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Die aufblasbare
Kirche von
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Glaubensthemen
28.August
Geschafft! Heute habe ich endlich den E-Mailberg, der sich in den Sommerwochen aufgetürmt hatte uns der danach noch nicht abgearbeitet worden war, „erledigt“. 12 E-mails liegen noch im Posteingang. Das sind ziemlich dicke inhaltliche Klopper, die ich mir dringend in der nächsten Woche vornehmen muss.
Mein Problem besteht meistens darin, dass ich an Wochenenden zu irgend welchen Seminaren und Schulungen unterwegs bin und dann am Montag jeweils wieder vor einem neuen Berg sitze. Mit den freien Tagen ist das so eine Sache.
Morgen mache ich aber wenigstens mal wieder ein paar Stunden frei. Der Wind soll ganz gut werden und Wasser wird gegen Mittag auch da sein. Mein Schreibtisch und die Familie werden mich am Vormittag nicht vermissen. Nachmittags muss ich dann die letzten Vorbereitungen für ein Wochenendseminar in Bielefeld treffen. Samstag früh geht‘s los und Sonntag spät am Abend bin ich dann wieder da.
Tja, und dann steht nächstes Wochenende Borkum an. Von Montag bis Donnerstag werde ich inhaltlich Gas geben müssen, um den September gut vorbereitet zu bekommen.
Manchmal – wie heute Vormittag, als ich mich mit FSchneider getroffen habe, um einen Seminartag im November vorzubereiten – überkommen mich die Zweifel, was die Nachhaltigkeit meiner Arbeit angeht. Man oder ich halte irgendwo ein Seminar, es war vielleicht – bestimmt nicht immer – ganz gut, man und ich fährt wieder weg und was bleibt? Ich denke, dass viele Gemeindesituationen ein grundsätzliches Nachdenken brauchen.
Das würde an vielen Stellen ans Eingemachte gehen. Bzgl. der Theologie und auch bzgl. der Frömmigkeitspraxis und der Struktur der Gemeinden. All zu gut kann ich auch KollegInnen verstehen, die in den jeweiligen Gemeindesituationen nicht so auf den Topf hauen können, wie ich das als „Überregionaler“ kann, der mal eben kommt, seine oder die Meinung sagt und dann nichts mehr mit dem ganz normalen alltäglichen „Kleinkram“ zu tun hat.
Wie kommen wir nur über die Kleinkramerei oder die Kleinkrämerei hinweg? Ach, wenn ich doch ein Patentrezept hätte … . !
“Dein Reich komme!“
25.August
Ruhe vor dem Sturm. Bevor es so richtig losgeht. Nach einem für meine Verhältnisse und Empfindungen wunderschönen Gottesdienst in der Gemeinde Ihren (ach, ich liebe es, wenn Gemeinden klar und kräftig singen und dazu noch Choräle und bekannte Hymnen; okay okay, Musik ist wirklich geschmacksache!) und nach einer kleinen Radtour am gestrigen Tag, hat die neue Woche ruhig anfangen: Frau und Kinder sind pünktlich zur Schulzeit aus dem Haus gegangen, ich habe ein wenig aufgeräumt und dann eine Erledigungstour von Drachen über Baumarkt bis hin zur Post und zum Autohändler gemacht. Endlich neue Reifen auf der Karre. Die alten waren schon kriminell. Wie gut, dass ich nicht in eine Kontrolle gekommen bin... . Schaue ich mir die Woche, die vor mir liegt an, dann denke ich, dass ich mir die gestrige Predigt nochmal selbst halten sollte: Steh auf! Geh hin! Dein Glaube wird dir helfen. Etliche Kilometer und ganz unterschiedliche Situationen werden vor mir liegen. Manchmal fordert mich das heraus. Insbesondere nach den Sommerwochen.
Heute werde ich es noch ruhig angehen lassen. Dies und das erledigen, Regale im Minikeller für die Kitebags aufbauen, Computer für Kinder und Frau endlich auf die Reihe bringen und wenn dann noch zeit ist, werde ich einen neuenh Drachen ausprobieren. Schaun wir mal.
Zu geistigen oder geistlichen Höhenflügen bin ich heute aber sicher nicht imstande... .
22.August
Gestern habe ich sie zu ihrer neuen Schule gebracht. Henrike war einigermaßen aufgeregt. Die weiterführende Schule ist im Vergleich zu ihrer kuscheligen Grundschule, auf der sie bisher war, ein reines Monstrum bzgl. des Gebäudes und der Anzahl der SchülerInnen. Gemeinsam sind wir zur Schule geradelt. Ein neues gebrauchtes Fahrrad hat sie auch gerade rechtzeitig zum Schulbeginn bei den „Großen“ bekommen. Sie hat zum ersten Mal investiert: Ihr Bankkonto ist fast geräumt für die Hälfte des Preises. Auch das fiel ihr nicht ganz leicht. Als sie dann aber mit dem fast neu wirkenden Fahrrad auf den Schulhof rollte, schien der Bann gebrochen zu sein. Die Begrüßungsfeier mit Ansprache des Rektors, Liedern und Vorstellung der LehrerInnen war nett gemacht und anschließend begleitete ich Rike noch in ihre Klasse. Und dann habe ich sie allein gelassen. Ein neuer Abschnitt beginnt. Rike ist ganz munter drauf und hat es klassen- und lehrermäßig wohl auch ganz gut getroffen. Mir war auch etwas komisch zumute. Meine Kinder werden größer … .
Den Vormittag und halben Nachmittag habe ich am Schreibtisch verbracht und mal wieder versucht, gegen den im Urlaub angefallenen Berg der E-Mails an zu arbeiten. Wären das nur äußerliche Dinge, ginge es schnell, aber hinter mancher E-Mail verbirgt sich inhaltliche Arbeit.
Nachmittags bin ich dann los nach Gummersbach, wo sich die Landesverbandsleitung des Rheinlands traf. Sitzung von 18.00 bis 22.15 Uhr. Um 1 Uhr war ich wieder zuhause.Ich habe definitiv zu wenig geschlafen! Am Montag war ich bei der Landesverbandsleitungssitzung in Westfalen/ Dorsten und am Dienstag habe ich die Landesverbandsleiterin aus Nordwestdeutschland getroffen. Drei von 5 Landesverbänden in einer Woche. Das kommt eher selten vor. Damit habe ich jetzt aber definitiv das Empfinden, dass der Alltag wieder da ist. Einerseits freue ich mich drauf, andererseits muss ich gegen manche Dinge ansehen. Es geht mir vermutlich wie Janneke, Rike und Enno, die am Tag vor Schulbeginn auch Schlucken mussten.
Heute kommt Pascal noch zu Besuch, um sich mal webedition anzuschauen.
19.August
Leif Ruben und Frederic! Das habe ich wohl noch nie erlebt. Als ich heute Morgen meine E-Mail abrief waren es um die 10 Stück. Die letzten Beiden waren Geburtsanzeigen: Zwei an einem Tag. Direkt hintereinander. Kinder von Leuten, die ich echt mag. Die beruflich tolle Sachen machen, sich in Südafrika einsetzen gegen das Elend dieser Welt oder in Hannover solide Gemeindearbeit machen.
„Jedes Kind bringt die Botschaft mit sich, dass Gott diese Welt noch nicht vergessen hat.“
Ich bin gerührt von den beiden Geburtsanzeigen.
Ein intensives Wochenende liegt hinter mir. Es war nicht so gut, dass ich gleich nach dem Urlaub losgelegt habe und die Familie wieder allein gelassen habe. Aber das „Event“ an sich war der Hammer. Ich war zum ersten Mal von A bis Z auf einem Drachenfest. „Drachen über Lemwerder“ hatte ich mir lange nicht so groß vorgestellt. Die Ausmaße und Teilnehmerzahlen haben mich überrascht. Die Zeitung schrieb von 10 000 Leuten. Überrascht war ich von Vielem an diesem Wochenende: Das fröhliche und unkomplizierte Miteinander der ewigkite.de-MitarbeiterInnen, das lockere Beisammensein, die sehr sehr wohlwollende Aufnahme durch die Organisatoren, die Beiträge des Moderators bzgl. ewigkite.de (meine Güte, hätte ich dem Moderator vorgeben sollen, was er über ewigkite.de und das Anliegen der Aufblasbaren Kirche sagen soll, ich hätte es auf jeden Fall schlechter gemacht als das, was er so aus dem Stand gesagt hat. Es ist schon irre, wenn der Moderator das auf den Punkt bringt, was ewigkite.de möchte). Dankbar gegenüber dem Moderator und auch gegenüber Gott bin ich für so viele gelungenen und easy-going Eindrücke am Flugfeld.
Dutzende von kurzen Gesprächen über „die Kirche“, über die aufblasbare Kirche über Gott und die Welt habe ich geführt. Am Samstag hatte ich am Nachmittag einen richtigen „Menschenflash“. Ich musste mich wenigstens kurzzeitig zurückziehen, um ein wenig innere Ruhe wieder zu finden. Der Wind war dermaßen schlecht, dass kaum Leute Drachen bei uns ausgeliehen haben. Das hat dazu geführt, dass die Leute Zeit hatten sich die Kirche anzuschauen. Und die Kirche war mitten drin. Für jeden und jede, der ans Flugfeld kam, war die Kirche mehr als deutlich zu sehen.
Und natürlich freue ich mich auch riesig über das positive Presseecho print und tv-mäßig.
Nach einem Wochenende vollem Einsatz gibt es bereits jede Menge neue Anregungen für ewigkite.de. Das Geld dafür ist zwar schon da aber eben noch nicht hier.
15.August
Gestern Abend bin ich aus einem schönen Urlaub nach Hause gekommen. Wohnwagen geleert und sauber gemacht. Heute Morgen geht es weiter. Wohnwagen packen für das ewigkite.de-Wochenende in Lemwerder. Ich bin gespannt, wie es werden wird. Es ist nach Fanö das erste „richtige“ Drachenfestival, auf dem die Kirche von ewigkite.de vertreten sein wird. Und am Sonntag gibt es dann auch gleich den ersten Gottesdienst in der aufblasbaren Kirche. Und RTL wird dabei sein.
Ende Juli/ Anfang August
Jede Menge Bilder zu untenstehenden Zeilen unter www.dive-deeper.org
Ich sitze auf einem Campingplatz in McPom. Eine intensive Woche liegt hinter mir. Das 15. Weltjugendtreffen der Baptisten in Leipzig. Eine Woche war ich auf dem Gelände der Messe in Leipzig. Gemeinsam mit 6500 anderen Leuten. Ein paar Gedanken- und Erlebnissplitter:
Alter Knacker
Mit meinen 43 Jahren und seit zwei Jahren schon nicht mehr Jugendpastor, gehörte ich eindeutig zu den Alten bei der Konferenz. Mit mir waren hunderte andere „Senioren“ in Leipzig. Entweder waren das wohl „Funktionäre“ oder Typen wie ich, die es einfach nicht sein lassen können, in internationale Atmosphäre reinzuschnuppern. Oder Leute, die noch immer meinen, sie seien jung. Es war tatsächlich nicht „das Jugendliche“, das mich fasziniert hat (dazu später, da manche Veranstaltung eher seniorenlike war), sondern der Spirit, der erlebbar wird, wenn Menschen aus aller Welt aufeinandertreffen. Ich hatte mir zwei Projekte an Land gezogen, um mit dabei zu sein. So ganz als Teilnehmer wäre mir das doch seltsam vorgekommen. Ich meine, dass es 1989 war, als mich eine Konferenz des Baptistischen Weltbundes, auf der nur ein paar hundert Leute waren, sehr geprägt hat. Seitdem ist es so, dass mich Menschen aus anderen Ländern, wenn sie von ihrem Glauben und ihrem praktizierten Christsein reden, besonders inspirieren.
Inspiration
Unterschiedliche Redner haben die Konferenz geprägt. Ihre Namen habe ich schon jetzt vergessen. Und auch das, was sie gesagt haben, war für mich nicht so bewegend oder nachhaltig, dass ich sagen würde, ich habe Neues gehört oder gelernt. Die manchmal einfache und schlichte Art Bibeltexte zu verstehen und auszulegen, war auffallend. Rühmliche Ausnahme war Nick Lear, der glücklicherweise gleich drei Mal mit Bibelarbeiten am Vormittag dran war. Da hatte ich den Geschmack von Schwarzbrot auf der Zunge. Die Abendpredigten hatten oft etwas von Erlebnisberichten der RednerInnen. Ist ja schön und gut, was die Leute alles erleben, ich frage mich nur, ob das für die ZuhörerInnen immer von Bedeutung ist. Und Erlebtes fand ich schon immer relativ. Knackige und herausfordernde Bibelauslegungen hätte ich besser gefunden – allzu oft wurde der Bibeltext als „Sprungbrett“ verwendet. „Aber ich bin ja nicht die Zielgruppe“ habe ich mir immer wieder gesagt. Die Kids und Teens, Jugendliche und Junge Erwachsene, haben das wahrscheinlich ansprechend gefunden.
Inspiriert wurde ich von dem internationalen Miteinander. Wenn ich mit einem Inder oder Afrikaner – vielleicht nur kurz, mal auch länger – ins Gespräch kam. Von der Stimmung, die sich in der riesigen Essenshalle breit machte, als gut 5000 Leute aus unterschiedlichen Ländern darin versammelt waren, von den kulturell bestimmten Beiträgen im Morgen- oder Abendprogramm, von der fröhlichen und offenen Gesamtatmosphäre, von lachenden Jamaicanern und fröhlichen Amis, von meinem 18jährigen ca. 2 Meter großem blonden Neffen, den ich auf dem Basketballfeld zwischen lauter farbigen Spielern entdeckte, von meinen eigenen Kindern, die ich nur hin und wieder als Teilnehmer des Kindercamps sah und deren Augen angesichts der Veranstaltung, der tollen MitarbeiterInnen und wegen des tollen Programms glänzten (oder vor Übermüdung zufielen). Inspiriert wurde ich von David Coffey, der ganz am Ende der Konferenz nur für 10 Minuten auf die Bühne kam (er ist der Präsident des Baptistischen Weltbundes) und in einer Schlichtheit und Einfachheit, zugleich aber mit einer Tiefe und Ernsthaftigkeit, ein paar zusammenfassende Dinge sagte. Hier sprach mich erlebte und reflektierte Theologie an.
Die Fotoaktion
Vor gut einem Jahr hatte ich die Idee, ein Weltkartenposter, das aus den Portraits der TeilnehmerInnen zusammen gesetzt ist, anlässlich des Kongresses zu produzieren. Und es hat geklappt. Ulf, Corny, Andreas, Tiene und Stiene sowie ein paar Dutzend MitarbeiterInnen des Kongresses haben mir dabei geholfen. Die Vorbereitungsarbeiten dafür haben sich in Grenzen gehalten – abgesehen von dem nervigen Klinkenputzen wegen des Geldes. Gefreut habe ich mich natürlich auch, dass die Idee von den Verantwortlichen gleich angenommen wurde. Letztendlich ist es so, dass eine Privatperson durch eine Einzelspende diese ganze Aktion finanziert hat. Das muss man sich mal vorstellen! Netterweise hatte x-gloo zwei aufblasbare Zelte zur Verfügung gestellt, so dass wir im Eingangsbereich der Messehallen einen auffälligen „Get your picture-taken-Stand“ hatten. Am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag haben wir insgesamt 5500 Fotos gemacht (der Rest wollte wohl nicht). Es war anstrengend, den ganzen Tag auf den Beinen zu sein, aber ansonsten war die Aktion nicht besonders heftig. Die Kameras haben bestens funktioniert, die Stimmung bei den Mitarbeitern war gut und besonderen Spaß hat es gemacht, wenn mal eine Gruppe von 50 oder 70 Indern, Japanern oder Kanandiern am Stück „wegfotografieren“ konnte. Besonders lustig wurde es, wenn wir Leuten deutlich machen mussten, dass sie sich weder vorher schminken noch sonst irgendwie zurecht machen müssen, weil ihr Bild höchstens in 1 x 1 cm erscheinen wird.
Donnerstag Nachmittag gab es dann noch ein paar Transferprobleme mit den letzten 500 Bildern. Andi hatte die 5000 bereits nach Oldenburg mitgenommen und hatte dann am Donnerstagabend gegen 22 Uhr die fertige Posterdatei auf dem Server der Druckerei in Leer/ Ostfriesland hinterlegt.
Ja, die Druckerei Sollermann ist empfehlenswert. Am Freitag um 16:30 Uhr waren die Poster in Leipzig hinter der Hauptbühne. Persönlich vom Chef der Druckerei abgeliefert.
Und natürlich war es eine Riesenfreude am Sonntag nach der Abschlussveranstaltung zu sehen, wie die TeilnehmerInnen sich über dieses Abschlussgeschenk freuten. Und es hat auch schon etwas Kribbeliges zu denken, dass man da etwa produziert hat, das in 89 Länder unserer Welt geht. Und ein Motto zu verbreiten, das für mich theologisch von großer Bedeutung ist: „United in Christ“. Der ist es, der uns vereint. Nicht unsere Theologie, nicht unsere Erlebnisse und auch nicht noch so schöne Kongresse (womit ich natürlich nicht sagen will, dass diese meine Theologie nun die ist, die „objektiv“ ist. Andere Leute hätten anderes unter das Poster geschrieben).
Die Weltkarte
Nachdem Tiene sich gemeinsam mit vielen MitarbeiterInnen am Dienstag um die Platzierung der Drachenweltkarte gekümmert hatte, lag sie während der ganzen Konferenz direkt neben der abgetrennten Veranstaltungshalle. Abends wurde immer dazu aufgefordert, konkret zu werden mit den Anliegen des christlichen Glaubens und dies auch zum Ausdruck zu bringen. Wenn ich hin und wieder auch während des Tages Jugendliche sah. Die auf der Weltkarte saßen oder knieten, um ihre Anliegen auf die vorbereiteten Karten zu schreiben, dann hat mich das berührt.
Leider war die Weltkarte schlecht beleuchtet. Das kam nicht so gut. Die Schutzfolie, die wir glücklicherweise noch bekommen haben und die dafür gesorgt hat, dass die Karte – hoffentlich im nächsten Jahr – noch am Himmeln zu sehen sein wird, hat auch etwas von der Farbenpracht der Karte genommen. Als ich am Abschlusstag die vielen hundert Zettel von der Karte nahm, da dachte ich, dass die Karte ihren Zweck erfüllt hat. Jugendliche sind konkret geworden mit ihren Anliegen. Wunderbar. So sollte es sein. Und natürlich freue ich mich, dass es eine „Nachnutzung“ geben wird.
Leipzig Live
Am Samstagnachmittag hatte die EFG Leipzig dafür gesorgt, dass in der Stadt ein wenig was los ist. Musikbühnen und Aktionen waren vorbereitet. Die Stadt war angefüllt von TeilnehmerInnen. Ein nettes Bild. Mit Stine war ich bei einem Orgelkonzert in der Nicolaikirche. Es begann um 17 Uhr. 6 JapanerInnen des Kongresses setzen sich in die Reihe vor uns und filmten während der ersten drei Stücke hemmungslos die Kirche. Ich musste lächeln. Woher soll denn auch der internationale Gast wissen, dass das in Deutschland nicht üblich ist. Und warum eigentlich nicht. Beim vierten Stück machten es sich die Japaner gemütlich, legten sich mit ihren Köpfen auf die Vorderbänke und nickten weg. Beim 7. oder 8. Musikstück wurden sie wieder wach und warteten offensichtlich auf das Ende des Konzerts. Ds Konzert war eher langweilig und mühsam. Und dauerte viel zu lang für einen warmen Sommertag. Bis 18:20 Uhr. Nach jedem Stück wollten die Japaner aufstehen, merkten aber, dass es dann doch noch nicht das letzte Stück war. Die Armen. Ich hätte mir übrigens auch eine Videokamera gewünscht. Dann hätte ich wenigstens was zu tun gehabt … . Man sollte sich vor Konzertbeginn das Programm anschauen.
Abends gab es auf dem Augustenplatz eine Open-Air-Veranstaltung. Vorweg: Mein Urteil darüber ist vernichtend. Wie kann man nur bei einer Jugendveranstaltung ca. 8 Interviews mit Leuten aus Wirtschaft, Politik und Kirche nur unterbrochen von Musikstücken – und dann waren auch noch zwei Bläserstücke dabei – aneinanderreihen. Ich bin zwar raus aus dem Alter der Zielgruppe, das war aber selbst mir zu lahm. Ja, meine Güte, das sind Leute, die Party wollen. Dann gebt sie ihnen doch bitte open air. Für internationale Veranstaltungen sollte es auch für das Rahmenprogramm ProgrammdirektorInnen geben.
Und Übersetzer müssen her. Immer. Und die müssen vorher gecheckt werden. Immer.
Mitarbeiter oder Teilnehmer?
Es war schon ein seltsames Gefühl, viele Leute aus dem Mitarbeiterteam des Kongresses zu kennen, selbst an drei Tagen mitzuarbeiten und dennoch einen Teilnehmerausweis für den Kongress um den Hals hängen zu haben. Als ich mal bei der Mitarbeiterzentrale etwas erledigen wollte, habe ich die Schwelle nicht übertreten. „Carsten, komm‘ doch rein!“ Habe ich nicht gemacht. Ich war ja offiziell Teilnehmer. Ich bin nun seit zwei Jahren raus aus dem Jugendbereich, habe mich aber sehr über die Freundlichkeit und auch Fröhlichkeit insbesondere der nordwestdeutschen MitarbeiterInnen und TeilnehmerInnen gefreut, mit denen ich in den Jahren zuvor viel zu tun hatte.
Keep us from just singing
Irgend ein bekannter Lobpreisleiter (für nicht kirchlich engagierte LeserInnen: das sind die Typen, die sich meistens etwas verklärt vor eine Ansammlung singwilliger Kirchgänger stellen und diese zu einem mehr oder weniger erfreulichen Gesang anleiten) war für den Kongress engagiert worden. Obwohl ich Texte und Melodien der modernen Lieder sowohl theologisch als auch musikalisch eher in die letzte Ecke meines mp3-Players (den ich nicht habe) verbannen würde, muss ich sagen, dass dieser Kerl das mit seiner Band echt drauf hatte. Stilistisch vielfältig und musikalisch äußerst sauber und zugleich mit eigener Note hat er das gemacht. Klasse. Als dann ein Lied immer wieder gesungen wurde, in dem die Zeile „Keep us from just singing. We must go“ vorkam, dachte ich: „Huch, sowas habe ich in modernen Liedern bisher noch nicht gehört!“ Sehr erfreulich. Auch wenn die Zeilen in gewohnt emotional gehauchter Weise gesungen wurden.
Das war bei den Predigten übrigens inhaltlich auffallend: Es ging weniger um die persönliche Erbauung als vielmehr darum, dass wir Christen doch bitte endlich unseren Allerwertesten hochkriegen sollen, um tatkräftig anzupacken für das Reich Gottes. Das fand ich gut gut gut. Ob es dabei hilfreich war, dass die RednerInnen mit außergewöhnlichen Erlebnissen im diakonischen Bereich aufwarten konnten und davon allem Anschein nach auch gern erzählten, das ist fraglich.
Ich bin sehr sehr dankbar, in Leipzig dabei gewesen zu sein. Es waren erfüllende und schöne Tage. Es waren anregende und manchmal auch aufregende Tage. Ich habe nur das Hauptprogramm miterlebt. Ansonsten habe ich, nachdem die Arbeiten für das Poster abgeschlossen waren, auch Zeit gehabt, um mit Freunden und meiner Frau in die Stadt zu gehen, einen Kaffee zu trinken oder mal die Füße hoch zu machen. Eine herrliche Woche. Eine Woche ohne Kinder übrigens. Die waren bei „Splash“, dem Kindercamp des Kongresses. Enno kam nur zum Schlafen in den Wohnwagen. Ansonsten waren unsere Kinder bestens betreut von den Top-MitarbeiterInnen des GJWs. Es ist schon klasse, dass es das GJW gibt. Und dass unsere Kinder gerne zu GJW-Veranstaltungen gehen.
Die Eindrücke von Leipzig werden noch lange in mir nachwirken.
Jetzt sitze ich erstmal in Mc Pom auf dem Campingplatz und mache 10 Tage Urlaub.
Darauf freue ich mich.
Bericht online stellen und dann bleibt der Computer aus… .
26.Juli
Es ist früh am Morgen und ich sitze mal wieder mutterseelenallein im Wohnwagen in St.Michel. Das Mutterseelenalleinsein ist gar nicht so schlimm.
Doch nun reicht es langsam nach einer Woche ohne Frau und Kinder zu sein. Normalerweise bin ich meistens so drei bis vier Tage am Stück weg. Eine ganze Woche ist da nochmal was Anderes.
Die Teg hier in St.Michel gehen ihrem Ende entgegen. Heute Vormittag werde ich - das habe ich an fast jedem Tag hier genossen - nochmal nach Meldorf zum Kiten fahren. Die Sprungtechnik verfeinern ... .
Gegen Mittag werde ich wieder hier sein. Dann gibt es mit den netten MitarbeiterInnen des Küstenzeltes eine Gesamtauswertung. Natürlich bin ich darauf gespannt.
Es sind leider nicht so viele Gäste ins Zelt gekommen wie erwartet. Sicher, an jedem Abend waren "Unbekannte" oder nur "leicht Bekannte" da. Auffallend - und vielleicht ist das der Weg, den die Gemeinde St.Michel, und nicht nur die!, weiter gehen sollte - war, dass viele Leute aus der Stadt den Tag über oder auch noch abends am Zelt vorbeikamen um zu klönen, einfach hallo zu sagen und dabei zu sein.
Das passt eigentlich zu allen soziologischen Studien der Gegenwart: Der Mensch möchte nicht mit Wahrheiten, auch nicht mit religiösen Wahrheiten, dichtgeredet werden. Er oder sie möchte Gemeinschaft, Akzeptanz und Miteinander. Hier rund um das Küstenzelt hat das in toller Weise geklappt. Gestern z.B. war hier ein Menschenkickerturnier. Es war immer was los. Abends nach der Veranstaltung wurde gegrillt. Es kamen einfach Leute vorbei. "Was ist hier denn los?"
Wenn Christen gefragt werden: "Was ist hier denn los?" dann sind sie aus meiner Sicht gemeindetechnisch auf einem sehr guten Weg.
Gerne war und bin ich bei den St.Michelern. Ein offener und freundlicher Menschenschlag. Und es ist gut, so nah am Ort des Geschehens zu leben. Wohnwagen neben dem Zelt.
Natürlich freue ich mich auf zuhause. Das wird nur für eine Nacht sein. Dann geht es zum Weltjugendkongreß nach Leipzig. Zum Glück aber mit Familie. Sonst würde ich das nicht machen. 14 Tage wären nicht auszuhalten. Für mich.
Und nach leipzig 10 Tage Urlaub. Ach, was ist das Leben schön. Diese Woche in St.Michel. Nächste Woche mit Familie in Leipzig. Und dann Urlaub. Und heute, jetzt, erstmal Meldorfer Bucht. Morgenkiten!

