ewigKITE
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Frau Fischer, im Januar 2008 waren Sie selbst in Kiew.
Was habe Sie dort vorgefunden?

Auf den ersten Blick scheint die Ukraine ein Land zu sein, das auf dem Weg  zu Wohlstand ist. In der Innstadt von Kiew trifft man viele gut gekleidete Menschen, die Straßen säumen teure Geschäfte, der Bauboom in den Außenbezirken scheint ungebrochen. Aber in  den Nebenstraßen unweit des Zentrums trifft man viele Obdachlose und Bettler.  Der Aufbau einer Sozialstruktur lässt sích trotz mehrerer Regieringswechsel nicht erkennen. Korruption ist an der Tagesordnung.


Mit wie vielen und welchen Kindern bzw. Jugendlichen und Jungen Erwachsenen hat es die Kirchengemeinde zu tun?

Von den meist ehrenamtlichen Mitarbeitern werden ca. 35 Jugendliche dauerhaft und 65 Jugendliche zeitweise betreut.


Wie sieht der Alltag der Jugendlichen aus?

Wenn ein Kind behindert geboren oder jemand durch einen Unfall geschädigt wird, stellt ein Arzt eine Diagnose. Danach gibt es im Normalfall keine weitere Hilfe für die Betroffenen und deren Familien.  Auf Grund der enormen Belastung geschieht es in den meisten Fällen, dass die Väter die Familien verlassen. Die Mütter müssen meist ihre Arbeit aufgeben, da es kaum ambulante Betreuungsmöglichkeiten für Behinderte in der Ukraine gibt. Plätze für stationäre Betreuung sind nur in ganz geringem Umfang vorhanden, die Behinderten müssen zu Hause von den Angehörigen gepflegt werden.

Von staatlicher Seite erhalten die Behinderten und ihre Angehörigen nur in Einzelfällen eine ganz geringe Unterstützung. Rehabilitation ist nahezu unbekannt. Kinder haben kaum die Möglichkeit, Bildung zu erlangen, weil es keine Spezialschulen und Programme für Behinderte gibt. Die Teilnahme am Unterricht in normalen Schulen ist nahezu unmöglich, weil Schulen und öffentliche Gebäude nicht behindertengerecht ausgestattet sind und es auch keine Transportmöglichkeiten für Behinderte gibt. Behinderte sind auf Menschen angewiesen, die sie die Treppen in ihren Wohnhäusern, in den Arztpraxen, in den Behörden, aber auch in den Kirchen hinauf und hinunter tragen. Außerdem benötigen sie finanzielle Unterstützung für  den Kauf von Lebensmitteln, Kleidung und Medikamenten, für Rehamittel oder Rollstühle.

Wie wird den Jugendlichen konkret geholfen?
Die Jugendlichen werden regelmäßig zu Hause besucht. Sie erhalten bei Bedarf Lebensmittel, Kleidung und Medikamente, werden zum Arzt gebracht. Sonntags gibt es einen speziellen Gottesdienst für Behinderte mit anschleißendem Essen, ehrenamtliche Mitarbeiter bringen die Behinderten zum Gottesdienst und wieder nach Hause. Für diejenigen, die nicht mehr zu den Gottesdiensten kommen können, werden die Veranstaltungen per Videokamera aufgenommen und den Behinderten zu Hause gezeigt.  

Auch bei kleinen handwerklichen Arbeiten, wie z.B.  beim Renovieren  in der Wohnung, helfen Ehrenamtliche aus der Gemeinde.  
Im Gemeindehaus gibt es Schulungsangebote für pflegende Angehörige und Beschäftigungsnachmittage für Behinderte. Durch den Leiter der Behindertenarbeit, der eine Ausbildung als Physiotherapeut hat, können die Behinderten behandelt werden. Falls Rehamittel gebraucht werden, werden diese zur Verfügung gestellt.



Gab es ein besonderes Erlebnis während ihres Aufenthaltes?

Besonders beeindruckt bin ich vom Schicksal von Julia, einer jungen Spastikerin. Julia hat einen Laptop bekommen und schreibt Gedichte.
Sie kann aber nur noch den Mittelfinger ihrer rechten Hand zu bewegen.
(Gedicht s. am Ende des Interviews)

Sie selbst koordinieren mehrere Hilfsprojekte.
Was ist an diesem für sie besonders?
Nur sehr wenige Gemeinden in Osteuropa nehmen ihre sozial-diakonische Verantwortung in ihrem Umfeld wahr. Die meisten Gemeinden beschränken sich allein auf die Verkündigung des Evangeliums. Hier in Kiew nimmt eine Gemeinde die alltäglichen Nöte der Menschen in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft wahr und versucht zu helfen. Das hat enorme Auswirkungen. Immer mehr Menschen nehmen Kontakt zu den Mitarbeitern auf. Andere Gemeinden beginnen, sich mit diesem Konzept zu beschäftigen und schauen sich die Arbeit an. Die Mitarbeiter aus Kiew nehmen an Schulungsprogrammen des heilpädagogischen Zentrums in Moskau teil und versuchen, von deren Erfahrungen zu profitieren. Die Finanzierung des Projektes geschieht nicht allein durch Spendenmittel aus dem Ausland, sondern die Gemeinde beteiligt sich finanziell und durch Ehrenamtliche. Dieses Projekt hat Modellcharakter.


Spendenorganisationen haben es momentan noch schwerer als sonst sowieso schon. Merken Sie das bei ihrer Arbeit?
Es gibt bestimmte Projektkategorien, für die schwer Spenden eingehen, wie z.B. Kinderfreizeiten für Kinder aus den Gemeinden oder theologische Ausbildung.
Durch feste Regularien bei der Auszahlung, Verwendung und  Abrechnung der Gelder entsteht Transparenz für die Spender.  So werden Menschen motiviert, für Projekte zu spenden, weil sie wissen, dass ihre Spende ankommt.



Wie werden die Gelder für das Projekt in Kiew eingesetzt?

Jährlich wird in Absprache mit den Verantwortlichen vor Ort ein Budget für das Projekt aufgestellt.  Sollte sich während des Jahres noch zusätzlicher Finanzbedarf ergeben, müssen diese Gelder gesondert beantragt werden (z.B. Ende letzten Jahres zerbrach der Rahmen eines Behindertendreirades, es musste ein neues Dreirad gekauft werden. Dieses Dreirad konnten wir hier in Deutschland bei e-bay günstig ersteigern und in die Ukraine schicken).Die Gelder werden in Raten überwiesen, die nächste Rate wird erst nach Abrechnung und Prüfung der Belege und Berichterstattung angewiesen. Gelder können immer nur dann ausgezahlt werden, wenn diese für das jeweilige Projekt durch Spenden eingegangen sind.


Wie findet
  eine Kontrolle über die Gelder statt?
Budgets werden vorgelegt, Verwendungsnachweise werden erbracht, Belege und Abrechnungen werden geprüft. Dies geschieht durch Zusendung der Abrechnungen in das Büro der Europahilfe nach Deutschland, Buchprüfungen vor Ort und Einsicht in die Belege. Die Projektbeteiligten unterschreiben eine Vereinbarung, in der diese Punkte und die Auszahlungsmodalitäten festgelegt sind.

Wenn sie einen Wunsch für die Jugendlichen in Kiew frei hätten, dann würden Sie …
Ich wünsche mir kompetente Menschen in den politischen Gremien, die die Verantwortung der Gesellschaft für die Bürger des Landes wahrnehmen und ihnen zu menschenwürdigem Leben helfen.

Herzlichen Dank für das Gespräch.


 


DAS GEDICHT

Träume einer Behinderten 

Wenn du lieben möchtest, liebst du.

Wenn du schenken möchtest, schenkst du.

Wenn du gehen möchtest, gehst du.


Doch dann gibt es Zeiten wie diese,

da willst du gehen und gehst nicht.

Und dann ermüdet das Flämmchen-

der helle Glaube der mit uns ist.
 

Wenn du gehen möchtest und nicht gehst…
 

Aber, vielleicht, irgendwann erstarkt das Flämmchen

der wertvollen Hoffnung.


Und irgendwann werden wir die Hoffnung rühmen,

die mit uns ist.

Die Hoffnung, die Gott uns schenkt, damit wir an Wunder glauben:


Wenn du lieben möchtest, liebst du.

Wenn du gehen möchtest, gehst du.

 

Durchlebst ein anderes Schicksal.

  

(c) Julia

 


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Eine Spendenquittung für dich und dein Finanzamt bekommst du, wenn du Name und Anschrift bei der Überweisung angibst!

Nachteile gibt es bei Spenden für notleidende Menschen nicht….

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