ewigKITE
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26.November

Es war ein kleiner aber heftiger Anfall, der dazu geführt hat, dass mein Büro jetzt wieder mal wenigstens oberflächlich aufgeräumt ist. Ein Stapel mit E-Bay.-Sachen liegt jetzt vor der Bürotür und muss nur noch inseriert werden. Sämtliche Fotosachen sind sortiert und der ganz Papierkram ist im Altpapier oder weggeheftet.  Immer wieder denke ich an einen Kollegen, dessen Schreibtisch ich mal gesehen habe: Telefon, Tastatur, Bildschirm, 1 A-4-Blatt und 1 Kugelschreiber. Der hat das hingekriegt. Wenn ich etwas disziplinierter wäre, dann könnte ich das vielleicht auch.
Die letzten zwei Tage habe ich - nach dem Aufräumen - fast komplett am Schreibtisch verbracht. Ich arbeite seither die „Schneckenpost“ ab. Ich tippe mal, dass ich dann im Laufe des heutigen Tages zu den E-mails komme.  Montag hatte ich abends dienstlichen Besuch und heute Abend bin ich zu einer Sitzung in Ostfriesland. Ansonsten bin ich jeden Abend zuhause. Erst Samstag geht es wieder auf Tour. Das ist vielleicht ein Gefühl. Tut gut. Ich sollte des öfteren solche Wochen einplanen.
Inhaltlich beschäftigt mich schon die ganze Woche ein Seminar, welches ich am Samstag halten werde, aber viel mehr noch die Predigt am Sonntag: Festpredigt zum 50.Jubiläum der Gemeinde  Stuttgart Zuffenhausen. Die haben mich als Festprediger eingeladen, was mich natürlich freut. Als kleiner und größerer Junge war ich mit meinen Eltern in dieser Gemeinde. Sie heißt  „Martin Luther King Kirche“. Das wäre ein guter Aufhänger für eine Predigt, aber leider heißt die Kirche erst seit den 70igern so. Ich habe da aber schon einen Predigttextgedanken und eine fortführende Idee. Ich freue mich sehr auf diesen Tag. Ich werde viele Leute aus meiner Kindheit sehen. Und meine Eltern sind auch da. Ob es meinem 71jährigem Vater wohl schwer fällt, dass nicht er sondern ich die Predigt halte? Wie werde ich wohl sein, wenn ich 70 bin? Ich hoffe, meine Mitmenschen halten mich dann aus.

24.November
Das Leben ist nicht selbstverständlich.  Donnerstag,  13.15 Uhr. Zu viert sitzen wir am Mittagstisch. Telefon. „Ich wollte ihnen nur sagen…“. Janneke ist von einem Auto angefahren worden. Vor ihrer Schule. Ich bin zeitgleich mit dem Rettungswagen vor Ort. Janneke steht umringt von Freundinnen vor der Schule. Es scheint nicht schlimm zu sein. Sie wird untersucht und soll zur Kontrolle ins Krankenhaus. Die Polizei kommt und nimmt die Daten auf. Der Autofahrer ist ziemlich durch den Wind. Ich spreche mit ihm. Ein netter junger Mann. Später verbringe ich drei Stunden mit Janneke im Krankenhaus. Gott sei Dank ist außer Prellungen, blauen Flecken und Schürfwunden nichts passiert. Janneke hatte und hat Schmerzen, die werden aber langsam weniger. Mitten im Alltag kann es einen „erwischen“. Am Donnerstag wurde die Zeit verlangsamt. Abends liegen wir im Bett, mir kommen die Tränen. Dieser Tag hätte auch anders enden können.
Und wie schnell geht das leben wie gewohnt weiter… . Freitag früh auf die Autobahn. Ab nach Elstal. Das Mitarbeiterforum des Präsidiums unserer Kirche steht an. Infos, Gespräche, Referate, lauter Hauptamtliche und ein paar LandesverbandsleiterInnen („Bischöfe“). Ein Professor ist da und hält in einem atemberaubenden Tempo Vorträge zum Thema Zielfindung, Teamwork etc. pp.. Für mich viel zu schnell. Vielleicht auch deswegen, weil die Zeit am Vortag plötzlich still zu stehen schien. Abends dann ein geselliger Abend inkl. leckerem Essen. Samstag gegen 16 Uhr dann wieder auf die Autobahn. Ich habe einigermaßen schlechte Laune, weil ich mich frage, was der zurückliegende Tag für mich und meine Arbeit gebracht hat. Eine Antwort habe ich noch immer nicht. Abends dann – nach 30 Minuten „Ankommen“ -  ein Besuch hier in Oldenburg. Ich lebe zu schnell.
Der Gottesdienst am Sonntagmorgen ist der Hit. Erstens gab es eine Taufe mit 5 Leuten und zweitens hat unser Pastor Jo mal wieder eine hitverdächtige Predigt gehalten. Der hat den Täuflingen und mir „Evangelium pur“ eingeschenkt. Ich merke, dass ich das brauche. Dass mir jemand Gottes Gutsein zusagt. Dass ich nichts, aber auch gar nichts aus mir selbst leisten muss. Auch mein Terminkalender ist keine Leistung. Und mein Denken auch nicht. Am späteren Nachmittag sind wir dann noch zu Karin und Henning gefahren, um Hannes Hartmut Henning kennen zu lernen. Der kleine Wurm ist eine Pracht. Nein, wie süß. Neugeborene lassen mich auch runterfahren.
Heute geht es ganz normal weiter. Schreibtischarbeit und abends dann ein Treffen mit einer „Bischöfin“. Zwischendurch will ich ein paar Stunden frei machen. Denn ich merke, dass die Dinge der neuen Woche mich innerlich schon wieder so antreiben, dass ich unruhig werde.

17.November
"Wir gehen hin."  Letzte Woche Mittwoch bis Samstag war ich in Elstal, dem „Sitz“ unserer Kirche, um mich mit dem Team des Dienstbereichs Mission, in dem ich auch arbeite, zu treffen, x TOPs zu besprechen und dann im Anschluss eine Mitarbeiterkonferenz des Dienstbereichs mit ca. 50 Leuten aus ganz Deutschland zu erleben. 2 Tage haben wir über die Leitsätzen und Standards unseres Dienstbereichs  nachgedacht, in Arbeitsgruppen zusammen gesessen, wichtige oder auch mal eher nebensächliche Themen besprochen und uns daran gefreut, dass sich der Dienstbereich Mission in den vergangenen zwei Jahren so gut aufgestellt  und manches Gute bewirkt hat. Am ersten Abend der Konferenz hat Peter Jörgensen eine Einheit gestaltet, die fast alle TeilnehmerInnen betroffen gemacht hat. Er hat nicht mit großen Zahlen hantiert, sondern den Blick auf den einzelnen Menschen gelenkt, mit dem wir leben  - oder auch nicht. Hinter jeder Statistik verbergen sich tatsächlich menschliche Geschichten, Schicksale und Freuden. Geschärft mit diesem Blick hat sich dann im Laufe der folgenden Tage auch so manches Andere anders angehört. Wenn wir über Evangelisation und Diakonie, über Gemeindegründung und Weltmission nachdenken, dann hat das immer mit einzelnen Menschen zu tun. Es geht nicht um unsere „Zahlen“. Es geht auch nicht darum, dass Gemeinden größer werden o.ä..  Besonders interessant war für mich  ein Workshop der Unterabteilung Diakonie, in dem es ziemlich zur Sache ging. Nach gut einer Stunde Gespräch stellten wir fest, dass wir viel zu stark über „Gemeinde“  nachdenken und dabei den weiten Horizont des „Reiches Gottes“  vernachlässigt haben. Oder um mit einem bonmot zu sprechen: „Jesus predigte das Reich Gottes und was kam war die Gemeinde“. Da ist wohl wirklich etwas dran. Menschen, die schon immer im Rahmen kirchlicher Kreise aufgewachsen sind, tendieren vielleicht dazu, Reich Gottes und Gemeinde zu verwechseln. Und man kann es ihnen auch nicht übel nehmen. So ist das eben. Wer aber  im Laufe seines Christenlebens nicht weiter denkt, dem oder der sollte man wirklich mal das Reich Gottes ganz neu ins persönliche Stammbuch schreiben.  Mit diesen und ähnlichen Gedanken habe ich mich auf den Rückweg von Elstal gemacht: nette Gemeinschaft, gute Arbeitsergebnisse, ein mutmachender Abschlussgottesdienst und vieles andere mehr war in meinen Gedanken. Samstagabend habe ich dann einfach nur den Hausputz gemacht und mich danach vor den Kamin gehängt. Der Sonntag war bestimmt von Besuch. Kristina war da. Ein schöner Gottesdienst – übrigens in einer Gemeinde, in der manches möglich ist, was eher das Label „Reich Gottes“ als „Gemeinde“ verträgt; so z.B. fiel angesichts einer Entscheidung/ Abstimmung in der sich dem Gottesdienst anschließenden Gemeindestunde die Formulierung „Klar im Ziel, barmherzig auf dem Weg!“; na, wenn das nichts ist für eine evangelisch- freikirchliche Gemeinde. Und dann haben die Leute sogar einstimmig „barmherzig“ abgestimmt. Klasse - , dann Mittagessen, Kinder bei der Kinderbuchmesse abgesetzt und zu dritt einen Spaziergang gemacht. So plätscherte der Tag vor sich, bis ich mir um eine Salzleiche beim Tatort Gedanken machte.
Die neue Woche beginnt mit Artikel schreiben, E-mails beantworten und ein paar Telefonaten. Ab Morgen ist dann wieder „Reisetätigkeit“ angesagt. Den heimlichen Wunsch, den ich hatte, diese Woche nochmal aufs Wasser zu gehen, habe ich heute Morgen mit Blick auf die Temperaturen etwas wehmütig beerdigt. Okay, dann beginnt jetzt eben die Landboardingsaison. Tut nur leider etwas doller weh, wenn es einen mal hinhaut ….

1o.November

Eine neue Woche. Eigentlich wollte ich heute noch frei machen – ich habe mich in den vergangenen 14 Tagen etwas übernommen und muss etwas zur Ruhe kommen -, aber die Dinge, die diese Woche anliegen, lassen das nicht zu. Ein Gefühl von Unzufriedenheit macht sich in mir breit. Rudern, rudern, rudern. Gegen die Termine und den Berg von Mails und Post, die sich stapelt. Ist ja aber mein eigenes Problem. Besonders dumm, wenn man sich über sich selbst ärgern muss und nicht anderen Leuten die Schuld geben kann. Ich habe mir zu viel aufgehalst. Und jetzt stecke ich eben bis zum Hals drin. Nun denn. An die Arbeit. Vor mir liegt eine Woche in Elstal mit lauter Sitzungen und dem Mitarbeitertreffen des Dienstbereichs Mission. Dafür müssen noch ein paar Dinge erledigt werden.
Auch die Nacharbeit der letzten Wochen liegt an. Hier noch was schreiben, da noch ein Telefonat. Und dann die Frage, wie es mit dem einen oder anderen Arbeitskreis weitergeht. Eine Absage nach der anderen, was Mitarbeit angeht. Allem Anschein nach geht es anderen Leuten auch wie mir, nur dass sie dann – was ihr gutes Recht ist – die Bremse ziehen, da sie als Ehrenamtliche mitarbeiten. Als „Hauptamtlicher“ geht das nicht so einfach. Mal schaun… . Wenigstens habe ich in der vergangenen Woche das geschafft, was ich mir für Haus und Hof vorgenommen habe: Unser Flur erstrahlt in neuen Farben und ist nun nicht mehr so krassgelb wie in den vergangenen drei Jahren. Keine Augenschmerzen mehr beim Betreten unserer Wohnung.  Heute sind nur noch kurze Restarbeiten in der Wohnung zu machen: Hier ein verstopftes Rohr, dort ein wenig aufräumen. Meinen Schreibtisch habe ich wenigstens mal von den vielen Stapeln befreit und einen Stapel aus den ganzen Papieren gemacht. Jetzt muss ich sie nur noch durchsortieren.
Gestern gabs dann wieder mal einen einen tollen Gottesdienst  in der Gemeinde Oldenburg. Nach Wochen war ich mal wieder da. Einfach klasse.  Und gestern habe ich auch den ganzen Tag an die sog. Reichspogromnacht gedacht. Ein Interview mit einer Überlebenden in einer Nachrichtensendung hat mir nochmal deutlich gemacht, dass sich keiner entschuldigen kann für das, was geschehen  ist. Ein bitteres Stück deutscher Geschichte. Wo setze ich mich heute für Andersdenkende und Andersgläubige ein? Sind das nicht nur alles schöne Worte? Wo wird’s konkret?

4.November 

Wieder einmal bin ich für einen Vormittag am Schreibtisch zuhause. Diesmal bin ich aus Uelzen nach Hause gekommen. Nicht wegen des Schreibtisches. Den habe ich ja fast komplett mobil immer dabei. Wegen des gemeinsamen Frühstücks und Mittagessens mit der Familie. Und es war dann auch wieder ganz familiär heute morgen, als ich nach 6 Stunden vom Gezanke der Mädels im Bad geweckt wurde. Welch‘ ein vertrauter Ton. So liebevoll, so rücksichtsvoll, so umgänglich!


Nach einem gemeinsamen Frühstück habe ich mit Stine bei Hornbach nebenan Farben ausgesucht, denn nach drei Jahren im Sandfurter Weg soll es  jetzt dann doch mal soweit sein, dass wir die Treppenhausfarbe der Vorgänger mit unserem eigenen Farbgeschmack übertünchen. Da ich keinen Farbgeschmack habe, hat Stine natürlich die Farben ausgesucht.

Am Wochenende geht’s los und nachdem meine Mutter mir vor 14 Tagen einen Pullover mit der Aufschrift „Es gibt immer was zu tun!“ geschenkt hat, will ich das nun mal als Aufforderung sehen, endlich handwerklich aktiv zu werden. Lange nicht mehr gestrichen. Mal schaun.

Momentan bin ich also in Uelzen. Wieder mal zu Gästeabenden, bei denen ich versuche  so zu predigen, dass der ganz normale Mensch versteht, was das für eine klasse Sache mit Jesus Christus ist. Auch in Uelzen ist es so – auch wenn die Situation aufgrund vieler junger Leute doch anders ist -, dass die Gemeinde echt klasse mit macht. Die Mitarbeiter sind engagiert, der Kollege ist nett und unkompliziert und ich bewundere seine Gabe und seinen Willen, die so unterschiedlich geprägten Christen beieinander zu halten und immer wieder zueinander zu bringen.

Uelzen hat nämlich auffallend  viele Freikirchen. Meine Güte, da ist was los in Gottes Gemüsebeet! Gott muss schon Humor haben, wenn er neben der „großen“ Kirchen auch noch die evangelisch Freien, die freien Evangelischen, die Pfingstler und die anderen Pfingstler, das Christustreff und und und in Uelzen unter Kontrolle halten will. Es ist ein Elend mit diesen vielen verschiedenen Konfessionen.

Als hätte diese Welt nicht andere Sorgen. Manche Leute, die mit dem Glauben nichts am Hut haben, die müssen doch glauben, dass wir Christen einen an der Waffel haben, wenn wir so viele kleine Untergrüppchen gruppieren, züchten und pflegen. Welch vertane Mühe! Wobei, … ich hätte auch echt keinen Bock darauf, mich auf die theologische Linie der leute in uelzen einzulassen, die parallel zu den Gästeabenden der Baptistens „Heilungsgottesdienste“ anbieten.  Diese theologische Linie teile ich in keiner Weise, finde sie geradezu … . Schreib‘ ich lieber nicht.

Also: ich hätte Mühe, mich mit diesen theologisch so andersartig geprägten Leuten in einer Gemeinde zu versammeln. Da hätte ich schon mehr Lust auf noch anders geprägte Leute in der Kirche. Bei einem Straßeneinsatz in Uelzen (wir haben die Aufblasbare Kirche aufgepustet und Punsch verschenkt) kam ich mit ein paar Leuten ins Gespräch, die echt vom Leben gebeutelt sind. Die nicht mehr können und die auch nichts mehr verstehen, was ihre Leben angeht. Die am Ende sind. Mit solchen Leute würde ich gerne die Mauern meiner oder einer Kirche teilen. Und zwar ohne, dass sie so sind, wie ich bin. Sie können es aufgrund ihres Herkommens und aufgrund ihrer gesellschaftlichen Situation ja auch gar nicht sein. Das wäre eine Herausforderung, die ich gerne annehmen würde.  Oder das Gespräch mit dem Mann, der im zweiten Satz sagte: „Ich bin Atheist!“ Ein netter, ein sympathischer, ein dialogisch gestimmter Mann. Klasse. Das hat richtig Spaß gemacht. Ich hoffe, dass ich ihn heuten oder morgen Abend nochmal sehe und spreche.

Nun also ein kurzer Tag zuhause. Ein paar E-mails. Endlich den ewigkite.de-Wohnwagen inkl. Kirche unterstellen und dann noch ein paar Kleinkramsachen. Gegen 16 Uhr dann wieder Autobahn.

31. Oktober
Ein Vormittag am Schreibtisch.  Die Predigt und die Abendveranstaltung für Sonntag ist noch nicht fertig. Und dann noch das Seminar für den morgigen Tag. Alles ein wenig eng, aber heute Nachmittag werde ich frei machen und den Freuden des Vaterseins nachgehen: Ich werde putzen, aufräumen, im Garten ein paar Sachen umstellen, mit Enno zum Zahnarzt gehen und dann, ja dann, werden wir gemeinsam zur Post  gehen und seine E-Gitarre abholen, die da lagert (die Post hat es ja nicht nötig, 2 x zu kommen). Morgen früh geht es dann nach Stelle.
Ein wenig zu viel bin ich diese Wochen unterwegs. Die Woche in Stelle war für mich aber sehr sehr erfreulich. Ich selbst hatte an den Abenden große Freude am Predigen, ich hatte den Eindruck, dass ich ganz gut in den „flow“ komme, viele Leute haben auf das Gesagte/ Gepredigte  reagiert und außer ein paar marginalen Kleinigkeiten gab es keine Kritik, die mich negativ getroffen hätte (ja, manchmal rede ich echt etwas zu lang. Ich sollte mir merken, dass 6 Seiten Konzept  15 Minuten bedeuten). Die Gemeinde in Wedel hat echt klasse mitgearbeitet und eine ganz tolle Atmosphäre  verbreitet. Viele nette Menschen, die aufeinander und auf neue Leute zugehen. Das macht Mut. Gerne hätte ich noch einen Mann wiedergesehen, der  am zweiten Abend da war und mit dem ich im Anschluss gesprochen habe. Es fällt mir nicht leicht, Leute 1 x gesehen und gesprochen zu haben (nicht einfach so, sondern inhaltlich existentiell) und dann nicht mehr zu sehen, wie es weiter geht.
Heute ist Reformationstag. Wie gut, dass es Menschen wie Martin Luther gab und gibt, die sich mit den bestehenden Systemen nicht zufrieden geben. Die Kirche war in einem argen Zustand. Luther hat seinen Finger in die Wunden gelegt und damit tausenden, ja Millionen von Menschen ermöglicht, ihren Glauben eigenständig zu leben. Er hat neu deutlich gemacht (die Idee ist ja so alt wie das NT), dass der Glaube allein den Menschen vor Gott gerecht macht. Werke bedarf es dazu nicht. Sein Kollege Calvin (der „reformierte“ Reformator, der leider erst ein paar Jahre später auftrat – sonst hätte er alle Punkte gemacht) hat einmal gesagt, dass die guten Werke des Menschen angesichts der  Erhabenheit, Hoheit und Größe Gottes geradezu lächerlich klein und unvollkommen erscheinen. Deswegen müssten auch die „guten“ Werke durch den Glauben gerechtfertigt werden. Sonst seien sie nicht wirklich gut. Der hat’s auf die Spitze getrieben. Vermutlich deswegen, um auch dem letzten selbstgerechten Christen/ Christin deutlich zu machen, dass er oder sie – sei er oder sie auch noch so „gläubig“ – mit eigenen Werken bei Gott nichts bewirken kann.
Luther und Calvin: Gott sei Dank für ihre Neuentdeckungen biblischer Aussagen.
Hoffentlich kann ich mich im Alltag an die Reformatoren erinnern. Und hoffentlich kann ich auch – in kleiner überschaubaren, längst nicht so kirchengeschichtlich bedeutsamer Weise – an den Stellen „Reformator“  (Erneuerer) sein, wo ich meinen Mund aufmache. Ja, manchmal muss ich weniger reden. Vielleicht geht es dafür wesentlicher.


28.Oktober

Wedel. Bei Hamburg. Ich lebe wieder in einer anderen Welt.
In einer netten Einliegerwohnung bei einer noch netteren alten Dame, mit der ich heute morgen noch viel netter gefrühstückt
  und mich herrlich unterhalten habe, habe ich mein mobiles Büro aufgeschlagen und arbeite. 
Ich bin mal wieder zu einer Evangelisation unterwegs und habe gestern Abend einen schönen ersten Abend erlebt. Ich habe versucht den BesucherInnen deutlich zu machen, dass es beim Glauben nicht auf ihre Leistung ankommt, sondern auf Jesus Christus. Ich muss schon sagen: Predigen macht mir am meisten Spaß. Das ist echt meine Leidenschaft.

Keine Ahnung, ob die HörerInnen das auch von mir meinen. Wenn ich aber Bibeltexte bedenke und
  zu ergründen, was sie mit dem heute, hier und jetzt zu tun haben, dann laufen meine Gehirnzellen auf Hochtouren und mein Hormonhaushalt schüttet sämtliche zur Verfügung stehenden intensiven Mittelchen aus, die in mir das wunderbare Gefühl von Geborgenheit, Gewissheit und Lebenserfüllung erzeugen.

Die Reaktionen gestern Abend waren besonders: Die vorbereiteten methodischen Mittelchen, die den BesucherInnen zur
  Verfügung standen, um auf das Gehörte zu antworten, reichten nicht aus. Das war auch mal ein schönes Erlebnis! Ich weiß nicht, ob sich jemand erstmals auf den Glauben an Christus eingelassen hat. Mein Job ist ja nicht die Ergebniskontrolle. Das soll mein himmlischer Chef selbst machen. Viele altbewährte ChristInnen haben sich aber offensichtlich neu auf den Christus eingelassen, der sie trägt und hält. Das ist schon schön.

Seit ein paar Stunden sitze ich nun bei Sonnenschein in der schönen Einliegerwohnung, telefoniere und maile mir einen Ast, ärgere mich über die kurze Akkulaufzeit meines neuen Handys und versuche einen Schneise in Vielzahl der Mails zu schlagen, die auf Antwort warten.

Ich komme nur schwer in Fahrt. Die letzten 14 Tage Urlaub waren einfach zu schön. Und dann warten in den E-mails und Telefonaten auch so manche schwierigen Dinge auf mich, die ich eigentlich mit Fingerspitzengefühl angehen müsste. Und davon könnte ich durchaus ein wenig mehr gebrauchen.

Zudem machen mir die Finanzen von ewigkite.de ein paar Sorgen. Aus nicht ganz nachvollziehbaren Gründen ist da eine Rechnung über mehrere hundert Euronen aufgetaucht, die ich nicht auf dem Zettel hatte. Und es sind keine Euronen auf dem ewigkite.de-Konto. Alle reden von Finanz- und Bankenkrise. Welcome in der Realität!

Heute Nachmittag werde ich noch eine Besprechung haben, mir vermutlich weiter das Ohr abtelefonieren und dann wieder den Vortragsabend in der Gemeinde
 Wedel mitgestalten. Danach geht es noch auf die Autobahn, da ich morgen Mittag in Hannover sein muss, vorher aber wenigstens am Frühstückstisch  der Familie sitzen möchte.  Mittwoch Abend dann wieder Wedel. Donnerstag ein sozialdiakonisches Projekt in der Nähe von HH besuchen, abends Wedel und Freitag dann zuhause. Samstag bis Mittwoch on tour.



26.Oktober

Zeitumstellung. Eine Stunde mehr oder weniger macht mir nicht viel aus.  Aber die Zeitumstellung von Urlaub auf ganz normalen Alltag, die morgen begonnen wird, die ist nicht ganz so einfach. Die vergangenen 14 Tage haben wir als Familie gemeinsam verbracht.

Ein echtes Highlight für mich. Kinder und Frau von morgens bis abends und
  auch noch nachts. Die Hälfte der Zeit nachts auch noch auf sehr engem Raum, im Wohnwagen nämlich, in Paris.  Nachdem wir in den vergangenen drei Jahren nur Urlaub in Deutschland gemacht haben, war es unbedingt mal wieder dran, Auslandsluft zu schnuppern. 

Direkt nach dem schönen, wenn auch nicht ganz so windoptimalen -  dafür  haben wir aber so einige Dinge inhaltlich geklärt – Mitarbeiterwochenende von ewigkite.de in Hooksiel, ging es los. Nachhause kommen,  ewigkite.de-Kram aus dem Wohnwagen raus, 2 Stunden packen und abends um 8 dann auf die Autobahn.
Nachts gegen 1 Uhr haben wir uns dann in der Nähe von Aachen in einem kleinen Dorf abgestellt. Auf dem Parkplatz einer kleinen katholischen Kirche.

Am nächsten Morgen dann der Urlaubsbeginn, der mich noch heute schmunzeln lässt: Ich stehe auf, steige aus
  dem Wohnwagen und sehe das Schild „Parken nur für Pfarrer“. Na, hier bin ich ja richtig. Ein paar Minuten später kommt eine rheinische Frohnatur  aus dem verschlafenen Dörfchen vorbei. „Na, haben Sie gut geschlafen? Sagen Sie, das ist doch die aufblasbare Kirche da hinten auf dem Wohnwagen. Die kenn‘ ich. Habe ich im Fernsehen gesehen. Sind Sie der Pfarrer dazu?“ Ich lache mich fast weg.  Ein Mini-Kaff irgendwo weit weg von Oldenburg und diese Frau weiß über ewigkite.de Bescheid. Meine Frage, ob sie uns einen Steckdose leihen kann, damit ich meinen Kaffeevollautomaten anschmeißen kann (Urlaub ist Urlaub ist Urlaub!), beantwortet sie auf ihre Weise: „Nein, kann ich nicht, aber in 10 Minuten ist das Frühstück für Sie fertig! Wie viele  sind Sie denn?“  10 Minuten später fallen wir tatsächlich zu fünft bei der Frau zum Frühstück ein, die seit Jahren nachts eine Querschnittgelähmte betreut, 3 Hunde hat, sich um ihre Großfamilie kümmert, die Küsterin der Kirche ist, gemeinsam mit ihrem Mann Wortgottesdienste  hält und erst vor drei Jahren zum Katholizismus konvertiert ist.
„Ich mache hier doch alles in der Kirche, da will ich auch ganz dazu gehören!“ Ja, Recht hat sie. Es gibt noch Engel auf dieser Welt. Nicht nur weil das Frühstück himmlisch war – das war ein Frühstücksbuffet!

Unglaublich, wie man als Privatmensch so ein Frühstück „auffahren“
  kann. Unglaublich, weil diese Frau Wärme, Wohlwollen und vorbehaltlose Zuneigung ausstrahlte. Sie hätte auch anderen Leuten Frühstück gemacht. Dazu brauchte man nicht „Pfarrer“ sein und auf dem Parkplatz ihres Pfarrers parken.

Schmunzelnd und dankbar machten wir uns auf den Weg nach Paris und kamen am Spätnachmittag
  des 13.Oktober bei noch sommerlichen Temperaturen  auf einem Campingplatz in den Nähe von Paris an. Ein lauer Sommerabend  vor dem Wohnwagen.

Wie alle kommenden Tage, begann der erste Frankreichtag
  mit Baguette, Croissants und Kaffee. Herrlich. Unter freiem Himmel. Und dann kam Paris total: Mit dem Auto 45 Minuten bis zur ersten Metrostation und dann nochmal 30 Minuten bis zu irgendeiner Touristenattraktion in der pulsierenden Stadt. Eiffelturm. Das musste am ersten Tag sein. Die Kinder und auch ihre Eltern waren begeistert. In mir kamen auch Erinnerungen hoch, wie ich als 17-Jähriger unter dem Eiffelturm geschlafen habe (und von der Polizei geweckt wurde). Ist schon etwas her.

Ein herrlich schöner Sonnentag in Paris. Die Folgetage waren nicht ganz so sonnig, aber immerhin trocken und tagsüber nett warm. Die Rückfahrt mit der Metro
  hätte einen an die Wiedergeburt Glaubenden an sein früheres Leben als Sardine in einer Blechdose erinnert. Wir haben kein Kind verloren! Der  Mittwoch gehörte der Modernen Kunst im Centre Pompidou. Schon klasse, wie Kinder auf Moderne Kunst reagieren. Entlarvend einerseits, kindlich und aus meiner Sicht treffend interpretierend andererseits. Und dann noch Notre Dame!
Ein herrlicher Tag. Der Tag, an dem unsere Kinder auch die Souvenirshops entdeckten. Ich nehme mal an, dass in ihnen das Bild von Paris bestehen bleibt, in dem Paris ein einziger
  Tourishop ist. 20 dieser kitschangefüllten Plastikläden haben sie in den Tagen bestimmt kennen gelernt. Wenigstens haben sie „Angebote“ verglichen.
Der dritte Tag hatte es mit jeder Menge Knochen zu tun: Das Naturkundemuseum mit einer interessant gemachten– aber leider nur auf französisch
  beschilderten – Ausstellung zur Evolution stand auf dem Programm. Und weil sie gleich nebenan lag, haben wir auch noch die Moschee von Paris besucht. Was für ein Tag. Als wir in der Sardinenbüchse wieder nach Hause fuhren,  waren    wir alle etwas platt. Und kälter wurde es langsam auch.
Ein letzter Tag stand an: Wachsfigurenkabinett. Nein, doch nicht, „die spinnen die Franzosen“ (Enno im Asterix und Obelix-Fieber!): 72 Euro Eintritt für unsere Familie. Da haben sogar die Kinder gesagt, dass wir das lieber sein lassen. Also sind wir nicht vor lauter Wachsfiguren dahin geschmolzen , sondern haben einen Spaziergang zu Sacre Coeur gemacht. Lohnenswert, lohnenswert. Rike vergleicht Notre Dame mit Sacre Coeur,  Enno ist begeistert vom Trickkünstler auf den Stufen vor  Sacte Couer, Janneke kauft im 21. Touriladen nun endlich  ihre Handtasche und Stine und ich genießen das schöne Wetter und die Aussicht auf Paris. Der Parisaufenthalt endet nicht ohne ein zufälliges Treffen mit Nachbarn aus dem Sandfurter Weg in Oldenburg in einem Park nahe Sacre Coeur. Zuhause trennen uns gut 100 Meter Luftlinie. In der 11 Millionenstadt treffen wir uns.

Nach der Stadt-, Kultur- und Menschendröhnung kam dann Entspannung  pur: Das Ferienhäuschen meiner Eltern irgendwo mitten in Hessen. Natur, Tiere, Stille.  Und wir 5 mitten drin. Enno und seine Schwestern angeln 15 Fische (Goldfische aus Oma’s Teich) und rufen meisten mich, um den Haken zu entfernen, wir fällen eine 9 Meter-Fichte und verarbeiten sie zu Kleinholz (Enno ist tatsächlich ein begabter Holzhacker), machen Spaziergänge und  genießen die Ruhe. Und erstmals  in ihrem Leben dürfen unsere Kinder einen ganzen Fernsehtag machen. Von morgens 10 bis abends 10 sitzen sie vor der Glotze. Und finden es am nächsten Tag gar nicht so klasse. Wir hatten dadurch einen sehr ruhigen Tag. Und wissen mal wieder, dass Fernseher  nicht selten auch als Kinderruhigsteller eingesetzt werden.

An meinem Schnapszahlengeburtstag packen wir die Klamotten, um wieder in den ganz normalen Alltag zurückzukehren. Das wird schwerer fallen als die Zeitumstellung.


1.Oktober

Ich sitze beim Ford-Händler und warte darauf, dass die Inspektion gemacht wird.  120 000 Kilometer in knapp zwei Jahren. Hmmmm. Zunächst einmal bin ich sehr dankbar, dass ich noch gesund bin. Das ist nicht selbstverständlich.  Manches mal war ich auch müde oder unkonzentriert beim Fahren. Es hätte auch mal schief gegen  können. Dankbar also. Andererseits: Ein schlechtes Gewissen. Meine Güte, was bin ich für eine Umweltsau. Sicher, der Galaxy ist kaum über 7 Liter zu kriegen, aber hochgerechnet macht das mal eben  8000 Liter Diesel in die Luft gepustet.  Und nicht alle meiner Fahrten und Treffen waren so, dass man sagen könnte, sie seinen sinnvoll oder effektiv gewesen.
Gedanken, die mich umtreiben. Matze ist auch von Gedanken umgetrieben.

Matze ist  einer der liebsten, theologisch herausfordernsten, charakterlich sympathischsten und einfach nettesten  GJW- Ex- Kollegen, die ich  habe (Matze, wenn du das liest, dann lass‘ es dir  hoffentlich mal wie Öl runtergehen. Zitat Matze:  „ … dass ich mir diese pseudo-demütigen Ausschweifungen sparen kann, ….“  Jetzt habe ich mal als längst nicht so demütiger Mensch Ausschweifungen für Matze geschrieben).
Matze hat ein Buch geschrieben. Das habe ich gerade gelesen. Viel zu schnell. Man bräuchte  eigentlich ein paar Tage oder Wochen Zeit dafür, um es zu verdauen. Ich konnte mich aber nicht bremsen.  Echt empfehlenswert für Leute, die schon länger Christen sind und sich fragen, welche Ziele, Etappen, Höhen und Tiefen das Leben so bringt und wie man damit umgehen sollte. Achtung: Ehrlichkeit und schonungslose Demaskierung eines Wohlstandschristentums inklusive. Klasse Buch.
Vielleicht sollte ich Matze anbieten, dass wir eine gemeinsame Fortsetzung schreiben. Ich hatte fast zu jedem Kapitel ein paar Gedanken. Manchmal war Matze sogar noch etwas sanft. Er kann  auch  noch deutlicher, wobei seine Zeilen schon so deutlich sind, wie man sie in frommen Büchern irgend welcher frommer Verlage unserer Zeit eher selten findet.
„Mein Lauf zwischen den Welten“ heißt das Buch, welches in Südafrika geschrieben wurde und die deutsche Welt mit berücksichtigt. Auch Samantha hätte es – anders – schreiben können. Nach einem Jahr ist sie wieder aus Malawi  zurück. Sie war zwei Tage bei uns. Das war schön, schön, schön. Samantha ist wieder da. Jetzt ist das Leben fast wieder normal. Auch sie hat dermaßen viel erlebt, dass man nur staunen kann. Und sie hat mir  so viel voraus, was Herausforderungen, Kulturen, Menschen, Höhen und Tiefen angeht. Vor 14 Tagen noch Malawi. Gestern waren wir dann für Samantha am letzten Septembertag 2008 „ankiten“ in Hooksiel. Alex, Sam und ich. Wie zu alten Zeiten. Schön war’s, wenn auch nicht ganz der Wind- und Erfolgshit. Jetzt geht die Woche flott weiter. Heute Abend mal wieder 500 Kilometer. Etwa 30 Liter Diesel. Morgen noch Kleinkram und etliches Inhaltliche und dann am Wochenende nach Lünen zu einem der größten Drachenfeste Deutschlands. Und: Der Wohnwagen ist jetzt ganz fertig und auch die Inneneinrichtung der Aufblasbaren Kirche ist ein gutes Stück weiter. Ach, ich freu‘ mich drauf, … müsste ich nicht schon wieder die Familie allein lassen.

26.September
Ich sitze im „kleinen“ Oldenburg. In Holstein.  Oldenburg i.O. ist schon beschaulich, aber hier ist es noch kuscheliger. Die kleine Baptistengemeinde hat mich zu Vortragsabenden eingeladen. Gäste sollen kommen und das Evangelium hören. Ich merke mal wieder, dass mir Predigen echt Spaß macht. Freude. Da laufe ich warm. Das war gestern schon mal ein guter Abend. Ich bin gespannt, wie es heute wird. Gestern ging es um Werte im Leben. Das, was Jesus dazu zu sagen hat, hat mich selbst mal wieder begeistert, auch wenn ich selbst von mir sagen muss, dass ich die nicht alle auf der Pfanne habe und selber einer bin, der sich immer wieder sagen muss, dass die Werte, die mir Tag ein Tag aus ins Ohr gepustet werden, mich manchmal doch mehr bestimmen als die „Reich Gottes Werte“, die Jesus so drauf hat. Obwohl, wenn man darüber nachdenkt, dann sind die wirklich unschlagbar. Ich denke zu selten nach. Das Leben passiert eher einfach so. Leichter gesagt/ gepredigt als getan mit den Werten.
Mittwoch hatte ich einen Vorbereitungsabend in der Gemeinde  Wedel. Der hat mir Mut gemacht. Kleine Gemeinden können echt gut drauf sein!
Durchschlagender war dann das nächtliche Treffen mit meinem Freund. Er hat mir – zurecht und auf nette Weise- den Kopf gewaschen. Meistens wasche ich mir nur selbst den Kopf. Es ist nicht immer ganz einfach, andere an die eigenen Haare zu lassen. Aber wenn es einer darf, dann er. Ich habe da was zum Nachdenken.
Auf dem Weg in das kleine Oldenburg habe ich dann Peltzerhaken kennen gelernt. Ein Traumspot für Kitesurfer. Und der Wind war beständig zwischen 3 und 4 Windstärken. Ich habe mich etwa drei Stunden lang verausgabt. So sehr, dass ich heute meine Knochen spüre. Netterweise spüre ich andere Knochen als noch vor einem halben Jahr, was daran liegt, dass ich andere Moves mache. Und das macht Spaß. Zur Arbeit am Laptop muss ich mich heute Vormittag prügeln. Ich könnte ja auch wieder nach Peltzerhaken fahren.  Was ich auch machen werde. Nachmittags. Bis dahin ist inhaltliche Arbeit dran.



23.September

Das war ein Gottesdienst! Vom Feinsten. Zumindest, was meine Wahrnehmung angeht. Kurze knappe Moderation ohne viele Worte, Lieder der älteren Art – tatsächlich, Paul Gerhardt wird noch gesungen – und eine Predigt, von der ich mir erstens inhaltlich eine Scheibe abschneiden kann und zweitens auch formal. Gepredigt hat Christian, der Praktikant unserer Gemeinde in Oldenburg. Unglaublich. Wenn der schon als Praktikant so predigt, wie wird das erst, wenn er fertig ist und irgendwo als Pastor arbeitet? Inhaltlich exegetisch sauber gearbeitet, keine frommen Laberworte, Satzbau. Modulation – alles bestens. Okay, um wenigstens etwas zu finden, was nicht so klasse waR. Ein paar mehr Lebensbezüge wären nicht schlecht (damit man sich nicht alles selbst denken muss – denken ist ja so mühsam….). Aber auch das ist nicht wirkliche Negativkritik:  Es wäre schlimm, wenn man einem  Theologiestudenten nicht anmerken würde, dass er gerade studiert (und eben noch nicht im Sumpf des pastoralen Lebens   steckt!). Also: Ich habe von „Jesus und er Ehebrecherin“  gelernt. Durch Christian.
Wie meine Predigten wohl so wirken?  Was sie be-wirken? Am Samstag hat mir das Predigen zumindest wieder Spaß gemacht (ich predige sowieso total gerne). Die Hochzeit von Deike und Hoffe  in Firrel war eine  fröhliche Sache. Viele Leute, gute Stimmung,  nur ein ganz ganz wenig Aufgeregtsein, Band im Gottesdienst und eben ich als Hochzeitspastor. Zum ersten mal habe ich über einen Text gepredigt, den ich sonst  bei Trauungen abgelehnt habe. Ruth 1,16. Da geht es um Schwiegertochter und Schwiegermutter. Hmmmmm. Es kam nun aber so und so habe ich das Beste versucht daraus zu machen. Und das hat mir Spaß gemacht. Nach dem Gottesdienst kam jemand auf mich zu und sagte in leicht plattdeutsch angehauchter  Sprache: „So haben wir das noch nie gehört. Erst musste ich mich daran gewöhnen. Aber dann was es sehr  gut.“
Ich bilde mir nicht ein, dass Predigten bei Hochzeiten  aufmerksam verfolgt werden. Aber diese eine Person hat wohl hingehört. Feier und Fest bei der Hochzeit waren auch ganz klasse. Ich habe mir sämtliche Flusskrebse von der  Deko des Buffets genommen und einen leckeren Lachs-, Krabben  und Flusskrebsabend gehabt ( es sah etwas unverschämt aus, aber es ist doch einfach schade um die leckeren Teile, wenn sich keiner traut).
Sonntag dann – wie bereits geschrieben – eine super Predigt und danach ein ganz normaler Sonntagnachmittag  mit Familie, wie ich ihn seit Mai nicht mehr erlebt habe. Mensch, war das klasse.
Und jetzt läuft sie wieder, die ganz normale Woche. Und ich muss mich wirklich treten. Gestern habe ich jede Menge Erledigungen und Kleinkram gemacht, heute wird es an den Schreibtisch gehen.
Morgen geht es  dann bis Sonntag auf Tour… .

19.September
Gestern hatte meine Liebeste Geburtstag. 41 ist sie geworden. Letztes Jahr haben wir ein rauschendes Fest gefeiert. Gestern abend war eher Frauentreffen im Eßzimmer. Nett war's, auch wenn mir Gespräche über Sport, Autos und sonstige anscheinenden Banalitäten gefehlt haben.
Allem anschein nach geht eine Krankheitswelle durch Oldenburg.  Ein paar Frauen hatten kurzfristig abgesagt.
Hoffentlich halte ich mich fit. ich kränkele schon die ganze Woche, morgen ist aber die Hochzeit von deike und Hoffe. Heute Vormittag erhält die Traupredigt ihren letzten Schliff und dann bin ich mal auf morgen gespannt.

Zwischen Geburtstagsnetterabendvorbereitungen und Hochzeitspredigt mache ich mir Gedanken über Mission im Großen und Ganzen. Ausgelöst durch ein Gespräch mit einem Kollegen werde ich mal wieder dermaßen grundsätzlich in mir selbst, dass ich es kaum aushalte. Ich habe also versucht - mit dem Ausgangspunkt eines Steffenskyzitates - mir einmal wieder mehr bewusster darüber zu werden, was ich eigentlich mache.
Ist vielleicht doch mehr eine Verteidigungsschrift geworden. na und? Dann war's eben mal dran.
Viele offene Fragen bzgl. der Kirche/ Gemeinde und ihrer Sendung/ Mission in diese Welt wirbeln durch meinen Kopf. Erwartet man nicht vielmehr Antworten von einem Referenten im Dienstbereich Mission?
Jegliches hat seine Zeit. Im Moment sind es wohl die Fragen.
Vielleicht komme ich ja dadurch auch Antworten?


15.September
Faszinierend, diese kleine Gemeinde, die (noch) etwas will. Am Sonntag war ich zum Gottesdienst und zum anschließenden Gespräch in der Gemeinde Recklinghausen. Um die 25 zumeist ältere Leute waren im Gottesdienst. Anschließend saßen wir dann mit knapp 10 Leuten zusammen, um zu überlegen, welche Perspektiven die Gemeinde für die nächsten Jahre haben kann.  Dass Gemeinde und das Gruppenleben nicht so weitergehen kann wie in den vergangenen Jahrzehnten, das scheint den Verantwortlichen klar zu sein. Nur wie kann Gemeindeleben anders gestaltet werden, dass Menschen Gemeinde als einen Raum erleben, den sie gerne besuchen, in dem sie Geborgenheit, Orientierung und Sinn finden? Ich habe die Offenheit und Ehrlichkeit der Recklinghausener bewundert. Ein Ringen darum, wie es weitergehen kann. Manchmal finde ich es schade, dass ich keine „Patentrezepte“ zur Hand habe. Gerne würde ich – und das kommt meinem Charakter eigentlich entgegen – schnell für Veränderungen sorgen. Zum Abschluss des Treffens haben die Verantwortlichen erstmal beschlossen, alles sacken zu lassen. Das  ist vernünftig, bedenkt man, was ich ihnen so alles erzählt habe … . Das müsste ich auch erst mal sacken lassen, wenn ich es das erste mal hören würde. Nächsten April werden wir uns zu einem Tagesseminar wieder treffen. Dann geht es weiter. Man darf gespannt sein. Nach so mancher Gemeindeberatung habe ich leider erleben müssen, dass aus den angedachten Plänen nichts geworden ist. Bei den Recklinghausenern habe ich da ein anderes Gefühl. Mal sehen. Dein reich komme. ERs kommt. Da brauche ich mir eigentlich kleine Sorgen machen.

Gesundheitlich bin ich leider etwas angekratzt, so dass ich heute nicht aufs Wasser gehen werde, auch wenn ich mich dringend danach sehne nach einer vollen Woche mal komplett abzuschalten.

Ich werde heute Vormittag ein wenig Post erledigen und heute Nachmittag die Füße hoch machen. Vielleicht reicht es ja  zu ein wenig Mountainboarden im Neubaugebiet nebenan?
Morgen geht’s nach Elstal. Aufstehen um 4.30 Uhr. Nun denn.  Mittwoch kommt Samantha aus Malawi zurück, Donnerstag wird meine Allerliebste wieder ein Jahr älter und am Samstag habe ich die Hochzeit von Deike und Hoffe. Und am Sonntag werde ich seit Juni endlich wieder  mal im Gottesdienst hier in Oldenburg sein. Darauf freue ich mich riesig. Mal nicht unterwegs. Einfach da sein. Ach ja, ich glaube, dass im Laufe der Woche auch der Name meines neuen Chefs bekannt gegeben wird. Wenn ich ihn nicht schon wüsste – durch Zufall rausgekriegt - , wäre ich dann echt überrascht. Angenehm.



12.September

Bochum: Grundsätzliche Gedanken über die  zukünftige Arbeitsweise eines Arbeitskreises.
Essen: Gespräch über eine aus meiner Sicht verzwickte gemeindliche Situation.
Kassel: 17 Tagesordnungspunkte in sechs Stunden.
Bingum: Abschiedstreffen mit meinem Ex-„Chef“
Wedel: Heute Abend dann. Planungstreffen für eine Evangelisation.
Recklinghausen: Sonntag dann. Gottesdienst und anschließendes Mitarbeitertreffen.

Eine normale Woche ist das zum Glück nicht. Nach den Ferien, das war schon im GJW und auch als Gemeindepastor so, geht es immer volle Kanne los. Ich bin konzentrationsmäßig etwas am Anschlag. Dummerweise bin ich auch noch erkältet (die Fähre von Borkum nach Emden am letzten Wochenende). Die Vielfalt der Dinge, die ich so auf dem Zettel habe, sind einerseits anspornend und vitalisierend, andererseits kann es aber leicht auch mal an die Grenze gehen. Aus jeder Sitzung komme ich entweder mit ein paar Ideen raus (mittlerweile habe ich mir schon angewöhnt, diese einfach aufzuschreiben  und abzuheften; irgendwann mal werde ich sie dann vornehmen und sehen, ob noch was aktuell sein soll und kann) oder mit Arbeitsaufträgen. Die Zeiten am Schreibtisch sind aufgrund der Fahrerei auch nicht gerade ausgedehnt, so dass ich i8mmer das Gefühl habe, eigentlich mal eine Woche Schreibtischarbeit einschieben zu müssen. Wenigstens habe ich es – nachdem ich vor ein paar Wochen mein Postfach aufgeräumt habe – geschafft, dass ich meine E-mails regelmäßig abbaue! Seit gestern habe ich dann auch wieder Internet. Einen Roman könnte ich schreiben über die Telekom, Router, Programmierungen und Ulf, der netterweise nicht die Nerven verliert und sich die Zeit nimmt, mir zu helfen.
Im Laufe dieser Woche habe ich jemanden getroffen, der mir sagte, dass er sein „innerliches Leben“ vernachlässigt habe. Zu wenig Nachdenken, Bibellesen und Gebet. Jetzt habe er es geändert. Ich muss da dringend auch nachlegen. Das bringt sicher auch mich zur Ruhe und hilft, die Dinge gelassener zu sehen. Und mit einem anderen Horizont. Schaun wir mal.

9.September
Drachenfestival auf Borkum. Das hatte schon was! Allein schon der Anreiseweg übers Meer bringt einen zur Ruhe.  Gemeinsam mit vier anderen Leuten war ich für ewigkite.de   unterwegs. Um es gleich vorweg zu sagen: Wir hatten längst nicht so viele Kontakte zu Leuten wie in Lemwerder, aber es war ein tolles Wochenende, bei dem wir voll drin waren in der Gemeinschaft der Drachenflieger, die wir nun mittlerweile von mehreren Drachenfesten kennen. Und man muss sagen: Eine nette „Gemeinde“. Wieder sind wir sehr wohlwollend aufgenommen worden.
Meine Highlights des Wochenendes: 1.  Ich habe mit vier netten und unkomplizierten Leuten ein schönes teilweise sonniges und ständig windiges  Wochenende verbracht und war dabei in einer Ferienwohnung untergebracht, die den Stil der 60iger oder 70iger Jahre atmete.  2. Ich habe Pascal Lohmann, den Teamfahrer von Flysurfer  und deutschen Meister, beim Landboarden zugesehen und ihn dann auch noch vor die Linse gekriegt. Mehr dazu sicher irgendwo demnächst auf dieser Seite.  3. Ich habe Tim Wallenstein, den momentan 11jährigen Nachwuchslandboarder gesehen, wie er zum ersten Mal auf dem Mountainboard stand und  mit Board und Kites so umgegangen ist, dass es nicht verwunderlich wäre, wenn er 2010 oder 2012 deutscher Meister wird… .  3. Ich habe mit ein paar netten Drachenfliegern gesprochen und mich sehr über die freundliche Aufnahme von ewigkite.de gefreut.  4. Ich habe ein spektakuläres Nachtfliegen und ein nettes Feuerwerk miterlebt.
Ein etwas ausführlicher Bericht über das Drachenfest in Borkum wird demnächst folgen.
Jetzt sitze ich – mal wieder leicht lädiert, da ich versehentlich bei einem Sprung einen 360Grad-Turn, der sicher auch einen coolen Kitenamen hat, den ich aber nicht kenne, gemacht und danach etwas unsanft aufgekommen bin – an meinem Laptop im Kaminzimmer und werde nachher noch in die Nähe eines offenen W-Lannetzes fahren, um ein paar Dinge online zu regeln. Denn was ich mit der Telekom in den vergangenen vier Tagen erlebt habe, das wäre eine mehrseitige Geschichte wert. Kurz gesagt: Kein  DSL seit Donnerstag und den Telekommitarbeiter – der sehr freundlich war – davon abgehalten die Tiefbauabteilung der Telekom an meinem Haus rumgraben zu lassen. Vermutlich ist es nur der Router. Aber eben nur vermutlich.
Morgen Bochum und Essen, übermorgen Kassel.  Schaun wir mal. Eigentlich bräuchte ich ja aber wieder mal eine Woche zuhause, allein um die ganzen Ideen abzuarbeiten, die uns auf Borkum gekommen sind.  Und Geld müsste für ewigkite.de her …. Schaun wir mal.

3.September
Ein intensives Seminarwochenende in Bielefeld liegt hinter mir: „Von Christus reden“.  Etliche Bausteine des Seminars waren für mich nicht neu, aber die Zusammensetzung der etwa 20 TeilnehmerInnen machte die beiden Tage in Bielefeld zu etwas Besonderem. Engagiert waren die Leute dabei. Und sehr freundlich und wohlwollend wurden meine Anregungen aufgenommen. Und viel habe ich gesprochen. Während des Seminars selbst und auch in den freien Zeiten. Sehr nett war ich bei Henkels untergebracht. Natürlich wurde es dann abends auch wieder spät. Etwas müde – u.a. weil ich zwei Tage hintereinander in meinen freien Stunden durch den Teutoburger Wald geradelt bin und dabei erstmals die 21 Gänge meines Fahrrads einsetzen musste – habe ich dann noch den Abendgottesdienst mitgestaltet.  Ziemlich knülle kam ich am Sonntagabend  nach Hause und musste mich dann am Montagmorgen an meine Predigt vom Vorabend erinnern: Wenn der Alltag wie ein berg erscheint,  dann muss man „aufstehen“ und losgehen. Am Montag wollte ich eigentlich ordentlich  was am Schreibtisch wegschaffen. Ich hatte aber keine Energie. Und keine Lust.
Ich habe einen Tag frei gemacht. Und das tat gut.
Nachmittags war ich, wo ich am liebsten bin, wenn Wind ist … . In Hooksiel. Der Wind war ruppig, Spaß hat es dennoch gemacht. Das mit dem Springen klappt besser und besser, auch wenn ich noch nicht jeden Sprung stehe.
Am Montag konnte ich meine „To-do-Liste“  also ziemlich gut verdrängen. Seit gestern hängt sie mir wieder im Nacken und  auch mein kürzlich erst gut geleertes E-Mail-Postfach hat sich schon wieder dermaßen angefüllt, dass ich etwas mies gelaunt werde. Hey, ich habe doch erst letzte Woche alles abgearbeitet!!!!
Nachdem ich gestern Vormittag beim Pastorentreffen des Oldenburger Pastorenkreises war und wir einen Aufsatz meines netten und intelligenten Kollegen Michael Kißkalt miteinander besprochen haben (zum Thema Allversöhnung; spannend, spannend….) haben, habe ich nachmittags nur wenig am Schreibtisch geschafft. Abends ging es dann zu einer Sitzung nach Firrel. Rund um diese Sitzung gab es manches Aufregende (rein innerlich!) für mich, an dem ich noch heute Vormittag knabbere.
Für heute habe ich mir vorgenommen mal wieder möglichst viel von meiner To-do-Liste zu schaffen.
Die inhaltlichen Dinge, die ich eigentlich schon am Montag oder gestern machen wollte, habe ich verschoben. Auf heute oder morgen. Mit halbwegs schlechter Laune kann ich nicht inhaltlich arbeiten. Und seit zwei Tagen  habe ich halbwegs schlechte Laune…. .