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Die aufblasbare
Kirche von
ewigkite.de.
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24.Juni
ich tippe nur mit rechts. der arm ist nicht überdehnt, sondern gebrochen. zwangspause. tut auch gut...
freitag kommt die schiene vermutlich ab, da der unterarm aud fanö schon so schön zusammen gewachsen ist .... ts ts ts ....
23.juni
Ich bin am Frühstückstisch sitzen geblieben, habe das Laptop aufgeklappt und nun kann die neue Woche kommen. Eigentlich könnte ich ein paar freie Tage gebrauchen, denn innerlich und äußerlich waren die letzten Tage sehr sehr schön und sehr sehr anstrengend. Es liegen aber etliche hundert, wenn nicht sogar 2000 Kilometer in der neuen Woche vor mir.
Körperlich lädiert sitze ich also wieder in Oldenburg: Mein linker Arm ist überdehnt, eine Prellung in Rippenhöhe, Schürfwunde am linken Arm, blaues rechtes Auge und einen großen geschwollenen linken Zeh (mit drei Stichen, die die Wunde, die ich mir durch eine Scherbe zugezogen habe, zusammen halten). Allem Anschein nach habe ich es etwas übertrieben auf Fanö.
Die Sache mit dem Zeh kam dummerweise wegen Barfußlaufen am Samstagabend dazu, als ich – sowieso schon halb kaputt nach einem anstrengendem Tag mit Aufbau, Gesprächen, Fernsehteam (Interviews, Buggyfahren und danach nasse Klamotten, Landboarden und drei misslungene Versuche des Kitesurfens für den ERF – Wind war weg - ) usw. an der Versteigerungshalle auf Fanö anzukommen, um dort noch einmal die Kirche aufzubauen. Johannes und Andreas mussten dann alleine weiter machen, das TV-Team war weg und plötzlich wieder da, blieb dann doch nicht bis Sonntag und der Wohnwagen war eingeparkt worden.
Um Mitternacht nochmal mit genähtem Fuß zur Halle und Wohnwagen holen. Und Dreiviertel des am Tag Erlebten hatte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal ansatzweise verarbeitet.
Am Samstag hatten wir den Kirchturm direkt am Haupteingang zum Strand platziert. Wir konnten uns vor Kontakten kaum retten: Die „Offiziellen“ des Drachenfestivals (DVD-Team, Hauptorganisatoren, Chefs von Drachenfirmen, Kitepäpste, etc.) und die ganznormalen DrachenfestivalbesucherInnen rannten uns die Bude ein.
Armer Andreas, armer Johannes, die ich ab 13 Uhr alleine lassen musste, um mit dem Fernsehteam zu touren. Als ich sie 5 Stunden später wieder traf, waren sie echt kaputt.
Na und dann nochmal Kirche aufbauen – an der Halle. Und dann die Glasscherbe. Es war für alle MitarbeiterInnen ein heftiger Tag. Aber auch sauschön!!!!!
Das Konzept von ewigkite.de scheint anzukommen. Veranstalter von Drachenfesten haben uns gefragt, ob wir auch noch zu ihnen kommen können. Frustrierte evangelikal geprägte und auch aus den Freikirchen ausgetretene Leute konnten bei uns ihren Unmut über konservative und weltfremde Gemeinden loswerden, Interessierte haben mit uns über Gott diskutiert, viele Drachengeschichten wurden ausgetauscht, Leute haben einfach nur Kaffee getrunken und die „lustige Idee“ kommentiert, zwei Leute kamen auf die Idee, die „Kirche zu entweihen“ (mit Hilfe ihres Teufel- Einleiner-Drachens; wir haben beschlossen, einmal ein Bild zu machen, bei dem der Teufel über der Kirche schwebt, denn „Gott ist sowieso der Stärkere, ihr könnt ruhig versuchen, die Kirche zu entweihen! Das schafft ihr nicht! Gott braucht nämlich weder eine Kirche aus Stein noch eine aufblasbare Kirche“) und und und.
Kurz: Johannes, Andreas und ich waren total begeistert von der Resonanz , freuen uns über viele Gespräche mit Leuten, die sonst nix oder wenig mit Kirche zu tun haben, haben viele neue Ideen, was man noch so machen könnte und wissen zugleich, dass das nur geht, wenn mehr Leute mit nach Fanö kommen.
Denn: Wir haben uns übernommen. Es war zu viel. Ich zumindest bin an meine Grenze gekommen, was körperliche und psychische Belastung angeht. Deswegen bräuchte ich jetzt eigentlich einen freien Tag. Aber den haben Andreas und Johannes auch nicht. Und die vielen anderen Leute, die auf Fanö waren, auch nicht. Also weiter … .
21.Juni
Es ist schon klasse!
Das Fanö-Video-Team, welches professionelle Aufnahmen macht und jedes Jahr eine DVDüber das Drachenfestival rausbringt, hatte sich angekündigt. Da ich vor dem Termin zum Fotografieren und Kontakten von weiteren Sponsoren am Strand unterwegs war und dabei komplett die Zeit vergessen hatte, kam ich zu spät zum Wohnwagen zurück, um mit dem Aufbau der Kirche zu beginnen.
Kein Problem:Unser netter Standnachbar „Turbinenheinz“ samt anderen Platznachbarn sowie viele Leute aus dem HQ-Team haben mit angefasst, um die Kirche zum ersten Mal komplett am Strand aufzubauen. Es ist schon klasse. Das Miteinander auf Drachenfestivals. Diesmal habe ich den Eindruck, dass ich von besonders netten Menschen umgeben bin.
Vormittags habe ich es sehr ruhig angehen lassen. Meine Knochen taten noch von Donnerstag weh und ich dachte, dass es ganz gut sei, wenn ich mich ein wenig schone. Und es was auch gut, wie ich an meiner körperlichen Verfassung, heute am Folgetag, merke.
Ein paar Fotos von Markus Woosbridge aus UK habe ich gemacht.
Und dann: Ein ausgiebiger Besuch im Einleinerbereich des Strandes, manches nette Gespäch mit Drachenfreaks und auch ein paar Sponsorenkontakte waren gestern Morgen dran.
Dann die nette Aktion mit dem gemeinsamen Kirchenaufbau (und auch Abbau), immer wieder kleine Gruppen zum Kaffeetrinken am Wohnwagen und nachmittags von 4 bishalb sechs dann mit der Pulse 2 auf’s Wasser.
Gestern Abend hatte Claudia mir, nachdem ich ihr mein Leid geklagt hatte, dass die Schaumkronen mir oft das Brett unter den Füßen wegreißen, noch ein paar sehr sehr hilfreiche Tipps zum Wellenkiten gegeben. Und es hat geklappt. Riiiiiiiiiichtig klasse. Ich glaube ich habe jetzt öfter mal Lust „auf Welle“. Ist echt nochmal was anderes als Flachwasser.Anders schön. Na ja, gestern habe ich als anderthalb Stunden das Wasser genossen.
Gespannt bin ich auf heute, Samstag. Es wird ganz anders sein als gestern. Wir werden erst ab nachmittags im Powerkitebereich sein. Ganz früh, jetzt gleich gegen8 Uhr, werden wir uns an den Haupteingang stellen. Zumindest mit dem Kirchturm. Und eigentlich würde ich gerne heute Abend bei der Versteigerung die Kirche in oder neben die Halle stellen. Mal sehen.
Heute kommt Tabea vom ERF mit 2 anderen Leuten. Mal schauen, ob wir die mit dem Kitevirus infiziertkriegen.
Ach ja, noch eins: Wenn Dinge so laufen, wie geplant,gedacht, erhofft, erbeten, dann sage ich immer „Danke Gott!“. Das habe ich in den letzten drei Tagen des öfteren gesagt/gebetet.
20.Juni
Ich bin begeistert! Der Wind bläst mit vier Windstärken, gegen 14 Uhr hat der Regen eingesetzt, das HQ-Team hat seine Drachen und das komplette Material bereits eingepackt und Johannes und ich haben das Aufräumen bei Regen nochvor uns. Insbesondere der Kirchturm, der versandet und eingeregnet auf der Schutzplane liegt, macht mir bei diesen Bedingungen Sorgen. „Sollen wir noch was helfen?“ „Nein, lasst mal, fahrt schon mal los!“ Die netten HQ-LerInnen lassen sich aber nicht abhalten … . Gemeinsam geht es eindeutig besser und schneller noch dazu. Sowieso: Es ist klasse, wenn man „seine Leute“ so hat und nicht mutterseelenallein auf Fanö ist. Am Vormittag war die Premiere: Obwohl der Wind etwas kräftig erschien, haben wir zum ersten Mal den Turm aufgestellt. Die Bodenanker gehen ca. 1 Meter in den Sand. Aufgeblasen ist der Turm innerhalb von 5 Minuten. Erste Reaktionen: Klasse! Ist ja lustig. Hätte ich nicht gedacht, dass das so cool aussieht. Jan Hendrik und Markus kommen angerannt, legen ihre Handtücher auf den Boden, knien vor dem Turm nieder. Ich lache mich halb tot. „Nimm‘s uns nicht übel, soll keine Gotteslästerung sein!“ Ach was, Gotteslästerung ist was anderes! Das ist ein mit Luft befülltesStück Plastik! Und die beiden haben den Knackpunkt sofort entdeckt: Die Kirchturmspitze erinnert eher an das Dach eines Wasserturms oder an die Kuppel eine Moschee. Aber so schlimm ist das auch nicht, oder? Ersten finden das vielleicht Leute mit einem anderen religiösem Hintergrund gut und zweitens macht sich der christliche Glaube nicht an spitzen Kirchtürmen fest. Mal sehen, ob die Spitze in einem zweiten Arbeitsschritt noch geändert wird.
Eigentlich wollte ich nach dem Aufbau ein wenig Einleiner fotografieren gehen, aber ersten tat mir meine Hand, mein Becken und meine Wange weh (leichtes blaues Auge, Schürfwunde, leichte Prellung, weil ich mit dem obergeilen Anarkite-Board samt Flysurfer Dope über den Strand geballert bin und durch eine kleine Sandverwehung von 100 auf 0 gestoppt wurde, stürzte und ….) und zweitens waren plötzlich kaum noch Drachen am Himmel zu sehen, da der Regen einsetzte.
15 Uhr bei Regen in der Unterkunft. Das kann’s doch nicht gewesen sein! 30 Minuten später. Frisch geduscht mache ich mich mit Götz und Co bei strahlendem Sonnenschein wieder auf den Weg. Okay, dann heute noch mal auf’s Wasser. Sollte man das tun, wenn man schon Knochenschmerzen von einem Mountainboardsturz hat? Vielleicht nicht, aber wer einmal auf einem Kiteboard stand, der kann vielleicht nachvollziehen, dass ich bei 4 bis 5 bft. einfach noch mal eben musste … .

Gut 2,5 Stunden sind es gewesen. Und es war mehr Geballer als Seniorenkiten (was ja sonst eher meine Art ist). Die erste gute Stunde war mehr als mühsam. Vor dem Strand brechen die Wellen und ich bin einfach nicht mit der Wucht der Schaumkronen zurecht gekommen. Das Brett wurde mir immer wieder unter den Füßen weggezogen. Mehr als ein Dutzend Wasseraufenthalte waren dasErgebnis. Abends hat Claudia mir noch eine kurze Lehrstunde Theorie in Schaumkronenbrechen gegeben. Ich tippe mal, dass es das nächste Mal besser wird. Die zweite Stunde habe ich dann etwas weiter draußen, also hinter den gebrochenen Wellen in den Wellen, verbracht. Und das war der Hammer. Wellen abreiten! Kaum Stürze und jede Menge gutes Feeling. Die Überanstrengung habe ich dann gemerkt, als ich gegen 21 Uhr mit den anderen zu Abend gegessen (Grillen zum EM-Spiel Deutschland Portugal) habe. Kurz nach dem Spiel habe ich mich hingelegt, etliche Knochen nochmal deutlich gespürt, 1 x im Bett umgedreht und weg war ich, während im Haus noch echte Stimmung war.
Heute werde ich es ruhiger angehen lassen. Das „Fanö-Fernsehen“ will vorbeikommen und die Kirche filmen. Ich will ein paar Leute (u.a. weitere Sponsoren, die ich angefragt habe und die hier mit mir sprechen wollen) treffen, Fotos machen, um 12 Uhr beim „Bird-Meeting“ sein und versuchen einzutüten, dass die Kirche morgen Abend auch in der Pferdehalle steht.Schonen werde ich mich auf jeden Fall, denn auch heute Morgen spüre ich noch etliche meiner 43 Jahre alten Knochen … .
18.Juni:
Der Wind weht, wo er will! Allem Anschein nach wollte der Wind am Mittwoch, 18. Juni, besonders gern in Dänemark auf der Insel Fanö wehen!
Bei vier bis fünf Windstärken kam ich, nachdem ich am Dienstag noch zum Geburtstag von C.H. aus E. in E. war -50.-, auf Fanö an.
Johannes hatte ich ab Buchholz mitgenommen. Klasse, wenn man Leute nach zwei Jahren wieder trifft und es sofort „klappt“.
Eine herzliche Begrüßung durch die HQ-Leute, das Staunen von Johannes über die Dimensionen Fanös und dann, … Kaffeemaschine auspacken, Leute erfreuen und selbst aufs Wasser. Hammer!
Die höchsten Wellen, die ich je erlebt habe. Nach ein paar Anfangsschwierigkeiten durch Welnnenkronen, die mich immer wieder auf den Boden der Tatsachen und damit ins Nasse zurückgebracht haben, lief es klasse.
Drei Stunden, wie sagt man?, „Wellen gerockt“! Gigantisch.
Der Wohnwagen gefällt, die Kaffeeidee kommt an und Johannes und ich sind umgeben von lauter netten Leuten. Abends dann ins Ferienhaus. Lecker essen und nach ein paar Stunden Rumhängen ab ins Bett. Und mal wieder früh wach geworden.
Mit der Frage im Kopf, on wir die Kirche bei so einem Wind überhaupt aufbauen können… . Mal sehen.
11.Juni: Prag
(Das muss man wollen… . 8 DinA-4-Seiten, Verdana, Schriftgröße 10.Denen, die lesen, wünsche ich eine anregende Lesezeit…
Betr. Zeitliche Reihenfolge: Diesmal von oben nach unten.)
Einigermaßen erschlagen von den ganzen Eindrücken vom „Runden Tisch“ und von den Planungen für die kommende Zeit(9.+10. JuniBerlin: „Runder Tisch“ der Lausanne-Bewegung, Abt. Deutschland, in Berlin; 10.+11. Juni Elstal/ Berlin: Steuergruppe des DB Mission), mache ich mich mit Gunnar – mein Kollege aus dem Süden – auf den Weg nach Prag.
Dort werde ich mich mit vielen meiner europäischen Kollegen zur „EBM Mission Conference“(European Baptist Federation www.ebf.org) unter dem Thema „Living water in a dry and thirsty land“ treffen. Ausnahmsweise ist diese Konferenz der „European Mission Secretaries“ – dabei habe ich nicht mal eine Sekretärin – in Zusammenarbeit mit der „Living Water Initative“ des Baptistischen Weltbundes (www.bwa.net) organisiert.
Die große weite Welt wird also im wunderschönen Prag auf die kleine europäische Welt treffen. Und wir beide aus dem kleinen Deutschland werden auch dabei sein.
Nach vier Stunden Fahrt kommen wir im „Vatikan“ der europäischen Baptisten an. Auf dem wunderschönen Gelände (siehe Bilder in der Galerie) finden wir uns schnell zurecht. Nach wenigen Minuten sind wir mitten drin. Bald haben wir uns auch daran gewöhnt englisch zu sprechen. Schon beim Abendessen wird mir deutlich, dass die vormir liegende Tage besondere Tage werden. Aus mehr als 20 Ländern sind Kollegen gekommen.
Von Ost (Moldawien) bis West (Belgien) und von Nord (Norwegen)bis Süd (Israel) sind Vertreter der Baptistischen Bünde anwesend.
Der Begrüßungsabend wird wie manche andere Veranstaltung auch vom baptistischen „Euro“-Papst Tony Peck geleitet.
Die erste Gänsehaut überfällt mich, als die ca. 50 oder 60 Leute gemeinsam einen alten bekannten Choral miteinander singen. Gänsehautfaktor dann auch, als die Teilnehmer zum Gebet aufgefordert werden („pray in the language you are comftable with“) und innerhalb kürzester Zeit viele unterschiedliche Sprachen hörbar werden. Und natürlich ist klar, dass alle Anwesenden Gott, den Vater Jesu Christi, ansprechen, loben oder bitten.
Die ersten Kontakte finden statt, freundliche Begrüßungen bei einem Glas Wein oder Tässchen Kaffee auf der Terrasse des wunderschönen Geländes. Eine warme laue Sommernacht in Prag.
Dänen lerne ich kennen. Einen netten Schweden. Ein kurzes Gespräch mit den Israelis und ein Witz mit dem Moldawier und der Schottin.
Donnerstag, 12. Juni
Seit einigen Wochen werde ich immer früh, zu früh wach. Lange vor dem Frühstück liege ich wach und denke über die vergangenen Tage nach. Und über das, was nächste Woche auf mich zukommen wird. Die aufblasbare Kirche. Fanö. Drachen. Wieder eine ganz andere Welt. Meine Güte, komme ich bei all‘ dem innerlich mit?
Abgelöst wird das Grübeln von einer kribbelnden Freude darüber, dass ich alles das erleben darf. Gut gelaunt begebe ich mich zum Frühstücksbuffet. Ich liebe Rührei am Morgen! Zwei Portionen. Englisch zum Frühstück ist nicht ganz so einfach, aber Ian, der Missionssekretär aus England macht mir die Konversation einfach. Englischer Humor zum Frühstück.
Nicht ganz so leicht verdaulich wie das Rührei. Aber anregend.
Ein paar Studenten des Internationalen Baptistischen Seminars, welches auch auf dem Gelände in Prag angesiedelt ist, nehmen am gemeinsamen „worship“ der Konferenz teil. Es tut gut, Choräle oder ältere englische Lieder zu singen, die nicht aus der Hillsongecke kommen. Kein weiches Gesinge, keine schlichten Melodien, kein Gesäusele. Klar und deutlich. Laut und kräftig wird gesungen.
Die erste kurze Bibelarbeit hält Tony Cupit. Jona. Eine bekannte Geschichte für die gelehrten Ohren und Hirne der Zuhörer. Viele der Anwesenden haben irgendeinen akademischen Titel oder sind irgendwelche oberwichtigen „Funktionäre“ aus ihren Bünden. Ein leichter Anflug von Inferioritätsneurose überkommt mich, wird aber jedes mal, wenn ich mit den Leuten persönlich ins Gespräch komme weggeblasen.
Also Jona. Tony Cupit, der ehemalige Evangelisationschef des Baptistischen Weltbundes und jetzige Koordinator für die Living Water Initiative, die von 2005 bis 2010 vom Weltbund der Baptisten durchgeführt wird, legt die Geschichte spannend und anregend zugleich aus, indem er u.a. deutlich macht, dass Jona auf einer „downward spiral“ war.
Er sank tiefer und tiefer (nach Jafo,ins Schiff, in den Fisch), bis er in den Tiefen des Meeres im Bauch eines Wales zu finden war. Ob die Geschichte tatsächlich so stattgefunden hat, ist dabei nicht von Interesse. Dass Jona vor Gott weglief, weil er ahnte, dass Gott sowieso gnädig sein würde und nicht – wie Jona und andere Leute das vielleicht gerne sehen würden – mit den Leuten von Ninive strafend und unbarmherzig umgehenwürde. „Wir halten das einfach nicht aus, dass Gott so gnädig ist. Wir halten das für uns selbst schlecht aus und auch nicht für andere.“
Ebenso stellte Tony Cupit heraus, dass es uns einfach nur befremdet in der Geschichte zu lesen, dass Gott die Seeleute attackiert und dass Jona ein Loblied singt bzw. ein zuversichtliches Gebet spricht, obwohl seine Situation im stinkendenFischbauch alles andere als erfrischend ist.
Die vielen anregenden Gedanken der Bibelarbeit haben wir in einer kleinen „Reflection group“, die uns auch in den kommenden Tagenbegleiten sollte, weiter besprochen. Andreas Hojmark und Thomas Willer aus Dänemark, Colin Godwin aus Belgien, Michal Omelianowicz aus Polen, Zelkjo Mraz aus Kroatien, Sandor Hegely aus Ungarn, Tony Cupit aus Australien und Per Westblom aus Schweden waren in meiner Gruppe. Eine echt klasse Erfahrung mit Leuten aus so unterschiedlichen Ländern einen biblischen Text zu reflektieren… .
Das erste Referat der Konferenz wurde von Darell Jackson aus England gehalten.
Darell machte deutlich, dass die Diskussion um Moderne, Postmoderne oder ähnliche Titulierungen unserer heutigen Zeit im europäischen Kontext noch einmal ganz anders aussieht, wenn man die „Helikopterperspektive“über Europa einnimmt.
Derall, der Leiter eines europäischen Researchcenters, machte deutlich, dass man unsere heutige Zeit auf keinen Fall über einen Kamm scheren kann, dass in verschiedenen Länder oder auch in ganzen Regionen die gesellschaftlichen Gegebenheiten, Werte und Lebensmuster noch in der Vormoderne stecken, in anderen hingegen die Postmoderne bereits wieder zu den Akten gelegtscheint. Inkulturation in das jeweils gegebene Umfeld scheint angesagt zu sein ohne sich dabei der Zeit oder den Zeitgenossen anzubiedern. Inkulturation also nicht um der Mission willen, sondern um des normalen menschlichen Lebens willen.
Fasziniert von der Differenziertheit und zugleich einfachen und verständlichen Sprache des Referenten (das zeichnet wohl alle wirklich intelligenten und weisen Menschen aus) begab ich mich in die multikulturelle überwiegend englischsprechende Mittagpause.
Um halb drei ging es dann weiter. Casestudies. Fallstudien.Beeindruckende Beispiele gelingender missionarischer Aktivitäten in Europa wurden präsentiert. Und die Probleme beim Namen genannt.
Kann man sich als Deutscher vorstellen, was die bulgarischen Baptisten erleben, wenn sie inmitten eines von der orthodoxen Kirche beherrschten und autoritär dominierte Gesellschaft aufAnfrage eines Bürgermeisters ein öffentlich zugängliches Badbauen, damit die unterste undvon allen diskriminierte Gruppe im Land, die Sinti und Roma, bessere hygienische Bedingungen haben? Und das auch, wenn die Baptisten kurz vor Ostern 2008 von Seiten der Orthodoxen Kirche in einem Brief an alle 4000 Bewohner der Stadt wegen ihres sektenhaften Verhaltens angeprangert wurden.
Die Vorwürfe, die in dem Brief zu lesen waren, erfüllten die Baptisten allerdings mit Stolz. Ihnen wurde vorgeworfen: 1. Sie glauben nur an Jesus (Anm.: Und nicht an die Heiligen der Kirche). 2. Sie halten sich nur an die Bibel (Anm.: Und nicht zusätzlich an überlieferte Traditionen und Dogmen) 3. Sie helfen den Armen und Kranken (Anm.: Und sind nicht auf den Seiten der Machthaber zu finden).
Dass sich auch die Baptisten mit dem intensiven Kontakt mit den Roma und Sinti nicht leicht tun, wurde auch deutlich. Zu groß und manchmal fast unüberbrückbar erscheinen die kulturellen Unterschiede. Aber sie haben ein öffentliches Bad gebaut. Und sie unterrichten die Kinder. Hut ab.
Ein weiterer Bericht folgte aus Schweden. Gemeindegründung im hohen Norden Schwedens, nachdem ein Kollege noch zu Sowjetzeiten in Sibirien mutmachende Dinge in Sachen Gemeindegründung erlebt hat.In Schweden war es dann aber anscheinend nicht ganz so einfach wir in Russland. Langsam aber stetig wächst die Gemeinde im Norden Schwedens.
Interessant dabei: Auch hier hat sich die Gemeinde für eine ethnische Minderheit geöffnet und dadurch viel Zuwachs und Zuspruch erhalten.
Nach diesen sehr bewegenden und sich für die Armen und Beladenen engagierenden missionarischen Projekten, tat ich mich zunächst schwer damit, von ewigkite.de zu berichten. Das ist ja nun wirklich ein Projekt in einer Überflussgesellschaft.
Die Reaktion meiner Kollegen in der anschließenden Kaffeepause machte mir aber deutlich, dass zu einem europäischen Denken auch die Fähigkeit gehört, den anderen immer im Kontext seines Umfeldes zu sehen. Und deswegen fanden die Moldawier und auch die Ungarn die ewigkite.de-Idee klasse.
Die aufblasbare Kirche sorgte für Schmunzeln und Begeisterung. Und auch für konkrete Nachfragen. Wer weiß, vielleicht wird schon demnächstein Exemplar in das Land exportiert, in dem die erste Inflatable Church gebaut wurde: England. Ian Bunce hat Interesse gezeigt. Seine Idee: Die Kirche auf „fairs on the countryside“ aufstellen, von innen noch verdunkeln und für Kinoveranstaltungen nutzen. Mal schau‘n. Ich muss endlich – bald – die Sache mit der Produktion und dem Vertriebklären.
Stuart Murray Williams – später mehr zu ihm -nahm mich in der Kaffeepause im feudal ausgestatteten Salon des Haupthauses des EBF-Castles beiseite und fragte mich, ob ich eigentlich auch daran gedacht habe, eine „Drachen-Gemeinde“ zu gründen. Er erzählte mir Beispiele von Skater- und Künstlergemeinden, die er aus seiner umfassenden Kenntnis missionarischer und diakonischer Initiativen stammen.
Er ermutigte mich, weiter zu denken und die Sache auch gleich theologisch zu fundieren. Ob ich z.B. schon mal darüber nachgedacht habe, das Evangelium in eine Sprache zu übertragen, Bilder, Vergleiche, Gleichnisse zu finden, die das Evangelium und auch das Geschehen rund um das Kreuz Jesu in Vokabeln und Vorstellungsmustern der Drachenfans wiedergibt.
„Think out oft he box to spread the gospel!“ Meine Güte, bin ich kleinkariert. Und dabei denke ich manchmal von mir selbst, dass ich nicht all zu sehr hinten dran bin. Ist immer die Frage, mit wem man sich vergleicht … . Na ja, und dann gab es da noch eine Abfrage bzgl. ewigkite.de, die mich fast von den Füßen gehauen hat. Dazu darf ich aber nicht eine Zeile mehr schreiben. Wenn’s was wird, dann wird es hier sicher zu lesen sein…(„don’t count too much on it, but maybe there is a 5% possibility, that it may work“).
5% sind immerhin das Fünffache von einem Prozent. Es ist eben immer eine Frage, womit man es vergleicht.
Nach der in edlem Ambiente stattgefundenen Kaffeepause gab es weitere Beispiele ausSchweden (InterAct), aus der Ukraine (eine Initiative in „downtown rich Kiew“, die sich, inspiriert von einem hochoberintellektuellen Professor mit 5 Doktortitelnan Intellektuelle und Reiche wenden wollte, die dabei aber auf die gebildete Nase fiel und niemanden, aber auch gar niemanden erreichte, bis ihr – vielmehr den Verantwortlichen - deutlich wurde, dass sie es doch lieber mit den ganz normalen Menschen halten sollte. Jetztbietet die ganz normale kleine Baptistengemeinde Wirtschaftskurse und Englischkurse für ganz normale Leute an, macht gute Erfahrungen damit und ist ansonsten nach meinem Eindruck eine ganz normale ukrainische kleine Baptistengemeinde).
Aus Kopenhagen berichtete Thomas Willer von seiner/ einer nach emerging church riechenden Gemeinde, die „echt mit den Leuten unterwegs ist, mit ihnen fragt ‚im flow‘ ist und so gut wie keinen Antworten hat“.
Bei dem Bericht habe ich gemerkt, dass es wirklich gut ist, dass ich vor nun knapp 2 Jahren mit der Jugendarbeit aufgehört habe. Ich bin wirklich zu alt dafür. Aber wenn die Jungs, die keine Antworten haben und „Jesus and all the other stuff“ irgendwie so auch ein wenig oder manchmal sogar ganz stark und superintensivund überhaupt, dann ist das auch okay. Zumindest ein stückweit. Schon.
Nachdem Abendessen – wieso gibt es eigentlich auf Konferenzen, bei denen man nur sitzt, gleich zwei warme Mahlzeiten am Tag?
Das kriegt man ja nie von den Rippen! -hat uns dann der Direktor des International BaptistTheological Seminary (IBTS),Keith Jones, gemeinsam mit seinen Kollegen einen kleinen Einblick in die Arbeit des IBTS gegeben.
Das IBTS ist die Theologische Ausbildungsstätte für die European BaptistFederation (EBF). StudentInnen aus ganz Europa – und das nicht nur BaptistInnen – studieren in Prag.
Das IBTS bietet spezielle theologische Sachgebiete an, in denen die Studierendenin Zusammenarbeit mit der University of Wales ihren Doktortitel machen können.U.a. gehören anabaptist studies, enviromentalstudies und contextual missiology dazu. Ziemlich schlaue Dozenten und Studenten, die sich da auf dem Gelände rumtreiben.
Das wäre nichts für mich. Das ist nicht mein Lebensschwerpunkt. Das Intellektuelle und so.
Tja, und als wäre das noch nicht genug gewesen an Eindrücken und Infos für den Tag, gab es dann zum guten Schluss noch Informationen zum „Living Water Programme“ der Baptist World Alliance. Tony Cupit erzählte, dass der BaptistischeWeltbund durch eine sehr große für Evangelisation zweckgebundene Spende in die Lage versetzt wurde, das Thema Evangelisation weltweit voran zu bringen.Seit dem Baptistischen Weltkongreß 2005 in Birminghamgibt es unter dem Motto „Christ the Living water“das Programm, welches eine „anhaltende Strategie für Evangelisation und Leiterschaft durch die BWA über die kommenden 5 Jahre ermöglichen will.
Der Schwerpunkt soll dabei auf internationalen Konferenzen für Leiterschaft und Evangelisation überall auf der Weltliegen.“ Tony Cupit berichtete von den Konferenzen in St.Petersburg, in Brasilien, Nigeria und Thailand. Das Treffen in Prag war eine weitere dieser Konferenzen.Tony Cupit machte deutlich, dass Prag eine große Ausnahme sei.
In Brasilien z.B. wurde die Konferenz mit etwa 3500 Teilnehmern durchgeführt und hatte viel stärker den Charakter eines „Glaubensfestes“.Prag wurde durch den baptistischen Weltbund u.a. dadurch unterstützt, dassetwa 20 „younger leaders“ (unter 40, … ich bin definitiv alt) auf Kosten des Weltbundes nach Prag kommen und an der Konferenz teilnehmen konnten. Leiterschaft inkl. Nachwuchsförderungliegt den Verantwortlichenauf dem Herzen.
Als Tony Cupit gegen Ende des Tagesdie in spanisch, portugiesich und englisch verfassten Bibelarbeiten an die Teilnehmer verteilte und uns aufforderte diese in unseren Ländern bekannt zu machen, um die Living Water Initiative zu unterstützen, wurde ich von einem euphorischen Anfall ergriffen, der in mir den Gedankenverankerte, dass ich die Texte vom Englischen ins Deutsche übersetzen sollte. Die Euphorie ist vergangen. Es ist auch schon zwei Tage her. Das werde ich doch wohl schaffen. Lohnt sich bestimmt. Ich nehme es mir vor.
Nach den abschließenden kurzen „group reflections“ und ein paar Gebeten in Sprachen, die ich nicht verstand – macht ja nix, solange Gottund die Leute, die beten das verstehen - ,konnte der Abend dann in einer benachbarten Kneipe bei tschechischem Bier ausklingen.
Mit am Tisch: Norwegen, England, Deutschland.
Eins noch: Dass Deutschland an diesem Tag bei der EMgegen Kroatien verloren hat, das machte sich an den Beileidsbekundungen gegenüber Tobias (Kollege aus Murnau), Gunnar und mirbemerkbar.
Und an dem breiten breiten breiten Grinsen der kroatischen Kollegen.
Freitag, 13.Juni
Rührei zum Frühstück. Lecker! Andacht, Singen, Gebet. Auch gut. Und dann eine Bibelarbeit vom stellvertretenden EBF-Generalsekretär Valeriu Ghiletchi aus Moldawien zum „Missionsauftrag“ Jesu in Johannes 20.
Aufgabe für die anschließenden reflection groups:Die Missionsaufträgeder Evangelien miteinander vergleichen und fragen, warum wir uns so sehr auf die Version des Matthäusevangeliumseingeschossen haben und was sich ändern würde, wenn wir stärker den Evangelisten Johanneshören würden. Na ja, sind ja alles Theologen. Die werden das schon aus dem Stand machen können.
Interessanterweise mutierten unsere Austauschgruppen aber nicht zu intellektuellen Zirkeln, sondern zu sehr persönlichen Treffen, in denen deutlich wurde, dass wir kulturelle und damit auch theologisch ganz unterschiedlich geprägt sind, dass es uns allen aber darum geht, dem Missionsauftrag ganz gleich in welcher synoptischen oder johanneischen Form auch immer nachzukommen.
Und das aus freien Stücken.
Mit einem brillianten Vortrag von Stuart Murray William wurde der Vormittag fortgesetzt. Der Gelehrte ausEngland machte uns auf seine klare, deutlich-strukturierte und zugleich emphatische Weise deutlich, dass in Europa neue Wege der Evangelisation eingeschlagen werden müssen, wenn die Kirchen mit ihren Angeboten nicht komplett an den Menschen unsererZeit vorbei leben wollen.
Wenn sich in Deutschland manche jüngere oder ältere Kollegen mit „emerging church“ beschäftigt haben – was ich vor kurzem auch für meine Verhältnisse relativ lang und intensiv getan habe - , dann sollten sie mal ein paar Veröffentlichungen von Stuart Murray William lesen. Stuart verlässt die Denkkategorien der üblichen Systeme oder Theologien und ermutigt Gemeinden und einzelne Christen zu einer engagierten Nachfolge Jesu.
Die Emerging Church Bewegung hat er von Anfang an mitbekommen und begleitet, er kennt die englische und an vielen Stellen auch die europäische kirchliche Szene mit allen ihren Schattierungen und linken und rechten Flügelschlägenund schafft es, verbindend und wohlwollend viele unterschiedliche Ansätze zu würdigen. Er würde sich sicher nicht als Vertreter der EC bezeichnen.
Diese Titulierung würde auch nur einen kleinen Aspekt dessen bezeichnen, was er anderen Leuten zu vermitteln hat. Gelernt habe ich von ihm das, was ich immer mal wieder lernen muss: Es gibt immer mehr. Es gibt noch immer ein weiter, offener, barmherziger.
Ich bin zu kleinkariert. Und auch die Emerging Bewegung ist zu kleinkariert.
Beim Mittagessen wurde Stuarts Vortrag intensiv nachbesprochen.
Nicht ganz so intensiv ging es dann mit zwei Casestudies weiter, bei denen jeweils eher eine praktische Idee vorgestellt wurde:
1. Exist aus England.
Man nehme eine „black box“, fülle sie mit nett gestalteten Zetteln, die mit einzelnen religiös anregenden Worten bedruckt sind und auf der Rückseite ein Jesuswort haben, und gebe si an Kollegen etc.weiter. Eine rudimentäre Form des Traktates. Anregend, da nicht so überstülpend. Nett gemacht. Nur warum haben die engagierten Kollegen so viele und lange Worte um die Sache gemacht, die mit so wenigen Worten auskommt. Okay, okay, nicht nur bei mir, sondern auch bei anderen Teilnehmern machte sich langsam der Konferenzkoller breit. Wir freuten uns alle auf den Abend in Prag. Endlich mal raus. Endlich mal nicht Theologie oder Missiologie. Endlich mal keine tollen Anregungen, sondern nur entspannen.
Eine Fallstudie muss aber noch sein vor dem Abendessen. Na gut.
Incarnate Network aus England. Kurz gesagt: Gemeinde gründen. Ganz unterschiedlich. Vernetzen. Einloggen. Geschichte schreiben. Bilder hochladen. Gegenseitig ermutigen. Vielleicht auch mal ein Konzept online stellen. Putzig, das Gleiche, das gemeindegruenden.de seit einem halben Jahr oder so in Deutschland macht. Die Jungs aus England denken weiter. Europäisch. Sie wollen verknüpfen. Gunnar will und wird dafür sorgen, dass die Deutschen sich da dranhängen.
Und dann endlich: Feierabend in Prag-City.
Ca. 40 „mission secrataries“ steigen gemeinsam in den Bus vor dem Gelände des IBTS ein. Ob der Busfahrer sich darüber gefreut hat, ist fraglich. Aber lustig war‘s.Mit Bus und U-Bahn in die Nähe des Schlossesund dann noch ein paar hundert Meter zu Fußbevor einem der Atem wegbleibt, weil sich plötzlich die riesige Kirche neben dem Schloss (wie heißt sie eigentlich?) erhebt.
Meine Güte, hatten die Baumeister des MittelaltersIdeen! Beeindruckend, sehr beeindruckend der Weg durch das Schloss, die Seitenstraßen, der Blick von der Höhe über das im Tal liegende Prag.
Das Wetter meint es dann doch noch mal gut mit uns, nachdem es tagsüber eher bedeckt und manchmal sogar auch regnerisch war: Die untergehende Abendsonne legt sich sanft auf die Häuser und Denkmäler der „goldenen Stadt“. Ja, dann ist sie wirklich golden.
Kurz halte ich sogar die Luft an. Wenn da nur nicht die vielen Touristen wären.Wenn ich nicht da wäre, wäre wenigstens einer weniger da. Aber einer mehr macht es dann auch nicht mehr, oder? Der gemeinsame Abstieg mit einer Theologengrupe, die mittlerweile auf ca. 10 Leutezusammen geschrumpft ist, durch die engen Gassen Prags hinab zur Karlsbrücke mit dem phantastischen Blick über die Moldau, … das ist schon etwas Besonderes. Dann noch eben an den Touristenbuden in der Altstadt vorbei, bevor uns eine Großleinwand auf dem Rathaus -(oder Markt-) Platz beinahe vergessen lässt, dass wir in dieser wunderbaren Stadt sind.
Das Fußballfieber der EM ist bestimmend. Holland gegen Frankreich. Ist dann wohl 4:1 ausgegangen. Wir verziehen uns dann mit der mittlerweile auf fünf Leute zusammen geschrumpftenTruppe in ein Straßencafe.Lecker Bier. Und nette Runde. Diesmal sind „nur“Belgien, Schottland, Deutschland und die Schweiz. Ulrich Dolder aus der Schweiz erzählt vom Krieg. Nicht vom 2.Weltkrieg. Vom Krieg, in dem seine Söhne „dienten“. Als Ex-Amerikaner konnte er uns manche zu Herzen gehende Geschichte erzählen und auch ein paar Kommentare zu den Präsidentschaftswahlenabgeben.Liebesgeschichten schlossen sich an. Und eine Diskussion über Homosexuelle in der Kirche.
Diskutiert haben wir eigentlich nicht. Es hätte heftig werden können. Wir haben einander zugehört. Nicht kommentiert oder argumentiert.
Als ich abends am Einschlafen war, dachte ich noch, dass das vielleicht eine Methode wäre, um auch in Kirchen/ Gemeinden zerstrittene Parteien langsam aber sicher zueinander zu bringen. Jeder und jede erzählt erstmal, ohne dass der oder die andere kommentiert. Und dann geht man auseinander und trifft sich erstnach längerer Zeit wieder.
Es war ein netter Abend in Prag. Diese Stadt ist eine Reise wert. Ich muss da mal länger hin! Am besten mit meiner Liebsten.
Samstag, 14.Juni
Kein Rührei zum Frühstück. Ich hatte mich so drauf gefreut. Das hartgekochte und kalte Ei war ein schlechter Ersatz. Nun denn. Engländer und ein Kanadier zum Frühstück. Gespräche über Gott und seine Welt. Ohne Rührei. Dann wieder eine Andacht. Und dann wieder eine Bibelarbeit. Kurz knapp.
Diesmal zum Bibeltext 1.Korinther 1,18-31 von Peter Penner, Dozent am IBTS. Das Wort vom Kreuz ist eine Torheit … .In der Gesprächsgruppe, die heute – womit der Tagdieses Eintrags nun markiert ist/ ich sitze im Zug nach Hause und nutze den Strom der DB – ausnahmsweise nicht von Per aus Schweden sondern von Carstenaus Germany geleitet wird(weil Per schon im Flieger sitzt), geht es zur Sache: Wir sprechen über Kultur und Evangelium, über das Skandalon des Kreuzes und was die Botschaft von einem elendig am Kreuz verreckenden Gott mit uns macht.
Dieser Gott passt in keine Gesellschaft. Sei sie antik, spätantik, früh-, mittel- oder spätmittelalterlich, vorindustriell, industriell, modern, spät-, prä- oder psotmodern! Was für ein Gott. Das, der kann doch einfach nicht sein. Ist das, ist der zu glauben? Worauf kommt es eigentlich an?
Der Gedanke macht sich breit, dass wir noch so sehr über gesellschaftliche Gegebenheiten nachdenken können, dass sich aber nichts an uns oder unseremfür andere erkennbaren leben verändert, wenn wir uns nicht immer wieder dieser „dummen“, dieser für „die Weisen“ nicht zu kapierenden Botschaft vom Kreuz aussetzen.
Peter Penner hatte die Worte des Paulus etwas ausgeführtund deutlich gemacht, dass die Botschaft vom Kreuz nicht für die Weisen, die Einflussreichen undfür diejenigendie „noble of birth“sind, bestimmt oder gedacht ist. Und dass sie von eben diesen auch nicht gedacht, geschweige denn geglaubt werden kann. Und da saßen wir nun in unserer Kleingruppe, die „Funktionäre“, die „general secrataries“ und der Vertreter des Baptistischen Weltbundes.
Es ging ziemlich zur Sache. Und es wurde auch ziemlich persönlich. Die Kaffeepause hat uns davor bewahrt unser Leben radikal zu ändern (na ja, fast ….; zumindest haben wir erneut oder mal wieder einen Blick für die Armen und Schwachen bekommen und es war dann – zumindest für mich – schon bewegend, alsTony Cupit zum Abschluss unserer Gruppentreffen gebetet hat. Nicht für uns. Sondern für die Leidenden und Unterdrückten dieser Welt).
Die Vorträge der vergangenen Tage waren Toplevel. Intelligente, bodenständige undfromme Leute, die einem den Horizont weiten. Kann doch gar nicht sein, dass es noch einen dritten guten Vortrag gibt.„ReVisioning Church – a view from North America“. Der Generalsekretär der Baptisten in Kanada, Gary Nelson,hielt denfür mich herausfordernsten, weitgehendsten und zugleich „tiefsten“ und unterhaltsamsten Vortrag der Konferenz.
Zunächst einmal machte er deutlich, dass er zwar Nordamerikaner, dabei aber eben Kanadier sei. Darauf legte er großen Wert und sparte auch nicht mit kritischen Worten gegenüber den US-Amerikanern. Sagen wir mal so: Eine solche – auch politische – Offenheitund Ehrlichkeit, die auch abgrenzende Worte enthält, hört man in „unseren“ Kreisen von Funktionären nicht all zu häufig.
Und dann legte Gary Nelson erst so richtig los. Kurz zusammen gefasst kann man vielleicht sagen, dass wennman in den Mustern althergebrachten theologischenDenkens und damit auch ekklesiologischer Praxis bleibt, muss man sich nicht wundern, wenn man sich in seiner eigenen Subkultur irgendwann selbst miefig und muffig vorkommt und dann keine Lust mehr auf das hat, was man selbst „eigentlich“ gut findet.Programme, Projekte und Initiativen helfen da wenig, da sie nur an der Fassade der eigenen Theologie Ausbesserungsarbeiten vornehmen.
Man muss an die Fundamente gehen. Man muss nicht nur eine Theologie oder Frömmigkeit annehmen und für „wahr“ und richtig halten, man muss seine Theologie finden. Die eigene.
Programme und Gemeindebewegungsinitiativen kamen bei Nelson wirklich schlecht weg: Sie seien so etwas wie der Versuch, auf einer weltfremden Gemeinde-Insel das äußerlicheErscheinungsbild ein wenig zu verändern, damit Nichtgläubige das Gemeindeleben möglichst attraktiv finden. Gemeindenwürden aufihrem Territorium vermehrt Beobachtungstürme aufbauen oder kleine Trupps ins das anscheinendfeindliche „heidnische“Umland aussenden, um Ungläubigen mit möglichst wenig Kontakt zu begegnen, sie am besten aus der Entfernung zu beobachten, um dann wieder in ihr anscheinend sicheres Gebiet zurückzukehren, und dann ein wenig, in der Hoffnung, dass Ungläubige sich dann mehr dafür interessieren würden,an derFassade des Gemeindelebens herumzudoktern.
Hin und wieder würden sich dann auch Leute auf das „christliche Territorium“ verirren. Die Freude darüber sei groß, auch wenn der Erfolg eher mäßig sei.
Sich vom Erfolgsdenken zu verabschieden und „borderlands“ / Grenzgebiete einzurichten, in denen sich gläubige und nichtgläubige Menschen frei begegnenkönnen, sei ein möglicher Weg.
Das hat ethische Konsequenzen für Christen… .
Gegen Ende seines brillianten Vortags plädierte Nelson für eine „Theologie der Ortsgemeinde“. Allem Anschein nach sei die Zeit der großen Entwürfe, auch die der großen theologischen Entwürfe, die an allen Orten zu allen Zeitenfür alle Christen oder Gemeinden verbindlich oder passend sind, vorbei. Er wolle den Ortgemeinden Mut machen, ihre ganz eigene Theologie und daraus resultierende Gemeindepraxis zu entwickeln, damit sie mit den Menschen ihrer Umgebung das Evangelium auf die Artund Weiseteilen können, in derdiese es verstehen können.
Dies war der letzte inhaltliche Gedanke, der mich in Prag „erreichte“. Und er hat es mir angetan, da dieser Ansatz noch weit über den hinausgeht, den ich- zumindest in derdeutschen emerging church-szene - so lese und mitkriege. Die Engländer mögen da weiter sein.
Sowieso:
Wir Deutschen sollten vielleicht „einfach mal die Klappe halten“, was emerging church angeht, bevor wir nicht wirklich, echt und intensiv die Szene in England kennen gelernt haben. In Deutschland nennen es ja schon einige „emergent“ wenn sie einenFrage haben. Und einen Freund, der mit ihnen gemeinsam fragt. Ja, meine Güte!
Also, nochmal zu Gary Nelson : Weiter denken! Und auch weiter handeln. Die Beispiele, die er nur mal eben so aus seiner Gemeindearbeit vor Ort eingestreut hat, haben dann beim anschließenden Mittagessen für leicht heftige Diskussionen gesorgt.
Das wollte er bestimmt so.
Ich bleibe dran an diesen Gedanken ….
So, und jetzt sitze ich, nachdem Gunnar mit mir trotz Navi durch Prag geirrt ist – okay, ich habe auch den falschen Bahnhof angegeben -im Zug. Der hatte auch noch eine StundeVerspätung.
Das wird wohl nichts mit 23:30 Uhr in Oldenburg.
Wenn ich überhaupt noch nach Oldenburg komme.
Mal schaun.
Zur Familie will ich aber ganz dringend! Morgen ein freier Tag! YEAH. Mit Familie. Und in einer ganz normalen Gemeinde. Man könnte ja in dieser Gemeinde ….
Und nächste Woche wird bestimmt nicht weniger aufregend ….
5.Juni
Die Vorbereitungen laufen. Zwei Dinge habe ich gerade besonders im Kopf. Zum einen werde ich vom kommenden Dienstag bis Sonntag in Prag sein. Dort werde ich mich mit lauter Carsten Hokemas aus Europa treffen. Also mit denen, die in ihren Ländern die gleiche oder ähnliche Arbeit machen wie ich im Norden diesen unseres Landes.
Mission Secretary Conference heißt das Ganze. Obwohl ich letztes Jahr nicht dabei war, hat das Treffen in Bristol 2007 Spuren bei mir hinterlassen. Mein Kollege (er ist viel mehr) Gunnar war da und hat von einem Projekt aus Bristol erzählt, bei dem große Gemeinden kleinen Gemeinden helfen. Sehr beeindruckend. Dieses Modell lässt mich seither nicht los und ich lasse es wenigstens ansatzweise in meine Referate einfließen. Mal schaun, was dieses Jahr inhaltlich dran sein wird. Soll ein recht bereicherndes Treffen sein. Ach ja, und ich werde zum ersten Mal ein paar Takte zu ewigkite.de auf englisch sagen. Muss ich noch vorbereiten. Wie heißt denn das? KITEernity vielleicht?
Am Montag und Dienstag werde ich aber erstmal zum „Runden Tisch“ der Lausanner Bewegung in Berlin sein. Das ist nur deutschlandweit aber mit Blick auf Kapstadt 2010 sehr wichtig: Dann gibt es nämlich ein nächstes Welttreffen für Evangelisation. Kapstadt. Ob ich da auch sein werde? Uuuuh, nächste Woche ist die „Über den Zaun schaun-Woche“.
Und dann – wenn ich wiederkomme- hole ich am Tag darauf die aufblasbare Kirch ab. Dann noch einen Tag packen, eine 50.Geburtstagsfeier (nein, nicht meine!) und dann geht‘s nach Fanö.
Internationales Drachenfestival. Die Materialien von und für ewigkite.de treffen so langsam alle ein und es kann los gehen. Ich bin gespannt. Freue mich aber schon über eine positive Rückmeldung von jemanden, den ich zufällig getroffen habe, der nicht wusste, dass ich mit ewigkite.de etwas zu tun habe und der einige MitarbeiterInnen beim Drachenfestival in Norden getroffen hat. Ein Fernsehteam vom ERF wird ewigkite.de zwei Tage lang begleiten (hoffentlich sind das Windtage ….). Also, mir wird nicht langweilig.
Das war auch gestern so, als ich mich intensiv mit der zweiten Sache beschäftigt habe, die mir im Kopf rumgeht: Der Weltjugendkongreß Ende Juli in Leipzig (schon wieder was Internationales…). Ich werde dort u.a. ein Fotoprojekt machen (6000 Leute fotografieren und ein A1-Poster im Weltkartenlayout daraus basteln). Ich brauche noch Geld dafür… . Schon wieder Sponsorenbriefe. Rufe ich also erstmal bei meiner Lieblingsfotofirma Canon an. Nix zu machen in Deutschland, „aber kann ich es vielleicht noch in der Europazentrale versuchen“? Mit wenig hoffnungsmachenden Hinweisen bekomme ich von der deutschen PR-Sponsoring-Frau einen Kontaktnamen in Holland. Holländisches Englisch ist echt gewöhnungsbedürftig. Nein, nicht sei möglich, wenn dann erst wieder im Juli, denn jetzt seien sowieso schon alle bei der EM. Wie bitte? Aber vielleicht seien die Engländer ja noch da. Englisches Englisch klingt wieder ganz anders. Meins bleibt mit amerikanischem Akzent (1982-1983 Grand Rapids, Michigan, USA). Ja, ich sei zwar mit der Falschen verbunden, aber das klänge ja interessant und ich sollte doch eine E-Mail an soundso schicken. Meine Stimme wird zitterig, meine Hände dann schweißig, als ich drei Seiten zusammen schreibe, um sie an Canon Europe loszuschicken, nachdem ein schottischer Freund – Muttersprachler eben – nochmal drüber geschaut hat. Man darf gespannt sein … . Ich bin’s.
So, jetzt aber wieder zurück ins ganz normale Leben. Mit den ganz normalen Kindern, der außergewöhnlichen Frau und den ganz normalen 1000 kleinen Dingen, die es zu tun gibt. Eins noch: manchmal – jetzt gerade z.B. – überkommt mich ein tiefes tiefes Gefühl der Dankbarkeit, dass ich einen so tollen „Job“ habe. Ich bin jetzt fast zwei Jahre im DB Mission des BEFG und es ist klasse. Vielfältig. Inhaltsreich. Menschlich. Herausfordernd. National. Mal darüber hinaus. Weit. Manchmal kleinkariert. Alles dabei. Mein Dank geht nicht ins Leere. Ich danke Gott.
3.Juni
4 Stunden und gerade mal ein gutes Drittel der Bahn Nummer 5 fertig. Das ist wirklich kein normaler Wahnsinn! In mir macht sich der Gedanke breit, dass ich mich diesmal so ziemlich verrechnet habe mit einer Idee. Wie kann man auch nur meinen, dass eine Weltkarte von 100 qm mal so eben genäht ist? Gestern hat meine Nähmaschine also Nachtschicht gemacht. Nur der Gedanke ans Ziel und wie es wohl sein wird, wenn das fertige Produkt dann irgendwann im Juli mal vor mir liegen wird, hat mich angespornt weiter zu machen. Dann wird es sicher zu einer Glückshormonausschüttung kommen. Der Gedanke daran, dass viele der 6000 Jugendliche aus aller Welt, die zum Weltjugendtreffen der Baptisten nach Leipzig kommen, mit dieser Weltkarte etwas anfangen können, der ist einfach faszinierend. Die Drachenstoff Weltkarte wird in der „Respond-Area“ liegen. Nach den Konferenzveranstaltungen sollen die Teilnehmer die Möglichkeit haben, aktiv zu werden. Auf der Weltkarte sollen sie Post It‘s mit Gebetsanliegen anbringen können.
Dass ich das noch erleben darf (wenn vorher nichts Schlimmes passiert): Ein Welttreffen der Baptisten in unserem Land. Ich freue mich auf diese internationalen Tage mit prominenten Rednern der baptistischen Welt und mit tausenden von ganz normalen Jugendlichen. Und natürlich hat das auch einen Hauch von „nochmal eben eintauchen in die gute alte Welt des GJWs“. Bis vor zwei Jahren war ich Jugendpastor und habe u.a. bei bundesweite Jugendtreffen mitgearbeitet. Das waren immer Highlight. In Leipzig habe ich neben der Weltkarte noch ein anderes Projekt vor. Dazu später mal mehr auf dieser Seite. Auch dafür werde ich ein paar Nachtstunden einlegen müssen. Ohne Schreibmaschine, aber mit Laptop.
Ach ja, gestern war auch noch Weihnachten für ewigkite.de. Ich habe die Sponsorensachen von Invento HQ abgeholt. Alle Deute, die uns auf Drachenfesten sehen, können sich schon mal freuen. Es ist wirklich reichhaltiges und auch ganz unterschiedliches Material dabei. Ein paar Trainerkites von Ozone sind bereits auch schon angekommen. Und wenn alles gut geht, dann kommt diese Woche noch ein Lieferung von Flysurfer. Und Anarkite hat auch schon geliefert… .

