruß an den Zitatengeber, falls er es liest



18.Dezember

Die letzten 1000 Kilometer im jahr 2009 liegen hinter mir. Am Montag und Dienstag war ich noch einmal in Elstal. Mit den MitarbeiterInnen des Teams waren wir am Montagnachmittag im Jüdischen Museum in Berlin. Das fand ich auf mehrfache Weise sehr ansprechend. Zum einen beschäftigen sich meine Kinder momentan mit der NS-Zeitund vor kurzem hatten wirdie KZ-Gedenkstätte Neuengamme besucht. In Berlin konnte ich ein wenig anknüpfen und vertiefen. Bewegend.

Besonders beeindruckt – und auch traurig gemacht – hat mich die „Leerstelle“ („Gefallenes Laub“). Ein Künstler hat aus Eisenplatten ca. 10 000 weinende oder schreiende Gesichter geformt. Diese bedecken übereinander geschichtet den Boden des Ausstellungsraumes, der sichvon drei Ebenen her betrachten lässt. Ist man auf der untersten Ebene kann man, soll man über diese Eisenplatten gehen.
Das hatte ich zuerst nicht verstanden. Ich dachte, dass man sie nur betrachten soll. Und dann lief jemand darüber. Zuerst war ich empört. „Zerstörung des Kunstwerks“. Das ist aber so gedacht. Also habe auch ich mich auf den Weg gemacht. Auf Gesichter treten. Eisernes Scheppern. Güterwaggons in Auschwitz. Ich habe es kaum ausgehalten.

Das „Kunstwerk“ ist allen Opfern von Krieg und Gewalt gewidmet. Und ich bin beteiligt. Ich „trete“ auf die Gesichter. Den Verstrickungen in Leid und Elend, der „Mitbeteiligung“ an Leid und Krieg kann ich mich nicht entziehen. Indem ich lebe, wie ich lebe, mache ich mich an anderen Menschen schuldig. Das hat nicht erst wieder der Klimagipfel gezeigt. Mein Lebensstil, mein Konsumverhalten, mein eher passives demokratisches Verhalten u.v.a.m. sorgt dafür, dass Menschen auch heute noch getreten werden.

Wie gehe ich mit dieser „globalen“ Schuld um? Das ist für mich nicht so einfach wegzudrücken. Aber auch nicht so einfach zu ändern.

Ein Drittes hat mich im Museum beeindruckt: Die Geschichte des Judentums in Deutschland wird nicht schwerpunktmäßig auf die NS-Zeit reduziert. Eine interessante Ausstellung, die im 11. oder 12. Jahrhundert beginnt und auf ansprechende Weise die wechselvolle Geschichte der Juden in Deutschland erzählt. Ich habe (mal wieder) den Fehler gemacht, mir zu Beginn der Ausstellung zu viel Zeit zu lassen. Ich habe nicht alles geschafft.
Das nächste Malbei einem Privatbesuch in Berlin: das Jüdische Museum wird auf der TOP stehen. Zum Abschluss des Museumsbesuches dann 10 Minuten bei Dunkelheit und Kälte um 0 Grad im „Holocaustturm“. Das hat gereicht.

Der zweite Tag war mit zwei anstrengenden Sitzungen angefüllt. Danach dann – viel zu kaputt – noch 4 Stunden auf die Autobahn. Jetzt bewege ich mich nur noch am Schreibtisch – na ja, am Sonntag geht‘s noch zur Predigt nach Lilienthal. Darauf freue ich mich. Ist eine für mich besondere Gemeinde, die ich immer wieder gerne besuche.

Ansonsten heißt es diese Woche und auch nächste Woche noch „Schreibtisch“. Ist aber okay. Das befriedigende Gefühl, mal in Ruhe ein paar Sachen wegschaffen zu können und nicht ständig durch Termine unterbrochen zu werden. Die Kinder freuen sich ziemlich doll auf Weihnachten. Schön, mit anzusehen. Und ich freue mich auf freie und auch leckere Tage.



14. Dezember

Enno hatte schon wieder „den glücklichsten Tag seines Lebens“. „Pappa, also nichts gegen meinen letzten Geburstag, aber dieser war der allerschönste, den ich je bisher erlebt habe!“
Den selben Satz hatte ich am 12.12.2008 gehört. Wie schön, ihn auch 2009 zu hören! Freut sich der Sohn, freuen sich die Eltern. Enno kann sich wirkli8ch freuen. Das sitzt tief in ihm drin. Das ist eine Gabe. Nicht alle menschen können das.
Sicher, es ist noch das „kindliche“ Freuen, ich hoffe für ihn und andere aber, dass sich diese Grundfreude durchhält und er auch noch als Erwachsener 2025 oder so voller Freude die schönen Dinge des Lebens wahrnimmt.

Ein „volles“ Wochenende liegt hinter uns als Familie. Ein rundum schönes Wochenende! Der Samstag war natürlich von Enno‘s 9.Geburtstag geprägt. 10 Jungs waren zu Besuch. Herrlich! Und die Kinder werden älter. Es ist nicht mehr ganz so heftig, was Lautstärke und Zappeligkeit angeht. U.a. habe ich mich über Enno’s Jump Style-Tanzen gefreut, das er mit seinem Freund Theo aufs Parkett gelegthat.

Echt klasse, wie beweglich diese kleinen Kerle sind. Na ja, meine Liebste undich haben dann am Abend auch noch getanzt. Bei einem 40.Geburtstag. Standard. Kann man zu Zappelmusik auch tanzen. Mit hat das Riesenspaß gemacht. Und die Schritte klappen noch. Ich will da auf jeden Falldran bleiben!

Sonntag dann eine Predigt in der kleinen Gemeinde Achim. Um die 25 Leute im Gottesdienst. Ganz was Anderes. Aber herzlich. Sehr herzlich. Ach, wenn man den kleinen Gemeinden doch nur besser helfen könnte!

Dann ein „klassischer“, sehr schöner und entspannender Adventssonntagnachmittag mit Spaziergang, Kuchen und was so dazu gehört. Henning und Neele waren da. Und dann wieder Kamin. Und lesen. Ich habe das „Psychobuch“ durch. Klasse Teil. Die für mich wesentlichen Stellen sind markiert. Ich werde sie bestimmt hin und wieder nachlesen.

Heute nochmal für zwei Tage nach Elstal: „Weihnachtsfeier“ mit den KollegInnen . Wer geht wohl zur Weihnachtsfeier ins Jüdische Museum in Berlin? Vermutlich nicht all zu viele … . Wir gehen hin.
Na ja, und dann morgen den ganzen Tag zwei Sitzungen. Und dann die 4-stündige Sitzung im Auto zurück. Und dann stelle ich langsam aber sicher auf „stand-by“: Nur noch Schreibtisch und hoffentlich Aufräumen des Ewigkite.de-Containers.




9.Dezember

Ein Tag von morgens bis abends am Schreibtisch. Bibelstellen, Gedanken, praktische Idee. Wenn ich gut drauf bin – was ich gestern einigermaßen war - , dann fließt es bei mir einigermaßen schnell, was Gedanken und Ideen angeht.

Natürlich habe ich nicht das geschafft, was ich mir morgens um halb acht als ich den Rechner hochgefahren habe, vorgenommen habe, aber dafür habe ich zwischendurch ein paar nette Kurzerlebnisse mit Frau und Kindern gehabt. Enno war noch immer krank und hat ab und zu meine Aufmerksamkeit eingefordert. Wenn so ein hibbeliges Kerlchen, das es normalerweise immer nach draußen in die Natur zieht, wie ein Waschlappen auf dem Sofa liegt, dann ist das schon herzerweichend. Es war schön mit ihm ab und zu zu klönen, ihn zu halten und Mut zu machen, dass er sicher bald wieder „auf Tour gehen kann.

Heute geht es weiter mit der Schreibtischarbeit. Ich nehme mir mal lieber ein bisschen weniger vor. Vielleicht erreiche ich dann ja mein Tagesziel? Innerlich beschäftigt mich gerade die Frage nach frühkindlicher Prägung.  

Ich lese ein Psycho-Buch. Das erste, von dem ich so richtig begeistert bin, weil es einerseits ganz sachlich ist und andererseits mit einer gewissen Wärme die Dinge auf den Punkt bringt, die eigentlich alle Menschen beschäftigt (ob ausgesprochen oder unausgesprochen): Warum bin ich wie ich bin? Sicher, eine „einfach“ theologische Antwort habe ich darauf.
Weil Gott mich so geschaffen hat, wie ich bin. Ob Gott jedoch bei manchen Prägungen seine Finger im Spiel hatte, das bezweifle ich. Immer wieder fallen mir beim Lesen Leute ein, die ich kenne. Manchmal denke ich auch kurz über meinen eigenen Charakter nach.
„7ener“ (laut Enneagramm) tun sich damit ja aber nicht so einfach. Sie konzentrieren sich normalerweise auf das Schöne, Unbeschwerte und Lockere. Tiefgründigem oder auch Schmerzlichem gehen sie normalerweise aus dem Weg. Es sei den, sie werden damit konfrontiert. Tja, das ist wohl so, dass Erlebnisse einen prägen und auch nochmal ganz anders nachdenken lassen. 

Ich denke eben doch manchmal über mich nach. Nicht immer. Aber öfter. Und es macht Spaß. Nun denn. Schluss mit den Gedanken, die sich ums Selbst drehen. Zu viel davon macht egozentrisch. Denke ich also wieder mal an andere. Und versuche die Sache mit dem Glauben so zu Papier zu bringen, dass es was bringt. Dass andere ins Nachdenken kommen. Nicht nur über sich, sondern auch über Gott.


 
J.

Also mache ich mich an die Arbeit. Das Nötigste werde ich noch eben „weghauen“. Und dann werde ich spätestens morgen Mittag in den Standby-Modus gehen. Der wird dann pfleglichst genossen. Die Pute ist morgen Nachmittag dran. Das ist mein Job. Und wird es auch bis zum letzten Feste vor meinem Ableben bleiben. Vor zwei Jahren habe ich es einmal mit Putenfilet probiert.
Man macht ja auch mal Fehler im Leben!

Ich freue mich auf die Tage, die vor mir liegen. Die Familie wird es sich gut gehen lassen.

Wir werden Zeit haben. Zeit zum Abhängen. Zeit zum Klönen. Zeit zum Nachdenken. Zeit für Gottesdienste. Wie schön!


7.Dezember


Ein schönes Wochenende liegt hinter mir und hinter uns als Familie. Am Freitagnachmittag hatten wir ein paar Leute zu einem lockeren Adventsbeisammensein inkl. Fotoshooting (ich muss doch das neue Foto- und Blitz-Material für www.gottesgeliebtemenschen.de kennen lernen) eingeladen. Das war nett. Die Abende verbringen wir seit ca. 14 Tagen fast immer vor dem Kamin.

Samstag dann ein netter ruhiger Vormittag und dann ab nach Lüneburg zu Stine’s Schwester mit ihren drei Kindern. So eine Wiedersehensfreude! Sonntagmorgen dann von Lüneburg nach Geesthacht. Mit der ganzen Familie. Adventsbrunchgottesdienst. 35 Minuten Gottesdienst (mit einer 10 Minuten-Predigt von mir) und dann anderthalb Stunden schlemmen am Büffet. Na ja, und dann kam das eigentliche Highlight des Wochenendes.

Auf der Rücktour sind wir spontan an der KZ-Gedenkstätte Neuengamme/ bei Hamburg hängen geblieben. Unsere beiden Mädels hatten letzte und vorletzte Woche das Thema NS und KZs in der Schule. Und Rike hat auch gerade „Der Junge mit dem gestreiften Pyjama“ gelesen. Ach, da fällt mir ein, dass ich davon noch gar nicht mit stolzgeschwellter Brust berichtet habe… . Janneke war 2007 Vorlesesiegerin an ihrem Gymnasium. Vergangenen Donnerstag hat Rike „nachgezogen“.

Was das für sie bedeutet, wie sehr sie sich darüber freut, das kann man sich kaum vorstellen. Und wir freuen uns natürlich riesig mit. Das ist schon was. Wir hatten uns schon megamäßig gefreut, dass sie Klassensiegerin geworden war, dass sie jetzt aber auch noch die nächste Hürde geschafft hat, das ist wirklich beachtlich. Nun ja, und sie hatte sich eben einen Abschnitt aus „Der Junge mit dem gestreiften Pyjama“ zum Vorlesen ausgesucht. Sicher auch nicht unbedingt das, was andere Kinder so vorgelesen haben.

Nun denn, gestern waren wir also in Neuengamme. Da ich innerlich im Moment sowieso etwas sensibel bin, haben mich die knapp zwei Stunden ziemlich bewegt. Und es war auch anrührend zu sehen, mit welcher Aufmerksamkeit und Ernsthaftigkeit alle unsere Kinder bei der Sache waren.

Begeistert war ich von einer kleinen Truppe Ehrenamtlicher: Kirchliche Mitarbeiter, dien in einer kleinen Baracke sitzen und darauf warten, dass sie BesucherInnen eine kostenlose Führung anbieten können. Es war sehr wenig los. Ich tippe, dass wir die einzigen waren, die an diesem Nachmittag eine Führung erhielten. Mit welcher Hingabe dieser Mann uns das Gelände gezeigt hat, das war schon erstaunlich. Und er hat es dabei geschafft, das Unrecht von vor mehr als 60 Jahren nicht als abgeschlossen in der Vergangenheit zu lassen, sondern auf Strukturen in uns Menschen hinzuweisen, die auch heute noch das Böse fördern. Wie geht Deutschland 2009 z.B. mit Asylanten um? Fragen über Fragen. Und Berichte, Geschichten, Bilder von geschundenen und leidenden Menschen.

Das hat die Kinder und auch uns bewegt. Lange haben wir noch auf der Rückfahrt darüber gesprochen. Gedämpfte Stimmung. Verständlicherweise. Bis dann ein Kind plötzlich sagte
„Können wir jetzt mal was Lustiges besprechen?“ Haben wir dann auch gemacht. Und die Kinder haben eine Stunde lang mit den Wise Guys im Auto geröhrt, gesungen, gelacht, innerlichen Druck abgelassen.

Und dann wieder ein wunderschöner Abend vor dem Kamin.
Und jetzt eine fast ganz normale Woche- Lust aufs Arbeiten habe ich nicht. Was soll‘s? Manchmal muss man einfach seinen Hintern hoch kriegen… .

2.Dezember

Jetzt ist es Advent. Ich kann damit momentan so gar nichts anfangen. Mir gehen andere Dinge durch den Kopf. Advent heißt „Gott kommt“. Manchmal denke ich etwas sarkastisch: Schön wär’s! Schaue ich mir die Nachrichten an, dann dreht sich mir der Magen um. Schaue ich auf manches Erlebte und auf manche Zustände, die ich so mitbekomme, dann merke ich auch nichts davon, dass Gott kommt.

Als Trost oder Selbsthilfe denke ich dann an solche Bibelworte, die davon sprechen, dass der Glaube ein Hoffen, ein festhalten an dem, was man nicht sieht ist. Natürlich schleicht sich sogleich auch der Gedanke ein, dass das was mit Jenseitsvertröstung zu tun hat, dass der Glaube gar nicht relevant ist für die Gegenwart. Wenn ich mit meinem Glauben verbinde, dass Gott wie ein Automat auf meine Wünsche, Stimmungen und Situationen eingeht, dann ist das wohl wirklich ein Irrweg.

Wer hat mir eigentlich gesagt, dass Gott der Erfüllungsgehilfe für mein Leben ist? Ich tippe mal, dass das hauptsächlich aus meiner evangelikalen Prägung kommt, die ich nun schon seit ca. 20 Jahren versuche abzulegen. Manche Gedanken halten sich aber ziemlich hartnäckig. Wäre ich in einem erzlutherischen Hause aufgewachsen, so wäre es mir vermutlich auch jetzt ein noch größeres Anliegen, diese Welt im Sinne Gottes zu verändern. Ich würde vermutlich mehr an andere Menschen denken als an mich selbst.

Gott soll ja nicht an meinem kleinen Reich mit basteln, sondern ich an seinem großen Reich. Dieser Gedanke, den ich mir in letzter Zeit immer wieder in allen Variationen sage, ja, geradezu vorbete, hilft mir. Er hilft mir wegzuschauen von meiner kleinen Welt, hin zur geliebten Welt Gottes. Die Tränen, Kriege, das Leid dieser Welt ist damit noch nicht beseitigt. Ich bekomme aber wieder einen neuen Ansporn, nicht alles beim Alten zu lassen. Anzupacken. Aufzustehen. Das Evangelium weiter zu sagen und weiter zu leben. In Wort und Tat. Dass das befreiende Wort von der unauflöslichen Liebe Gottes unbedingt zum Evangelium dazugehört, das habe ich in den wunderbaren Tagen in Stendal wieder neu begriffen.
Welch‘ eine befreiende Sache, wenn Menschen das annehmen können, dass sie von Gott geliebt sind. Welch‘ ein wunderschöner Perspektivwechsel, wenn Menschen sich als geliebte Menschen Gottes glauben können. Ja, ich habe in Stendal auch mir selbst gepredigt.

Mit diesem Evangelium im Rücken lebt es sich auch für andere besser. Mitten in der Adventszeit. Ob mir nach Advent ist oder nicht. Ob ich mit der Botschaft des Advent etwas anfangen kann oder nicht. Es ist ja einfach nicht so wichtig, dass Gott zu mir kommt. Die Individualisierung des Glaubens ist wohl alles andere als biblisch. Es kommt doch wohl darauf an, dass Gott in Jesus Christus seiner geliebten Welt und damit allen Menschen nahe gekommen ist. Das hat er einmal gemacht. Vor 2000 Jahren. Das wird er wieder mal machen. Wenn er für alle sichtbar wiederkommt. Bis dahin wird er wohl durch mich, durch andere Menschen (Christen und Nichtchristen) kommen. Zu den Menschen.